"Ihr habt unsere Lagerhalle angegriffen, versucht die Ware abzufangen und ganz wichtig, du hast mich praktisch hier her entführt.", fuhr ich aus und versuchte in der Dunkelheit seine Gesichtszüge auszumachen. Ich weiß gar nicht warum, denn so oder so wurde ich aus seinem Gesichtsausdruck nicht wirklich schlau.
"Ich habe dich entführt?", energisch setzte sich Mikey auf. Etwas überrascht wanderte meine Augenbraue nach oben.
"Ja?".
"Ich habe dich gerettet.".
Schwungvoll winkelte er beide Knie an um seine Hände drüber zu legen. Er sah gemütlich aus, dafür dass er inzwischen schon mehrere Stunden auf dem Boden verbracht hatte.
"Nein, ich habe dich gerettet und dann-
"Ich nehme gleich das Kabel der Lampe und erdrossle dich."; unterbrach er mich in einem äußerst finsteren Tonfall. Kurz wurde mein Mund ganz trocken und ich biss auf meine Lippe.
"Hätte ich dich entführt, dann hätte ich dir als aller erstes deinen vorlauten Mund gestopft.", fügte er hinzu. Ich schluckte. Dann legte ich mich wieder hin und sah an die Decke bevor ich weiter sprach. Eigentlich war eine Diskussion mit ihm völlig sinnlos. Aber jetzt war ich wach und musste mich irgendwie beschäftigen.
"Ich schätze, es zählt, dass du uns in Sicherheit gebracht hast und meinen Arm verarztet hast. Dafür hab ich den Cop erwischt, welcher sonst dich erwischt hätte. Also schulden wir uns nichts.", erklärte ich und fand mich damit ab, dass ich hier keine wertvollen Infos aus ihm heraus bekommen würde. Es hätte mir klar sein müssen, dass er dafür zu clever war. Dennoch war ich zu aufgedreht und hatte definitiv Angst was in den nächsten Tagen folgen würde.
Nicht nur wegen dem Geschäft, den toten Polizisten und dem Machtgefüge der Stadt. Nein, ich hatte am meisten Angst vor Lou. Er würde sicherlich ausflippen.
"Ich stimme dir ausnahmsweise zu. Wir schulden uns nichts.".
"Eher spring ich aus dem Fenster als dir einen Gefallen zu schulden.", allein der Gedanken verursachte ein Gefühl von Unbehagen in meinem Magen.
"Keine Sorge, ich würde erst den Gefallen einfordern und dich dann selber aus dem besagten Fenster schubsen.", führte Mikey hochnäsig wie immer aus.
"Ich hoffe der Boden ist so ungemütlich wie er aussieht.", schoss ich zurück, ohne groß drüber nach zu denken. Ich bereute es instinktiv, da ich praktisch spürte wie es im Raum kälter wurde. Die Temperatur fiel auf den Null Grad.
Anstatt irgendwie zu reagieren, kniff ich erschrocken die Augen zusammen als Mikey seine rechte Hand ausstreckt und das Jacket mittig packte und mich mit viel Schwung zu sich auf den Boden zog. Ich flog praktisch für eine Sekunde durch die Luft und landete dann auf dem harten Boden, direkt unter Mikey. Er lies mich nicht los, sondern drückte mich mit seiner Hand auf meinem Bauch auf den Boden. Mit der anderen stütze er sich über mir ab.
Mit großen Augen sah ich ihm entgegen und holte die Atemzüge nach welche ich durch den Schreck verpasst hatte. Sein Gesicht war mehr als nur verärgert. Erst nachdem ich blinzelte merkte ich auch, dass er sein Bein zwischen meine gedrückt hatte und ich somit nicht mehr allein aufstehen konnte. Ich war festgepinnt.
"Gemütlich genug, Prinzessin?"; zischte er mir entgegen, wodurch ich mich noch kleiner machte. Ich würde mich nicht entschuldigen. Aber was ich sagen oder machen sollte wusste ich auch nicht, ich saß irgendwie in der Falle.
Mein Kopf war schon wieder so leer. Auf diese kurze Distanz schien mein Gehirn nicht richtig Arbeiten zu können. Alles was ich mir vorhin vorgenommen hatte, war wie vom Winde verweht. Ich sah Mikey in die Augen und mein Körper fing an dahinzuschmelzen.
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Hard Candy
Roman d'amour'Langsam zog er seine Hand vor mein Gesicht und drückte die Zigarette auf meiner Zunge aus.' 'Es tat nicht weh. Aber ich wünschte es würde weh tun.' Zwei auf den Tod verfeindete Familien. Eine Hochzeit soll den Frieden bringen. Doch für Ella läuft...
