"Gehen wir es nochmal durch."; ich saß auf dem Beifahrersitz von Eddy's Wagen und hatte die Arme verschränkt. Wir waren kurz vor dem Treffpunkt und Eddy hatte drauf bestanden mich hin zu bringen. Er war natürlich nicht begeistert und ich hatte ihm so wenig wie nötig erzählt.
Am liebsten hätte ich ihn ganz aus der Planung raus gelassen, es war einfach besser und für seine Sicherheit wichtig, dass er so wenig wie möglich wusste.
Die Sonne war bereits untergegangen und ich zog die Jacke deswegen etwas enger um mich. Eddy war so wie immer nicht kalt. Mir schon. Vielleicht aber auch nur weil ich so verdammt nervös war. Mikey gleich wieder zu sehen war ein zweischneidiges Schwert. Ich freut mich und mein Herz machte kleine Hüpfer, aber gleichzeitig herrschte in meinem Kopf Trübsal, weil ich für Mikey nun mal nicht mehr war als ein kleiner Zeitvertreib.
Ich brauche mir nicht einbilden, er würde den Deal einfach so eingehen nur weil ich die Hoffnung hatte, mehr für ihn zu sein. Ich war es nicht und daran würde sich auch nichts ändern, egal wie atemberaubend der Sex ist, wie gut es sich anfühlt in seiner Nähe zu sein oder wie sehr es mich anmacht wenn er einfach mal so zwei Millionen hinblättert um mich zu küssen.
"Was denkt er sich? Wie kann es Lou wagen uns aus dem Geschäft zu kicken? Sowas von irre und arrogant.", Eddy schüttelte sauer den Kopf. Ich blinzelte und zuckte aus meinen Gedanken raus, shit. Ich glaube Eddy hatte mehr als nur das gesagt, aber ich hatte irgendwie nicht ganz zugehört.
"Ich hätte nie gedacht, dass es soweit kommt."
"Ich hätte nicht gedacht, dass du dich auf Mikey einlässt.", der Vorwurf war deutlich in seiner Stimme zu hören. Dabei war es doch seine Idee.
"Mach ich doch gar nicht. Er wollte das als Be- Bedingung vor dem Treffen. Er vertraut uns genauso wenig wie wir ihm.", verbesserte ich mich, vor Eddy brachte ich das Wort Bezahlung nicht heraus.
"Ich glaube er vertraut dir.", Eddy klang so sicher, dabei befand er sich nur im Land seines eigenen Wunschdenkens. Genauso wie ich.
"Eddy. Er vertraut niemandem. Und er wird uns keine gratis Gefallen tun.", versuchte ich zu verdeutlichen.
"Er hat uns gehen lassen aus seiner Gefangenschaft. Er hat uns gehen lassen auf dem Friedhof. Er hat-
"Okay, bist du jetzt sein Fan, oder was?", ich wollte Maggie nicht wieder auf den Tisch bringen, aber seit wann ist mein Bruder plötzlich so ein Cheerleader für Mikey. Verlegen strich sich Eddy die braunen Haare aus dem Gesicht.
"Ich hab's einfach im Gefühl. So'n Bauchgefühl. Mikey hat'n Crush auf dich, Sis.", er zwinkerte und sah zufrieden mit sich selbst zu mir rüber.
"N'Bauchgefühl.", plapperte ich seine Worte nach und versuchte es möglichst dumpf klingen zu lassen. Er lachte los und ich auch. Wir waren dem Untergang geweiht.
Die Zeit kam und ich stieg aus um zum Treffpunk zu laufen.
"Elly. Pass auf dich auf.", dieses Mal klang Eddy mehr als nur streng, er hatte ein ernstes Gesicht und seine Stimme war härter als sonst. Ich nickte und lief über die Straße mit Kapuze tief im Gesicht.
Ich erkannte Mikey sofort, wir waren am Rand der Stadt und sein Auto war das einzige weit und breit. Ich verlangsamte meine Schritte etwas um noch kurz meinen Mut zusammenzunehmen. Er lehnte am Kofferraum und ich erkannte die brennende Zigarette in seinem Mund. Ich hatte aus taktischen Gründen nur einen grauen Hoody, mit passender Jogginghose an und Sneakers.
Schließlich wollte ich weder mich noch ihn in Versuchung bringen. Auch wenn ich mir lebhaft ausmalen konnte was er in einer Nacht von mir wollte, so musste ich es nicht provozieren mit einem knappen Outfit. Eigentlich stand mein Anfassen- Verboten nach wie vor. Würde er sich dran halten?
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Hard Candy
Romance'Langsam zog er seine Hand vor mein Gesicht und drückte die Zigarette auf meiner Zunge aus.' 'Es tat nicht weh. Aber ich wünschte es würde weh tun.' Zwei auf den Tod verfeindete Familien. Eine Hochzeit soll den Frieden bringen. Doch für Ella läuft...
