12.Kapitel

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*Leyla's Sicht*

Weil Fienchen schlafen wollte und Andreas arbeiten musste, bin ich schon gegen Mittag wieder in Hessen.
Da ich einen Schlüssel bekommen habe, muss ich nicht extra klingeln.
Eisige Stille empfängt mich, als ich mir Schuhe und Jacke abstreife.
Diese wird jedoch von heftigen Schluchzern unterbrochen.
Ich folge ihnen und bleibe vor Roman's Zimmertür stehen.
Lautlos betrete ich den Raum und das sich mir bietende Bild ist einfach nur erschütternd traurig.
Roman sitzt mit angewinkelten Knien an der Wand gelehnt da. Seine Hände umschlingen seine Beine ziemlich fest.
Sein Blick ist starr geradeaus gerichtet und unzählige Tränen verlassen seine Augen.
Diese strahlen ewige Trauer aus und spiegeln seine Gefühle genaustens wieder.
Neben ihm steht ein Karton mit mehren Frauenklamotten, Bildern und Gegenständen.
Einige der Bilder liegen quer im Raum verteilt, als ob sie lustlos weggeworfen wurden sind.
Ohne einen Ton zu verursachen, schaffe ich es runter in die Küche.
Dort angekommen bereite ich zwei heiße Schokoladen, eine Wärmflasche und einen Nutellakekse Teller vor.
Mit diesen Dingen beladen schleiche ich mich wieder nach oben in Roman's Zimmer.
Die Teller, Tassen und die Wärmflasche lege ich auf dem dortigen Nachttisch ab.
Durch das scheppernde Geräusch wacht Roman aus seiner Trance auf und schaut mich erschrocken an.
Er will sich die Tränen schnell wegwischen, doch ich halte ihn an seinen Handgelenken fest und ziehe ihn auf das große Doppelbett.
Wortlos schließe ich ihn in eine sanfte Umarmung und lege anschließend eine warme Decke um seine Schultern.
Den Teller mit den Keksen stelle ich in unsere Mitte, die Wärmflasche lege ich an seinen Bauch und einer der beiden Tassen mit heißer Schokolade, drücke ich ihm in die Hand.

Wortlos verbringen wir einige Zeit miteinander.
Roman's Augen fallen immer mehr zu und schließlich schläft er ganz ein.
Ich beschließe ihn allein zu lassen und lege noch schnell die Decke über ihn.
Mit dem dreckigen Geschirr in den Händen verlasse ich leise den Raum und tapse nach unten.
Diesmal geräuschlos, stelle ich das Geschirr auf der Anrichte ab und verkrümle mich in mein Zimmer.
Dort habe ich genügend Zeit zum Nachdenken.
Ich weiß wie Roman sich fühlt.
Zwar weiß ich nicht, weshalb er so traurig ist, aber er ist in genau derselben Situation wie ich.
Er frisst den Schmerz in sich herein und spielt für die Anderen den Starken, doch wenn er alleine ist, bricht der ganze Schmerz heraus.
Da es mir ebenso geht, kann ich gut nachvollziehen, was er jetzt braucht.
Er braucht jemanden, der ihn 'schwach' aktzeptiert, keine unnötigen Fragen stellt und einfach für ihn da ist.
Ich werde versuchen, ihm diese Person zu sein.
Wir kennen uns noch nicht sehr lange und ich weiß eigentlich gar nix über ihn, aber seit ich ihm das erste Mal begegnet bin, steht mein Ziel fest: Ihn einmal RICHTIG lachen sehen.

DieLochis ~ FF: HopeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt