Tag 6: Der letzte Tag
Nachdem Tyler und ich uns fertig gemacht hatten, konnte ich ihn endlich fragen, was gestern Abend mit Nicholas passiert war.
"Er hat nicht viel gesagt, um ehrlich zu sein", begann er, während wir gerade unsere Schuhe anzogen, um zum Frühstück zu gehen. "Er meinte, dass er einfach verwirrt wär, nicht wüsste, was er empfindet. Sowas hat er halt gesagt", fuhr er fort.
"Ich hab ihm dann erklärt, dass es gar nicht immer um das Geschlecht geht, sondern man manchmal einfach eine Person mag. So wie Justin schon mit Frauen und Männern zusammen war. Und er sich darüber nicht so sehr den Kopf zerbrechen sollte. Wenn er dich mag, dann ist das doch was Schönes."
Erleichtert schaute ich ihn an, mir fiel wirklich ein Stein vom Herzen. "Ich wusste gar nicht, dass du so ein guter Redner bist!", spottete ich.
"Schnauze, ich hab das für euch beide gemacht, ihr seid immerhin meine Familie. Außerdem seid ihr eh schon wie so ein altes Ehepaar", fügte er zufrieden hinzu. Verdammt, er machte mich ganz sentimental.
"Danke", keuchte ich und gab ihm seine wohlverdiente Umarmung. Auch wenn er kein Fan von Umarmungen war, da musste er jetzt durch, denn ich war definitiv ein Fan davon und ich war ihm scheiße dankbar. Nach ein paar Sekunden löste er sich von mir und gab mir einen Stupser auf die Schulter.
"Und was habt ihr dann die ganze Zeit gemacht? Ich hab dich den ganzen Abend nicht gesehen", fragte ich ihn dann doch etwas verwirrt.
Tyler richtete sich auf und öffnete die Tür zum Flur. "Naja, ich hab uns was zu Trinken besorgt, damit wir wenigstens so noch ein bisschen Spaß haben konnten", erklärte er. "Hätt ich gewusst, dass du dir so ein reingeballert hast, dass du halbtot am Steg liegen bleibst, wär ich gar nicht erst gegangen", fügte er hinzu.
"Ich war einfach nur fertig, okay?", beschwichtigte ich die Lage.
"Also ich lass dich nicht nochmal so viel trinken", behauptete er. Wir wussten doch beide, dass er mich wahrscheinlich beim nächsten Mal betrunken machen würde. Da brauchte er gar nicht den Aufpasser spielen, doch ich sagte nichts weiter dazu.
Gemeinsam watschelten Tyler und ich zum Speisesaal. Irgendwie hatte ich so ein bedrückendes Gefühl in meiner Brust. Ich hoffte einfach nur Cole endlich wiederzusehen, doch er kam nicht zum Frühstück. Das wunderte mich, also beschloss ich Marcus danach zu fragen.
"Hey, kommt Cole heute gar nicht zum Frühstück?", fragte ich ihn, nachdem ich mich an ihren Tisch gesetzt hatte. Sam saß ihm gegenüber und beglotzte mich.
"Wieso? Gibts Ärger im Paradies?", fragte Sam genervt. Am liebsten hätte ich ihm in die Fresse geschlagen, wirklich. Manchmal war es aber besser einfach alles hochgradig Unwichtige zu ignorieren. Meine Augen schwankten wieder zu Marcus, der genüsslich sein Brötchen aß.
"Er hat kein - mhm, Hunger", mampfte er. "Wollte nicht aufstehen", fügte er hinzu.
"Er sah schon ziemlich scheiße aus, richtig fertig, zumindest mehr als sonst", mischte Sam sich wieder ein.
Genervt verdrehte ich meine Augen und stand wieder auf.
"Danke", sprach ich zu Marcus und ließ die beiden an ihrem Tisch zurück, um mein Frühstück mit Tyler zu beenden. Länger hätte ich es mit diesen Idioten wirklich nicht ausgehalten. Da verstand ich, wieso Cole immer zu uns zum Duschen kam.
Nach dem Frühstück kehrten Tyler und ich zu unserem Zimmer zurück, genau genommen zuerst nur Tyler, denn ich lief den Flur noch bis zum Ende, um an die Zimmertür von Coles Raum zu klopfen.
"Cole?", sprach ich und tippelte ungeduldig vor der Tür hin und her. Nichts passierte. Noch einmal klopfte ich an die Tür, doch wieder nichts. Vielleicht war er nicht mehr da? Enttäuscht lief ich zurück zu Tyler.
"Er ist nicht da", erklärte ich geistesabwesend. Ging er mir mit Absicht aus dem Weg?
"Mach dir keinen Kopf, er kommt schon zu dir, wenn er soweit ist", versuchte Tyler mich zu ermutigen.
"Und was wenn er nie soweit ist?", entgegnete ich, die Lage schlimmer darstellend als sie in Wahrheit war.
"Jetzt werd nicht gleich pessimistisch!", beschwerte er sich bei mir. "Freu dich lieber darauf, dass wir gleich mit den anderen einen Film schauen und vergiss Cole mal für einen Moment", reagierte er genervt von meiner Rumheulerei.
"Okay", antwortete ich nur leise und schaute zu ihm. Er schien sich wirklich für Amanda herauszuputzen, richtete seine Haare immer wieder im Spiegel.
"Wie läuft das eigentlich mit dir und Amanda?", fragte ich neugierig.
"Was meinst du?", entgegnete er.
"Woher weißt du, ob Amanda zum Beispiel von dir geküsst werden will?", spezifizierte ich meine Worte.
"Du willst also wissen, wie man jemanden anmacht", fing er an und ich nickte.
"Naja, meistens kommt sie auf mich zu, macht irgendwelche Gesten mit ihren Händen, manchmal geht sie sich durch die Haare oder so, dann ist es ziemlich offensichtlich. Aber sonst mach ich einfach, was ich will", erklärte er.
Wie sollte das denn überhaupt bei mir funktionieren? Was wollte ich denn eigentlich von Cole?
"Eine Beziehung ist Geben und Nehmen, verstehst du? Du kannst nicht immer nur was wollen, sondern musst auch mal was zurückgeben. Und manchmal bedeutet das auch den ersten Schritt machen. Vor allem musst du mit deiner Partnerin - deinem Partner, mein ich, darüber reden, was dir gefällt, was du magst", setzte er fort.
Was mochte ich denn? Ich hatte doch keine Ahnung.
"Woher weiß ich, was ich will?", unterbrach ich ihn.
"Also du bekommst so ein Gefühl in deinem Bauch und dann regelt das schon fast alles von alleine. Du darfst nur nicht so verspannt sein und musst deinem Gehirn erlauben abzuschalten. Das ist nichts worüber man nachdenkt, das ist etwas, was man einfach fühlt, weißt du was ich meine?", erläuterte er mir.
Ich nickte, dieses Gespräch hatte mir definitiv die Augen geöffnet, jetzt musste ich das nur noch irgendwie umsetzen. Und ich wusste, was er meinte, denn genau dieses Gefühl hatte ich gestern das erste Mal gespürt, als Cole mich genau hier gegen die Wand gedrückt hatte. Mein Gehirn war wie ausgeschaltet, nur meine Emotionen regelten mich. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass wir Menschen uns gar nicht so sehr von Robotern unterschieden, wenn fast alle unsere Handlungen schon so automatisiert abliefen. Bei manchen Dingen hatte man einfach keine Kontrolle, egal wie sehr mein Gehirn mich das glauben lassen wollte. Und das Verlangen dieses eine Gefühl mit Cole erneut zu erleben, gehörte definitiv zu den Sachen, über die ich keine Kontrolle hatte. Ich konnte einfach nicht mehr darauf warten, Cole endlich wiederzusehen. Ich wollte ihn küssen, ihn halten - ihn lieben.
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Nervös mit dir [boyxboy]
Storie d'amoreHenry hat ein Geheimnis, das er seinem besten Freund einfach nicht sagen kann. Wie soll er eine ganze Woche auf Klassenfahrt mit Nicholas überleben, wenn er ihm immer wieder den Kopf verdreht? Das ist eine Original boyxboy Story. Sehr gayer Conten...
![Nervös mit dir [boyxboy]](https://img.wattpad.com/cover/316005424-64-k773856.jpg)