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Nachdem ich mich in Tylers und meinem Raum umgezogen hatte, ging ich in kurzer Hose und mit einem Sporttrikot von unserer Schule bekleidet zu besagter Sporthalle im Erdgeschoss. Tyler begleitete mich, er wollte zwar nicht selbst spielen, aber die Mädchen saßen auf den Bänken an der Seite und taten vermutlich das, was ich bei Cole tun wollte. Das wäre wohl wie seine Chance, meinte Tyler, irgendwann müsste er ja mal eine klären, welch besserer Zeitpunkt als diese Klassenfahrt. Irgendwie hatte er recht, auch ich sollte mal jemanden nahe kommen, aber daraus würde vermutlich eh nie was werden. Ich war schließlich der einzige nicht hetero Junge in dieser Klasse, obwohl ich mir natürlich nicht sicher sein konnte. Das Internet meinte etwa einer von zwanzig Männern sei schwul und wir waren zweiundzwanzig Männer in dieser Klasse. Wenn man mich abzog, gab es also noch eine Chance von 0,25 Prozent, dass einer der beiden übrigen Jungs auch nicht hetero war. Die wichtigere Frage war nur, ob 0,25 Prozent auf meine Wünsche abgestimmt waren, immerhin stand die Wahrscheinlichkeit dafür nur etwa bei 0,01%. Ich weiß schon, das wirkte ziemlich hoffnungslos, aber man sollte ja nicht immer alles glauben, was man im Internet las, richtig? Wenn ich so darüber nachdenke, gehörte ich wohl definitiv zu den Nerds. Wer berechnete sowas denn schon in seinem Kopf? Bevor ich noch darüber nachdenken konnte, ob unser Universum nun durch den Urknall entstanden war oder nicht, waren Tyler und ich auch schon an der Sporthalle angekommen. Zwei Zweierteams spielten gegeneinander, doch einer von den Jungs saß auf der Bank. Als Tyler die Tür zur Sporthalle öffnete, unterbrachen wir das Spiel, alle Aufmerksamkeit war auf uns gerichtet, es wurde ruhig. Ich lächelte verlegen und wich ruckartig zurück als Cole mich auf einmal an meinen Arm packte.

"Er ist in meinem Team", rief er zu den anderen Jungs.
"Sorry, Tyler, wir spielen drei gegen drei, wäre unfair wenn du mitmachst - ist das schlimm?", fragte er rücksichtsvoll, während er mich leicht an seine Seite drückte - fast hätte ich vergessen, dass ich ja größer war als er.

"Das macht nichts, ich wollte eh nicht mitspielen", antwortete Tyler und ging über das Spielfeld zu den Mädchen.

"Du bist ein Ehrenmann!", freute sich Cole und gab ihm einen Stupser gegen die Schulter, kurz bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf mich lenkte.

"Hey, ich bin nicht so gut in -", reagierte ich schüchtern, ehe Cole mich unterbrach.

"Ist es okay für dich, wenn du ins Tor gehst?", fragte er mitfühlend, seine Augen auf mir.

"Ich kann es versuchen."

"Großartig!", ließ er raus und lächelte.

Er stellte mich im Tor ab wie man einen Besen in die Besenkammer an seinen richtigen Platz stellt und ich war nervös. Wirklich. Der ganze Druck auf meinen Schultern, mein Team zu retten, Cole zu retten, wenn es sein musste, das war ungewohnt.

"Du schaffst das."
Mit diesen Worten zwinkerte er mir freundlich zu und drehte sich von mir weg, um in die Mitte des Felds zu gehen. Das Spiel begann. Sein Rücken war genauso muskulös wie seine Brust, wenn nicht noch mächtiger und seine weichen runden Pobacken angespannt. Wo zum Fick schaue ich da überhaupt hin???

"Henry!", rief eine Stimme.
Wie aus Trance gerissen, zuckte ich zusammen und warf mich in den Ball. Ich hatte ihn tatsächlich gefangen und sah wie stolz Cole mich anschaute. Ich war so glücklich.

"Ich hab doch gesagt, du schaffst das. Als Torwart darfst du auch deine Hände benutzen, das kannst du wahrscheinlich eh am besten - eh, mit diesen Reflexen, mein ich", ergänzte er nach einer komischen kurzen Pause.

Zwar wusste ich absolut nicht, was er meinte, aber das hatte Spaß gemacht, diesen Druck loszuwerden, für etwas gut zu sein, gebraucht zu werden. Nach zehn Minuten ging aufeinmal die Tür auf, Frau Bergold stand in Sportklamotten dort.

"Ich hab gehört ihr braucht noch einen Mann, oder in diesem Fall eine Frau."

Tyler schien nicht sehr erfreut, denn jetzt musste er gegen uns spielen und konnte nicht mehr mit den Mädchen flirten. Jedes Mal, wenn ich ein Tor aufhielt, gab Nicholas mir ein High Five und zugegeben, das war irgendwie süß, er war süß wie er sich freute und das freute mich. Das war der beste erste Abend auf einem Ausflug, den ich je hatte. Ich war so unglaublich froh, hier zu sein!

Nervös mit dir [boyxboy]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt