Kapitel 1

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Der Salon von Malfoy Manor, den ich gerade betrat, war für dieses Treffen umgebaut worden. Die eigentlichen Möbel waren mit einigen Zaubern achtlos an die Wände befördert worden. Dafür stand nun ein schon ein langer verzierter Tisch in der Mitte. Die meisten Sitzplätze waren schon besetzt, als ich den Raum betrat. Nur ein Freier war noch in dem spärlichen Licht, welches von einem Kamin kam, zu sehen. Er war genau neben einen Mann, den die meisten wohl als gruselig beschrieben hätten. Seine Haut war so weiß, als wäre er ein Albino. Dadurch schienen seine scharlachroten Augen nur noch mehr zu leuchten. Die flache Nase, die eigentlich eher Nüstern erinnerte, verliehen ihm ein schlangenähnliches aussehen. Dazu hing auch noch eine riesige Schlange um seine Schulter.
Ja, viele hätten Angst vor diesem Mann gehabt, doch ich nicht. Daran konnte weder sein gruseliges Aussehen noch seine sicher vorhandenen Mordgedanken in Bezug auf mich etwas ändern. Gerade hinsichtlich Letzterem sollte ich mich wohl nicht beschweren, schließlich hegte ich diese ebenfalls gegenüber ihm.
Doch nicht nur der selbsternannte Lord schien den Leuten hier im Raum, Angst zu machen, sondern auch ich. Nicht dass es wirklich verwunderlich war. Da war zum einen meine eigene Erscheinung. Ich sah genauso aus, wie das, was ich nun einmal war. Wie ein sechzehnjährigeres Teenagermädchen. Unter normalen Umständen hätte es wohl dazu geführt, dass man mich für ziemlich ungefährlich hielt. Zieh ein Kleidchen an, setze ein nettes Lächeln auf und schon halten dich alle für eine nette ungefährliche Person. Sobald das Kleid aber mit Blut besudelt war, man in einer Hand ein Messer hielt und ein Körper hinter sich herschweben ließ, wirkte das ganze nur noch gruseliger. Von dem komischen Mann aus dem Wald oder dem Lord erwartete man genau solche Bilder, von einem sechzehnjährigen Teenager eher nicht.
Vermutlich half es auch, dass mehrere hier im Raum anwesende Personen auf meiner Todesliste standen. Ich entschied, wie, wo und wann sie starben. Ihr Leben lag wortwörtlich in meiner Hand.
„Nagini", flötete ich gut gelaunt und ließ den toten Körper mit einem lauten Rumsen auf den Tisch fallen. „Ich habe Essen mitgebracht."
Tatsächlich kam die riesige Schlange auf den Tisch geglitten. Sie schlängelte sich über das polierte Holz in Richtung des Körpers. Ich trat nach vorne und schnitt ihm die Kehle durch. Das Blut spritzte nur so, weshalb die Tischplatte und auch einige der Anwesenden, allen voran Bellatrix Lestrange, damit bedeckt wurden.
Sobald ich mit meiner Arbeit fertig war, setzte ich meinen Weg durch den Raum zum einzigen freien Sitzplatz fort. Er stand zusammen mit dem von Lord Voldemort ganz hinten im Raum vor Kopf. Beide Stühle erinnerten wage an einen Thron. Ich ließ mich auf meinen fallen.
„Wie ihr seht, sind einige neue Gesichter in unserer Runde", verkündete Voldemort kaum, dass ich saß. „Adina, Jessica, Draco und Jamie, steht auf."
Tatsächlich kamen die vier, der Aufforderung nach. Dracos Gesichtsausdruck sprach von stolz, während er zu dem Lord sah. Dabei vermied er es allerdings tunlichst, zu der Schlange und der Leiche zu sehen. Kein Wunder, als ich die Kehle durchgeschnitten hatte, war er ganz grün im Gesicht geworden. Er konnte anscheinend nicht so gut mit Blut umgehen. Fraglich, ob er wirklich gut in dieser Gruppe klar kommen würde. Vermutlich war das alles hier ein wenig zu blutig und brutal für ihn. Jessica, Jamie und Adina wirkten beide etwas angespannt. Immer wieder sahen sie zu mir herüber, nur um dann schnell wegzusehen. Sie schienen ein wenig zu hoffen, ich würde ihnen gleich ein Zeichen geben, dass Patricia wieder zurück war, die sie durch das ganze Desaster hier führen würde.
Doch Patricia war nicht mehr da. Stattdessen war ich nun hier und ich hatte nicht vor, meine Zeit mit ihnen zu verschwenden. Ich brauchte sie lebend, doch der dunkle Lord auch. Sollte man sie also beim Spionieren erwischen, würde das nicht zu ihrem sofortigen Tod führen. Also alles entspannt.
„Kommt her", forderte nun der dunkle Lord. Draco schien sich schon fast in unsere Richtung zu rennen. Die beiden jungen Frauen waren da wesentlich langsamer und zurückhaltender. Sie schienen jeden Schritt vorsichtig zu machen, als würden sie sich auf ein wildes Tier zu bewegen. Ich wusste nur nicht, ob es an dem selbsternannten Lord oder mir lag. Vielleicht auch einfach an uns beidem.
Der dunkle Lord stand von seinem Platz auf. Er sah gebieterisch auf die vier herab, welche vor ihm auf die Knie sanken.
„Streckt euren linken Arm aus", wurde den vier befohlen. Tatsächlich kamen sie der Aufforderung nach. Sie rollten die Ärmel ihrer Umhänge hoch, weshalb man die blasse Haut dort sehen konnte. Jetzt gleich ging das brandzeichnen los, so als wären die vier Vieh. Zum Glück wurde mir so etwas nicht verpasst. Allerdings würde das Symbol auch im Widerspruch dazu stehen, dass ich angeblich mit dem Voldemort zusammen herrschen soll.
Tatsächlich tippte der dunkle Lord nun mit seinem Zauberstab nacheinander auf die Unterarme seiner vier neuen Todesser. Augenblicklich erschien dort das dunkle Mal wie ein schwarzes Tattoo oder ein Brandzeichen, welches sie auf Ewigkeit als sein Eigentum kennzeichnete. Bellatrix Lestrange wirkte ungemein stolz, als sie die schwarzen Symbole auf den Unterarmen ihrer Nichte und ihres Neffen sah. Ganz anders als Narzissa Malfoy, welche genau neben ihrer Schwester saß. Die Mutter der beiden Malfoys starrte zwar starr auf die Szenerie, doch ihre Furcht und auch ihr Entsetzen konnte man in ihren Augen sehen. Sie hätte ihre beiden Kinder wohl sehr gerne vor dem hier beschützt.
Kaum waren die Zeichen auf den Unterarmen der vier Leute zu sehen, kehrten auch schon alle zu ihren Plätzen zurück. Jamie griff auf den Rückweg nach Adinas leicht zitternder Hand. Vermutlich wollte er seiner Freundin damit Mut machen, sie würden das alles schon irgendwie zusammen überstehen. Menschen und ihre Gefühle.
Voldemort setzte sich allerdings nicht wieder hin. Er blieb stehen und hielt mir stattdessen die Hand hin, um mir auf die Beine zu helfen, wie ein wahrer Gentleman. Er gab sich wirklich Mühe in seiner Rolle, wir wären Verbündete. Ich mir auch, daher nahm ich die Hand, stand von meinem Platz auf und sah gebieterisch über die Menge am Tisch. Das war dann wohl der Moment, in dem ich offiziell eingeführt werden würde.
„Basílissa Tahnea wird von nun an, an unserer Seite kämpfen", verkündete Voldemort seinen Anhängern, die kein wenig überrascht wirkten. Mich hätte es allerdings auch sehr gewundert, wenn es den ganzen Leuten entgangen wäre, dass ich nun hier wohnte und der dunkle Zauberer mit ständig Adressen gab, wo ich einen Berg aus Leichen hinterließ. Unauffällig ging anders, allerdings war es schließlich auch nicht mein Ziel, die Verbindung zwischen mir und Voldemort zu verheimlichen.
„Behandelt die Basílissa ihrem Stande entsprechend", fügte er noch hinzu und sah dabei insbesondere zu Narzissa und Bellatrix. Die beiden Frauen hatten mich schließlich als unwillkommenen Gast am Hals. Trotz allem gab sich Erstere noch sehr viel Mühe mit mir, verwöhnte mich so wie ihre eigene Tochter. Allerdings war auch ihr nicht ergangen, dass ich nicht mehr Patricia war, und mir war nicht entgangen, dass sie wir ihre Kinder hoffte, sie würde zurückkehren. Der kleine Schwächling war definitiv belebter als ich.

Ich verließ den Salon wieder. Das Treffen war vorbei und das hieß auch, ich konnte wieder auf mein Zimmer, um mich dort weiter mit meinen eigenen Plänen zu beschäftigen. Es gab schließlich noch viel zu tun: Einen Zauber finden, um die Magie der Nymphen zu absorbieren, sie alle anlocken und natürlich brauchte ich auch noch die Horkruxe.
„Patricia", hörte ich in diesem Moment Jessica nach mir rufen. Ich reagierte allerdings gar nicht erst. Zum einen weil ich nicht mehr Patricia war. Die Kleine war fort und jetzt hatte ich, Tahnea, das Steuer in der Hand. Zum anderen war ich allerdings auch verdammt sauer auf Apollons Nymphe. Sie hatte nicht verhindert, dass Patricias Vater starb. Sirius ist Tod, obwohl sie es hätte verhindern können. Sie hätte nur in seine Zukunft blicken müssen, um zu sehen, wie dieser Kampf ausgegangen ist. Dann hätte Patricia ihn definitiv nicht mitgenommen.
„Tahnea!", versuchte es nun Jessica mit meinem neuen Namen, während sie mir nacheilte. Ich seufzte genervt und blieb stehen. Diese Nervensäge würde ich nur durch ein Gespräch loswerden.
„Was?", giftete ich sie an, weshalb sie ein wenig blasser wurde. Sie sah sich noch einmal ängstlich um, doch kein anderer Todesser war in Hörweite.
„Ich wollte dir sagen, dass es Arienne wieder gut geht."
„Das interessiert mich nicht", erwiderte ich und wandte mich erneut zum Gehen. Ich hatte wirklich Besseres zu tun, als mit ihr zu reden.
„Und Dumbledore sucht dich. Sirius hat dir etwas vererbt", fügte sie noch hinzu.
Ich merkte, wie bei mir wieder die Wut hochkochte. Wie konnte sie es nur wagen, Patricias verstorbenen Vater zu erwähnen. Sie hatte seinen Tod nicht verhindert! Sie hatte kein Recht, so ruhig über ihn zu reden. Jeder Gedanke an ihn sollte ihr Schmerzen bereiten, so wie es bei Patricia der Fall war. Für jede einzelne Träne, die von der kleinen schwachen Kriegsnymphe vergossen wurde, sollte sie mindestens drei vergießen.
Ich drehte mich wieder um. Bevor sie ganz realisierte, was passierte, hatte ich sie schon mit einem Zauber gegen die Wand geschleudert. Aufgrund des Knalles sahen nun doch viele Todesser zu uns herüber. Als sie allerdings den Grund des Lärmes ausgemacht hatten, beschlossen sie, lieber schnell die Eingangshalle zu räumen. Vermutlich glaubten sie, ich würde sie als Nächstes angreifen, wenn sie hierblieben. Zugegebenermaßen ganz ausgeschlossen war es nicht. Vor allem weil ich Jessica jetzt gerade nicht umbringen konnte.
„Sprich nie wieder über Sirius. Du hast ihn nicht vor dem Tod bewahrt und dafür werde ich dich töten", zischte ich und drückte ihr mein Messer an den Hals, so dass es leicht in die Haut schnitt.
„Ich ...", presste sie heraus, allerdings ließ ich sie nicht ausreden. Sie hatte hier gerade gar nichts zu melden.
„Ich werde dich töten, Jessica", wiederholte ich meine Drohung, „und deine Nymphenmagie auf mich übertragen. Das wirst du nicht verhindern können. Aber wenn du brav bist, verschone ich deine Schwester und lasse dich noch etwas weiteratmen. Gerade bringst du mir noch lebend mehr, als wenn ich deine Kräfte besitzen würde. Ich würde dir also raten, mich nicht zu nerven, ansonsten wendet sich das Blatt.
Sei brav und ich werde dich erst in ein paar Monaten töten. Dann wird es auch annähernd schmerzlos sein. Bist du aber nicht brav, hole ich Cecilia, töte erst sie und dann dich. Und ich werde mir Zeit lassen. Haben wir uns verstanden?"
„Ja, aber ..."
„Aber ist keine Antwort, die ich von einer braven Nymphe hören will", unterbrach ich sie erneut, weshalb sie verstummte. „Und da du anscheinend so einen guten Draht zu der Kriegsnymphenfamilie hast, richte ihr doch bitte aus, sie möge sich von mir fernhalten. Arienne hatte dieses Mal das Glück, die Begegnung mit mir überlebt zu haben. Ein zweites Mal hat sie es definitiv nicht. Und die anderen auch nicht. Dafür werde ich sorgen."
„Natürlich, Basílissa", wurde mir ängstlich mitgeteilt, weshalb ich zufrieden nickte. Da hatte wohl jemand verstanden, dass sie nichts weiter als eine weitere Leiche auf meinem Weg zum Thron war. Ihre einzige Überlebenschance war es, darauf zu hoffen, irgendjemand würde den Fluch brechen und mich damit wieder in den Schatten verbannen.
Ich zog mein Messer von Jessicas Hals zurück, weshalb die andere Nymphe erleichtert aufatmete. Kurz schien sie darüber nachzudenken, noch etwas zu sagen, doch sie tat es nicht. War auch besser so. Ansonsten hätte ich sie doch noch heute töten müssen, was auch hieß, dass dann Cecilia die nächste Nymphe wäre. Unterm Strich konnte man sie wahrscheinlich auch einfach manipulieren, aber dann musste ich nun einmal erst ihre Schwächen herausfinden. Unnötige Arbeit, die ich mir nicht machen wollte. Außerdem würde Voldemort wahrscheinlich schlechte Laune kriegen, wenn er herausfand, dass ich eine seiner Nymphen umgebracht hätte. Cecilia hatte sich schließlich nicht den Todessern angeschlossen.
Also ließ ich von Jessica ab. Stattdessen ging ich die Treppe herauf. Oben an der Kante lagen Antiope und Teddy zusammengerollt. Sie schienen auf jemanden zu warten. Als ich vorbeikam, hob das große Fellknäuel hoffnungsvoll den Kopf, was ich allerdings ignorierte. Wann würde Patricias Köter endlich lernen, dass sein Frauchen ein für alle Mal weg war?


Hexagramm - PapiertigerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt