Kapitel 31: daddy knows best

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-Mikey's Sicht-

"Papa?", Ella sah mich vollkommen verstört an, ihre zarte Stimme nur noch ein ängstlicher Hauch. Ich hätte gerne zuversichtlicher geklungen, aber langsam sah ich zunehmend schwarze Flecken in meinem Blickfeld. Ich hatte ehrlich zu viel Blut auf diesem Boden hier verloren.

Da war das neulich im Hafen ein Witz dagegen. Papa kam zielsicher auf uns zu, er hatte diesen missbilligenden Blick drauf. Immerhin war das hier auch nicht wirklich seine Uhrzeit.

Ich hätte wohl erleichtert sein müssen ihn zu sehen. Aber genauso gut könnte es sein, dass die Familie mich zum Verräter erklärt hat und Papa hier war um mir als letzten Akt der Gnade selber die Kugel zu verpassen. Nach dem heutigen Tag konnte ich nichts mehr ausschließen.

Nicht, dass überhaupt noch eine weitere Kugel notwenig war. Ich würde mit Sicherheit gleich verbluten. Und auch wenn beide Alternativen beschissen waren, so musste ich wenigstens dafür sorgen, Ella in Sicherheit zu bringen.

War es nötig gewesen, Lou soweit zu provozieren, dass er mich abknallt nur um von Ella ein Liebesgeständnis zu hören? Verdammt, ja.

Gott, es war jede süße Silbe von ihren Lippen wert gewesen. Ich bereute mal wieder nichts. Ich wollte mir nicht zu sehr auf die eigene Schulter klopfen, da ich mich kaum aufrecht halten konnte.

Auch wenn es jetzt wohl nicht mehr wichtig war, aber irgendwas in mir war immer noch sauer, dass sie es nicht sofort erwidert hatte. Ich meine, ich verflucht- da sag ich der ersten Frau überhaupt ich liebe sie und dann bekomme ich nicht mal eine Antwort.

"Dein- das ist dein Vater?", bekam Ella irgendwann raus, sie sah mindestens noch so besorgt aus wie auch vorher. Ich mochte diesen Ausdruck nicht auf ihrem Gesicht.

"Willst du uns nicht vorstellen?", sagte Papa gewohnt ruhig. Seine Stimme seltsam, fast schon sarkastisch.

"Ella, das ist mein Vater Nino Marchetti und Papa, das ist Ella.", er wusste doch wer sie war, ich atmete angestrengt aus. Was sollte jetzt noch alles passieren. Mir fiel Papa's Blick auf, er sah Ella an, als würde er sie schon ewig kennen.

Als seie es nicht hart genug gewesen, Lou dem Mistkerl mit einer Schusswunde und einem viel zu kleinen Messer die Kehle rauszuschneiden. Dazu kam noch, dass Ella die ganze Zeit auf diesem Selbstopferungstrip war. Und als Krönung musste ich sie praktisch zwingen zu gestehen, dass sie mich auch liebte. Obwohl Lou endlich das Atmen eingestellt hatte, lies es mich nicht los.

"Er- wir- also Mikey muss sofort ins Krankenhaus. Die Schusswunde ist übel und er hat viel Blut verloren. Helfen sie uns oder nicht?", erstaunt zuckte meine Augenbraue hoch bei dem fordernden Tonfall von Ella. Sie sah Papa zielsicher entgegen, welcher nur kurz nickte.

"Sicher. Sicher. Bringt meinen Sohn zum Arzt. Und dann holt die Cleaner wenn ihr draußen fertig seid."; ich war erstaunt über seinen herrischen Tonfall, so hatte er nur damals geredet als er noch das Familienoberhaupt war. Was war hier los? Es passte mir so gar nicht, Ella hier zurück zu lassen.

Die beiden Männer, dessen Namen ich nicht parat hatte halfen mir hoch und stützten mich, Ella's Hände glitten langsam von der Wunde, als einer der Typen seine Hand drauf legte.

"Pa-ah- Papa ich will, da-as Eh-Ella etwas pa-

Doch mein Blickfeld wurde endgültig schwarz. Mich verlies jegliche Kraft, keine Ahnung ob's das war oder sich so eine Ohnmacht anfühlte. Aber ich wusste zumindest, dass meine letzte Erinnerung Ella sein würde.

Ich glitt in die Dunkelheit und klammerte mich an Ella's Gesicht, ihre Stimme, ihr Lachen und ihr unfreiwilliges Liebesgeständnis.


-Ella's Sicht-

Hard CandyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt