Ich drehte mich also wieder um und ging wieder ins Gefängnis. Dort ging also wieder alles von vorne los. Sie nahmen mir meine Wertgegenstände und spitze Gegenstände ab und ließen den Kinderwagen wieder vorne am Empfang stehen. Die Frau am Empfang nannte mir die Zeit der Hinrichtung. In nur einer halben Stunde beginnt es. Bis jetzt kann ich mir nichts genauer darunter vorstellen. Natürich ist mir bewusst, dass so Menschen sterben. Aber ist gleich töten die Lösung aller Probleme? Menschen zu töten, egal wie, ist doch eine Straftat. Für mich ist wieso unvollstellbar wie man Straftäter einfach so umbringen kann. Aber es ist nun mal das Gesetz und da gibt es keinen Weg, der drumherum führt.
Plötzlich sah ich Menschen, die sich vor einer Tür versammelten. Als ich die Türnummer erkannte, wusste ich das ich an mein Ziel angekommen bin. Aber warum sind hier so viele Menschen. Ich zählte 8 Menschen jeglichen Alters. Zwar war mir bewusst, dass einer den Tod bezeugen muss aber gleich 8 Leute. Ist das nicht ein wenig übertrieben?
Die Kleine auf meinen Arm schlief friedlich auf meinen Arm, was mich beruhigte. Insgeheim hoffte ich, dass sie nicht drin wach wird. Nach einigen Minuten kam ein Wärter, der uns die Tür öffnete. Ich trat als letztes ein. In dem Raum befanden sich Stühle die in drei Reihen standen. Alle sind zu einer großen Glasscheibe ausgerichtet, vor der ein grauer Vorhang hing. Natürlich war auch hier ein Fenster vor dem Gitter zu sehen waren. Ich setzte mich in die erste Reihe, sodass Mehmet mich sofort erblicken kann. Ich hoffe er freut sich mich zu sehen.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es in weniger als 5 Minuten beginnt. Ich hoffe, dass ich die Bilder die ich gleich sehe irgendwann vergessen werde. Aber ich denke nicht, das ich es so schnell kann. Immerhin wird gleich der Vater meines Kindes hingerichtet.
Ich sah wie mich einige Leute, die ebenfall hier waren mich komisch von der Seite ansahen. Bestimmt denken sie, dass ich eine Verwandte von Mehmet bin. Aber wenn ich ehrlich bin ist es mir egal geworden was andere von mir denken.
Alle Leute gaffen aber wenn dann irgendwas passiert zum Beispiel wenn ein Obdachloser von drei Jugendlichen zusammen geschlagen wird dann schauen alle weg. Als mal Mut zu beweisen und dazwischen zu gehen. Aber bleiben wir in dem hier und jetzt.
Plötzlich wurden die Vorhänge offen gezogen und da saß er auf einer Liege. Seine Haare abrasiert und mit blassen Teint sah er in den Raum. Gerade als er den Kopf sinken wollte, endeckte er mich und lächelte mich schwach an.
Ich stand auf und lief zur Scheibe. Ich konnte einfach den Anblick nicht mit anschauen. Wie kann man einen Menschen nur sowas zumuten. In den Raum, der nun für jeden sichtbar war stand eine Liege an dem Fesseln für Arme und Füße waren. Ingesamt erinnerte ich mich an einer Folterkammer, wenn ich mich da so umsah. Auf einmal zählte ein Uhr runter. 60, 59, 58. Auf einmal setzte sich ein Mann in Bewegung der Mehmet an die Liege befestigte. Mehmet Blick lag die ganze Zeit über auf mir. In seinen Augen sah ich Dankbarkeit. Dann wurde ihm eine Art Maske aufgesetzt, sodass Mehmet nichts mehr sehen konnte. 12, 11, 10. Der Mann von eben holte eine Spritze, die auf einen Tisch schon bereit lag und näherte sich Mehmets Körper.
Mein Körper fing sofort an zu zittern. Dieser Anblick war einfach zu viel für mich. Der Mann hob die Hand mit der Spritze und rammte sie in Mehmet Ader. Die ersten Sekunden geschah nichts bis sein Körper plötzlich selbstständig machte. Schnell hob und senkte er sich. Die Maske fiel zu Boden sodass ich seine weit aufgerissenen Augen sehen konnte, aus denen Blut floss. Auf seiner Haut bildeten sich rote Blässchen, die aufplatzen. Sofort floß Blut aus allen Stellen. Ich war geschockt. Sowas habe ich noch niemals gesehen. Augenblicklich kamen mir die Tränen.
Die Verantwortlichen schienen überrascht und geschockt zu sein. Wie es aussieht sollte es nicht so laufen. Auf einmal wurden die Vorhänge zu gezogen. Währenddessen rutschte ich zu Boden und wiegte meine Tochter im Schlaf hin und her.
Dieses Bild werde ich wohl ein Leben lang nicht vergessen. Wie bin ich überhaupt auf die Idee gekommen doch dabei sein zu wollen. Diesen Anblick hätte ich mir sparen können.
Wie die Menschen drin reagiert haben, lief die Hinrichtung nicht wie sie sollte. Aber was ist passiert? Warum kam Blut aus Mehmets Augen Augen und woher kamen die Blässchen. Das alles lief doch aus den Ruder. Ist er jetzt überhaupt tot?
So viel Blut wie da in wenigen Sekunden floß muss er verblutet sein. Aber sicher bin ich mir da wirklich nicht. Sollte ich nachfragen. Immerhin geht es um Mehmet. Ich war mit ihm verheiratet und habe mit ihm eine Tochter. Sie hat die Wahrheit verdient. Ich kann ihr doch schlecht später sagen, dass ihr Vater ein Held war. Das war er nämlich nicht.
Ich vom Boden auf und ging zu den Verantwortlichen. Jemand kann mir doch wohl sagen was da gerade geschehen ist. Zum Glück sind meine Englischkenntnisse so gut, dass ich alles verstehen konnte.
So erklärte mir jemand, dass es Komplikationen gab, die nicht sehr oft auftreten aber es nur halb so schlimm sei, weil der Effekt derselbe ist. Also ist Mehmet tot. Aber wie kann man sagen, dass es halb so schlimm ist? Eine Todesspritze sollte doch keine großen Schmerzen verursachen. Mehmet muss durch die Hölle gegangen sein. Niemand wünsche ich es. Nicht einmal meinen größten Feind.
Aber was passiert eigentlich mit Menschen, die zum Todeverurteilt wurde. Damit meine ich nach den Tod. Werden sie dann beerdigt? Ich sage mal nein. Für einen Straftäter wird mit Sicherheit kein Trauergottesdienst oder ähnliches stattfinden. Vielleicht wird er heimlich verbrannt und dann unter einen anonymen Namen beigesetzt. Das will ich für Mehmet nicht. Ich will ein Grab in Deutschland haben. Ob es wohl möglich ist?
Meine Tochter soll wenn sie groß ist einen Ort haben an dem sie sich verbunden mit ihren Vater fühlt. Eigentlich müsste ich mich für ein Grab gar nicht einsetzen nach all dem was Mehmet mir angetan hat. Aber meine Tochter soll später ihr eigenes Bild machen.
So ging ich zurück zum Empfang und versuchte die Frau zu überzeugen eine Beerdigung für Mehmet zu veranstalten aber vergeblich. Was habe ich auch anderes erwartet. Für Mehmet würde man mit Sicherheit keine Ausnahme machen. Außerdem würde die Überführung wahrscheinlich schon total viel kosten und das kann ich mir nun wirklich nicht leisten. Ich habe noch nicht einmal ein eigenes Einkommen. Noch immer lebe ich von Dilans Geld, was mich noch immer total demütigt.
Mein Leben lang wollte ich für mich alleine sorgen können und niemals wie meine Mutter enden. Und sieht man mein Leben jetzt an ist es fast nichts anderes. Ich lasse mich von einen Mann unterhalten. Ich liege ihm auf der Tasche. Aber ich versuche mein eigenes Geld zu verdienen. Ich schreibe Bewerbungen und will ein eigenes Buch veröffentlichen. Vielleicht komme ich als Autoren groß raus. Man weiß nie. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Total niedergeschlagen und gezeichnet von den letzten Minuten verließ ich mit Ilayla im Schlepptau das Gefängnis.
Als ich die Tür hinter mir schloss sah ich ein bekanntes Gesicht. Dilan! Was macht er denn hier in New York? Ich habe ihn doch gesagt, dass ich mich alleine von Mehmet verabschieden möchte.
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Never look back
RomansaDas ist der zweite Teil von "Der Traum von Freiheit". Also würde ich euch empfehlen erst den ersten Teil zu lesen um zu wissen, worum es überhaupt geht. Ich hoffe, das euch der zweite Teil genauso gefällt wie der erste. Aisha und Mehmet können endli...