~18

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Als ich von meinem Schlaf aufwachte, war niemand mehr in meinem Zimmer. Ich fühlte mich so als hätte mich ein richtig fetter LKW überfahren oder als hätte ich den übelsten Kater. Meine Stirn war immer noch ziemlich warm und meine Haut fühlte sich so empfindlich an, dass jede Berührung weh tat. Irgendwie hatte das kleine Nickerchen mir aber auch gut getan. Vorsichtig stand ich auf und blickte in die Dunkelheit, die den Ausblick aus meinem Fenster unmöglich machte. Anscheinend war es schon abends, so dunkel wie es geworden war. Aus meinem Koffer schnappte ich mir mein Handy um nach der Uhrzeit zu schauen: Zwanzig Uhr. Das Abendessen hatte ich definitiv verpasst - die wichtigere Frage war aber, wo Tyler und Cole steckten. Gerade als ich mir eine Hose nahm, um sie anzuziehen, schloss Tyler die Zimmertür mit unserem Schlüssel auf.

"Hey", begrüßte ich ihn.

"Ah, die Prinzessin ist aus ihrem Schlaf erwacht, ich dachte schon, Cole müsste dich wach küssen...", scherzte Tyler und schloss die Tür.

"Das würde er nie, egal, wie sehr ich es mir auch wünsche", erklärte ich mit monotoner Stimme, während ich meine Hose zuknöpfte.

"Du magst ihn also wirklich?", fragte Tyler wie der Spätzünder, der er nun mal war.

"Natürlich, ist doch offensichtlich oder nicht?", antwortete ich etwas schroff. Immerhin hatte ich noch nie jemanden wirklich von meinen Gefühlen erzählt. Ich schien seine Frage falsch verstanden zu haben, vermutlich hatte er sich das schon gedacht.

"Also, dass du schwul bist weiß ich ja - aber bei Cole, keine Ahnung. Er mag dich auf jeden Fall", versuchte Tyler mich zu ermutigen. Er war ein guter Freund, aber wie es war homosexuell zu sein, davon hatte er einfach keinen Schimmer, woher auch?

"Meinst du?", überlegte ich laut.

Tyler nickte kurz und setzte zu seinem nächsten Satz an.
"Hast du ihm schon mal gesagt, dass du ihn magst?", schlug Tyler vor.

"Nein, was wenn wer er danach nicht mehr mein Freund sein will - Ich will das nicht riskieren. Nur wenn ich zu einhundert Prozent sicher bin, dass er mich mag, könnte ich ihm was sagen", flossen meine Gedanken aus mir heraus.

"Ich denke, du solltest es ihm sagen, wie soll er es sonst wissen, wenn du ihm nichts sagst?" Irgendwie hatte Tyler gerade zu viele schlaue Dinge gesagt - und ich dachte die ganze Zeit, dass ich der Schlaue von uns beiden gewesen wäre. Ich seufzte und zog mir endlich den schwarzen Pullover an, den ich schon seit einigen Minuten festhielt. Vielleicht hatte er Recht? Wenn ich es ihm sagen würde, müsste ich mir meine Worte sorgfältig überlegen. Es gab nur einen Versuch. Alles müsste perfekt sein!

"Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?", fragte ich Tyler neugierig.

"Ach, ich war nur bei Amanda -", entgegnete er zögerlich.

Ich schaute ihn von Kopf bis Fuß an: "Ja, das sehe ich. Dein Hosenstall ist offen. Immerhin kriegt einer von uns, was er will."

Erschrocken zog Tyler den Reißverschluss nach oben. "Wenn's dir so wichtig ist, flachgelegt zu werden, kann ich Justin für dich fragen - Der würde dich bestimmt gerne in den Arsch ficken", reagierte Tyler unbekümmert.

"Was?" Verwirrt blickte ich ihn an, einerseits angewidert von seiner Wortwahl, andererseits verwundert über die Erwähnung von Justin.

"Du kennst dich ja damit aus, er ist bi oder wie das heißt - Justin hatte letztes Jahr einen Freund, der kam immer zu seinen Spielen und hat ihn angefeuert. Und er hat mir gesagt, dass er dich attraktiv findet, da meinte ich, dass er eh keine Chance hat, weil du eh nur Augen für Cole hast, wie Amanda gesagt hat", erklärte Tyler offen. Irgendwie hatte ich das Gefühl einen Filmriss zu haben, aber alles, was Tyler mir gerade erzählte ergab absolut keinen Sinn! Ich konnte die ganze Zeit doch nicht so blind gewesen sein?

"Was meinst du mit 'wie Amanda gesagt hat'?", forderte ich ihn auf, genauer zu erklären. Es fiel mir schwer diese ganzen Informationen zu verarbeiten. Mich hatte noch nie jemand attraktiv gefunden, geschweige denn mit mir Sex haben wollen. Das war einfach unbegreiflich.

"Als wir in der Stadt Klamotten kaufen waren und ich Amanda mit ihrem Kleid geholfen hab, meinte sie, dass es offensichtlich wäre, wie du dich an ihn ranmachst, auch wenn Cole es einfach nicht checkt", beantwortete er meine Frage und irgendwie machte mich das sauer. Amanda hatte jetzt Macht über mich, könnte mein Leben zerstören, wenn sie wollte. Müsste Cole nur sagen, was sie Tyler gesagt hatte und das wars. Das musste ich verhindern!

"Ich muss mit Amanda reden, das darf sie niemanden sagen - wenn Cole das hört - fuck, ich muss zu ihr und mit ihr reden!", realisierte ich ängstlich.

Tyler streckte seinen Arm aus und hielt mich zurück. "Das geht jetzt nicht, beruhig dich erstmal", forderte er mich auf, einen Gang runterzuschalten.

"Warum nicht?", brüllte ich regelrecht.
Tyler hatte Recht, mit dieser Einstellung kam ich vermutlich nicht weit.

"Weil wir gleich eine Nachtwanderung machen, darum bin ich auch nur wieder hergekommen - um dich abzuholen. Wollte nicht, dass du das verschläfst", erläuterte er ruhig.

"Entschuldige, ich wollte dich nicht anschreien", sagte ich kurzerhand.

"Alles in Ordnung, ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert, wenn ich du wäre!", verzieh er mir. Ich lächelte ihn an, war dankbar für alles, was er mir gesagt hatte.

"Also bist du soweit? Frau Bergold meinte, sie wartet nicht auf uns!", verschärfte Tyler die Situation.

Schnell zog ich mir meine Schuhe an und nahm eine dünne Jacke mit, falls mir kalt werden würde. Ich musste Amanda finden, bevor sie jemanden von meinen Gefühlen erzählte!

Nervös mit dir [boyxboy]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt