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Tag 7: Die Heimreise

Am nächsten Morgen wachte ich mit Cole gemeinsam auf. Wir hatten gestern noch schnell Coles Koffer aus seinem Zimmer geholt und ihn für die Nacht umziehen lassen. Marcus und Sam hatten, das gar nicht mitbekommen, da wir erst um Eins wieder in die Herberge kamen. Tyler hatte den Zimmerschlüssel für mich stecken lassen und so waren wir hereingekommen. Zum Glück hatten wir mit Coles Koffer keinen der Lehrer geweckt und hatten es ungehört ins Zimmer geschafft. Bis auf Tyler hatte niemand mitbekommen, wann wir wieder zurück gekommen waren.

"Ich hab nicht gedacht, dass ihr es gleich zweimal in derselben Nacht miteinander treibt", hatte er gähnend von sich gegeben, bevor er wieder eingeschlafen war. Cole hatte sich kurz danach hinter mich ins Bett gelegt, wie an dem Tag als ich krank war, und da wurde mir bewusst, das mein Wunsch ja tatsächlich in Erfüllung gegangen war. Noch einmal konnte ich ihn so an mir spüren, wenn es mir wirklich gut ging. Mit Coles gleichmäßigem beruhigendem Atem neben mir, hatte ich es sogar geschafft, ohne Musik einzuschlafen. Seine Berührungen hatten mich von jedem Gedanken abgelenkt, der mich auch nur halbwegs hätte unwohl fühlen lassen können. Mit ihm war ich einfach sicher.

Ein Sonnenstrahl leuchtete geradewegs in meine Augen und weckte mich ungewollt. Am liebsten wär ich die ganze Zeit im Bett geblieben, nie wieder aufgestanden. Coles Arm um meinen Bauch geschlungen, lag ich vor ihm und fühlte mit meinem Rücken, wie sich sein Brustkorb leicht bewegte, während er atmete. Vorsichtig griff ich nach meinem Handy und blickte auf die Uhr. Bald war es Zeit aufzustehen, denn heute bekamen wir nicht mal mehr ein Frühstück bevor wir zurückfahren würden. Langsam bewegte ich Coles Finger an meinem Bauch entlang und ich musste wirklich fast anfangen zu schreien, als er mich auf einmal in den Bauch kniff, um mich zu kitzeln.

"Mhm, weck mich nicht! Es ist zu früh! Noch fünf Minuten!", bettelte er leise, dass ich nicht jedes Wort verstand. Wegzuckend durch seine Geste, drehte ich mich zu ihm um, dass ich ihm ins Gesicht schauen konnte. Seine schwarzen Haare verdeckten ein wenig seine Augen und sein Kiefer machte diese sonderbaren kleinen Bewegungen, wann immer er einatmete. Zufrieden hob ich meinen Arm, um ihm die Strähnen aus dem Gesicht zu schieben. Dieses Bild von ihm wie er mit mir unter der Decke lag, hätte ich wirklich gerne in einem Kunstmuseum ausgestellt. Selbst obwohl er halb am Schlafen war, war er noch schöner, noch strahlender, noch atemberaubender als ich ihn mir jeden Morgen vorgestellt hatte. Mit meiner Hand hinter seinem Kopf näherte ich mich ihm mit minimalsten Bewegungen. Gefühlvoll öffnete ich meine Lippen und führte sie wie einen Schlüssel in die passende Öffnung. Anscheinend brachte Cole das zum Lächeln, da er von meinem Kuss glücklich schnaufte. Mit einem lauten Ausatmer drehte er sich auf den Rücken und zog mich auf sich. Seine Lippen ließen mich gar nicht mehr atmen. Unerwartet spürte ich, wie sich etwas zwischen meinen Beinen regte und natürlich wusste ich, dass vermutlich alle Männer früh morgens oft bereits erregt aufwachten. Und je nachdem, worüber er letzte Nacht geträumt hatte, war er vielleicht genauso angeturnt wie ich. Coles Hände betasteten meine Hüfte und hielten mich fest auf ihm. Kurz bevor er mit seiner Hand etwas tiefer griff, knarrte das Hochbett laut. "Könnt ihr bitte nicht rum machen, während ich dabei bin, danke", hörte man von dem Morgenmuffel Tyler, den wir wohl gerade geweckt hatten. Wie ein beleidigter Hund knurrte Cole kurz und ließ mich mit einem letzten Kuss wieder von sich runter. "Ich geh schon mal duschen", flüsterte ich leise und stand aus dem Bett auf. Noch bevor ich gehen konnte, hielt Cole mich an meiner Unterhose zurück. "Mhhhm, warte auf mich, ich komm mit", grummelte er verschlafen und rieb sich den Schlaf aus den Augen. "Wenn ihr zusammen wichst, macht es wenigstens so leise, dass ich euch nicht höre. Ihr habt mir schon genug Schlaf geraubt", beklagte Tyler sich erneut und vergrub sich wieder unter die Decke. Ich musste mich später noch bei ihm und Amanda bedanken. Nur durch sie konnte ich das alles mit Nicholas erleben.

Es hatte nicht lange gedauert bis Herr Schanzel an unsere Tür klopfte, um uns zu wecken. Mittlerweile hinterfragten weder er noch Frau Bergold, dass Cole bei uns war. Da konnten sie sowieso nichts dran ändern. Nachdem Tyler geduscht hatte, packten wir unsere restlichen Dinge zusammen und verließen unser Zimmer.

"Ich werde das hier vermissen", sagte ich zu den anderen beiden, als Tyler, Amanda und ich unsere Koffer in den Bus auf dem Parkplatz luden.

"Es ist wirklich ein schöner Ort, wir sollten hier irgendwann nochmal hinfahren. Nur wir vier", schlug Tyler uns vor. Darauf nickte ich zustimmend und wurde von Amanda angesprochen.

"Ich bin einfach nur froh, dass ihr euch endlich geöffnet habt", gestand sie.

"Das war wirklich eine ganz schöne Geburt!", spottete Tyler.

"Danke euch, wirklich", entgegnete ich ihnen und lächelte sie an. "Was ihr für uns getan habt, bedeutet mir echt viel!"

Diese Reise wollte ich niemals vergessen, so viel wie sie mein Leben beeinflusst hatte. Freudestrahlend gaben Tyler und Amanda mir eine Gruppenumarmung, ehe wir uns in den Bus setzten. Am Fensterplatz schaute ich zum Eingang der Herberge, an dem ich darauf wartete, dass Cole endlich heraus kam. Er hatte sich einfach von mir getrennt und hatte nichts dazu gesagt! Er meinte nur: "Ich bin gleich wieder da!" Und war davon gelaufen. Endlich öffnete sich die Tür und Cole kam mit seinem Koffer die Treppen zum Bus hinunter gerannt.

"Das ist der Letzte", sagte Frau Bergold zum Busfahrer, was ihn den Wagen starten ließ. Sie stieg ein und zählte noch einmal alle Schüler durch. Der Bus fuhr davon.

"Wo warst du?", fragte ich neugierig.

"Hab ich dir doch gestern Abend versprochen", erklärte er bloß und wühlte in seiner Hosentasche umher. Als er mir seine Hand öffnete, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Er hatte in der Annahme der Herberge zwei Ketten gekauft, aber nicht irgendwelche Ketten, nein, passend zur Umgebung hing an ihnen jeweils ein kleines Schäfchen.

"Zur Erinnerung, hab ich gedacht. Damit möchte ich mich ganz offiziell bei dir entschuldigen, dafür, was für ein Arsch ich war", sprach er weiter. "Ich hab deine Kette mit dem Delfin gesehen und mich an die hier erinnert. Mit deinem neuen Pulli hast du jetzt schon mal ein halbes Outfit", lachte er und legte mir die Kette um den Hals.
"Ich hoffe sie gefällt dir", fuhr er fort. In diesem Moment wurde mir einmal mehr klar, warum ich Cole liebte.

"Du bist so süß, weißt du das eigentlich?", entgegnete ich ihm und ich meinte es ernst. Nicholas grinste mich verlegen an und wurde etwas rot.

"Das ist mein Satz", scherzte er, sein Blick auf mich gerichtet. Ich wollte ihm seine Kette anlegen, doch dazu kam ich gar nicht, weil er mich einfach so küsste. Vor all den anderen. Amanda applaudierte und pfiff uns zu, wodurch sie alle anderen ebenfalls auf uns aufmerksam machte. So viel dazu, dass er sich nicht vor allen outen wollte. Wer war hier der Mutigere von uns beiden?

Als der Bus an die Bushaltestelle unserer Schule einfuhr, standen bereits die meisten Eltern dort und warteten auf unsere Wiederkehr. Nicholas und ich stiegen gemeinsam aus und wurden von unseren Vätern begrüßt. Ich umarmte meinen Vater kurz und holte mit Cole meinen Koffer aus dem Bus.

"Ich hab dir versprochen, dass wir kein Geheimnis sind, also werd' ich's ihnen jetzt zeigen", sagte er plötzlich zu mir und griff nach meiner Hand, während wir unsere Koffer vor unseren Eltern abstellten.
Ich hatte keine Chance zu reagieren!

Wer hätte gedacht, dass seine Lippen vor seinem hässlichen Vater noch besser schmeckten?

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Hey! Das ist erstmal das Ende für die Geschichte. Ich hoffe, sie hat euch gefallen!

Tatsächlich basiert die Geschichte zu (großen) Teilen auf meinen eigenen Erfahrungen und vieles ist nahezu so abgelaufen - ich sag euch aber nicht welche, das macht das Ganze spannender :)))
Ich finde aber auch, dass die Geschichte hier ein gutes Ende nimmt. Was meint ihr?

Wie auch immer.

Vielen Dank fürs Lesen und danke für alle euren netten und ermutigenden Kommentare und Bewertungen! Ich hab mich riesig gefreut, dass die Geschichte so gut bei euch ankommt!

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Nervös mit dir [boyxboy]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt