Kapitel 8 - Ein fantastischer Anblick

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Angel Dust

Als ich das Hotel betrete, empfängt mich Stille. Es ist spät geworden und die anderen sind wohl schon ins Bett. Selbst die Bar liegt leer und verlassen vor mir, obwohl ich mir gewünscht hätte, dass wenigstens er mich begrüßen würde. Valentino war heute mal wieder richtig schlecht drauf, geht mir durch den Sinn, während ich mir die geschundenen Handgelenke reibe.
Neuerdings steht er total aufs Fesseln, was mich eigentlich nicht stört, aber diese Scheiß-Dinger, die er unbedingt wollte, schneiden in mein Fleisch und drücken mir das Blut ab.
Ich will nur noch duschen und dann ins Bett, denke ich, doch bleibe stehen, als es mir kalt den Rücken runterläuft.
„Guten Abend, Angel.", raunt eine Stimme hinter mir. Erschrocken wende ich mich dem Raunen zu und starre in die Augen des Höllenbarons. „Fuck. Scheiße man... Du bist es, Smiles.", atme ich erleichtert aus, doch bleibe irgendwie angespannt. Der Baron ist mir nicht geheuer, vor allem nicht seit ich weiß, dass Husks Seele in seinem Besitz ist, denke ich, doch lächle ihn trotzdem an.
„Husker hat deinen Schlüssel an sich genommen, Charlie dachte, es sei das Beste, da er zu wissen schien, was du dir wünschst. Euch scheint ja, was ganz besonderes zu verbinden.", sinniert der Dämon herum, umklammert seinen Stab fester mit den Fingern, doch ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, dass es mich freut, dass Husk sich tatsächlich gekümmert hat. „Ja, wir sind mittlerweile ganz gute Freunde. Ehm... Dann geh ich mal meinen Schlüssel bei ihm holen und hau mich hin! Danke für die Info!", rufe ich noch, schleiche an ihm vorbei und drücke den Knopf des Fahrstuhls wie wild.
Im nächsten Moment kündigt dieser sich mit einem lauten „Pling" an und ich winke dem creepy Dämon zu, der den Kopf schief legt, als wäre ich irgendein seltsames Experiment, an dem er rumbastelt.
Im achten Stock angekommen, liegt der Flur genauso vor mir, wie auch schon, als ich ihn mit Husk betreten habe. Tür reiht sich an Tür, alte, fast schon historische Lampen spenden ein warmes, wenn auch schwaches Licht.
Der dicke, flauschige Teppich verschluckt jedes Geräusch, das meine Stiefel verursachen würden.
Endlich stehe ich vor Husks Tür und plötzlich weiß ich nicht, was mich erwartet, wenn ich anklopfe. Würden wir da weitermachen, wo wir unterbrochen wurden? Ekelt sich Husk jetzt vor mir, weil er weiß, dass ich es mit anderen getrieben habe? Gibt er mir den Schlüssel und schickt mich weg? Ich... will heute Nacht nicht alleine sein, denke ich, als sich die Tür öffnet und mir mein Schweinchen entgegen springt.
„Scheiße man, dafür, dass das Ding so klein ist, macht es einen höllischen Krach, wenn es was will. Fuck ey... Kommst du rein?", fragt Husk lächelnd. „Du hast Fat Nuggets bei dir schlafen lassen?", frage ich erstaunt und folge ihm. „Was denkst du denn? Dass ich ihn alleine in ein fremdes Zimmer sperre? Ich bin kein vollkommener Wichser.", antwortet er mir, während er ein paar Lampen einschaltet. Sofort wird das Zimmer in ein schönes, warmes Licht getaucht.
„Ich wusste aber nicht, was der Kleine frisst, deswegen gabs nur Wasser.", erklärt er weiter und schaut fast entschuldigend.
Ich kann nicht anders, als zu kichern. Er scheint sich ja wirklich Gedanken gemacht zu haben, freue ich mich innerlich. „Macht nichts. Ich besorg ihm morgen was. Wenn du willst, kannst du mitkommen.", antworte ich leichthin, ehe ich mein Haustier aufs Bett springen lasse. Wie selbstverständlich macht es sich Fat Nuggets auf der Decke gemütlich und schnarcht im nächsten Moment, wie ne Kettensäge vor sich hin. Er sieht so aus, als wäre genau das schon immer sein Schlafplatz gewesen.
„Erstaunlich.", meint Husk, nachdem wir einen verdutzen Blick ausgetauscht haben. „Dusche und dann schlafen? Du hattest sicher einen Scheiß-Abend. Ich kann nochmal runter und dir nen Drink holen. Ab morgen werd ich definitiv meine Minibar auffüllen.", meint er und kramt in seiner Hose. Er zieht einen Schlüssel raus mit der Nummer 845, das Zimmer neben seinem. Er hält mir das kleine Ding entgegen, doch etwas in mir versteift sich. Einen Augenblick lang starre ich drauf, ehe ich wieder zu meinem Haustier blicke und dann zu dem Mann vor mir.
„Du kannst auch hier schlafen.", meint Husk plötzlich und nimmt es mir ab, ihn zu fragen und zu bitten.
„Aber fucking gerne!", gebe ich zurück. Er lächelt nur, zeigt auf die Tür zum Bad und lümmelt sich zurück ins Bett. Der Schlüssel verschwindet wieder in seiner Tasche.
Nach einer ausgiebigen Dusche fühle ich mich endlich wieder sauber und bin wenigstens so weit wieder entspannt, dass mir nicht mehr jeder Muskel schmerzt. Meine Handgelenke sehen trotzdem noch heftig aus und ich überlege, wie ich nun an Verbandszeug komme.
Mit einem Handtuch um die Hüften schlender ich zurück ins Schlafzimmer, nur um fast aufzukreischen vor Cuteness. Husk liegt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, die Arme hinterm Kopf verschränkt, während Fat Nuggets auf seinem Bauch eingekringelt liegt und vor sich hin schnarcht. Leise und auf Zehenspitzen schnapp ich mir mein Handy aus der Jackentasche und will gerade ein Bild davon schießen, als Husk die Augen öffnet. „Wag es und ich schwör dir, dass ich dir wirklich eine Flasche in den Arsch ramme!", knurrt er, doch ich muss nur lachen.
Wie oft hat er mir damit schon gedroht?, frage ich mich, doch hebe ergebend die Hände. „Schon gut! Der Anblick ist besser als jeder Fick gewesen, sonst hätte ich es vielleicht drauf ankommen lassen.", antworte ich und lasse das Handtuch fallen.
Seine Lippen verziehen sich zu einem kleinen Grinsen und er lockt mich mit dem Finger zu sich. Ehe ich mich zu ihm legen kann, stupst er Fat Nuggets an, der sich einfach ans Fußende legt und holt dann etwas unter dem Bett hervor. „Ich war mir nicht sicher, ob wir das brauchen, aber ich glaube, es wäre ganz gut, wenn wir uns das mal ansehen.", erklärt er und holt einen Verbandskasten hervor. Erstaunt knie ich mich vor ihm hin, während er beginnt, einige Sachen hervor zu kramen.
„Dieser elende Motherfucker...", murmelt er, als er meine Hände in seine nimmt und die Verletzungen untersucht. Vorsichtig und sanft dreht und wendet er die Gelenke, versucht möglichst mir keine Schmerzen zu verursachen. Noch ein Fluch verlässt seine Lippen, ehe er beginnt mit einem Wattebausch die Wunden zu desinfizieren.
„Fuck! Das brennt schlimmer die Feuer der Hölle!", zische ich, doch Husk verdreht nur die Augen. „Ich dachte, du stehst auf Schmerz.", meint er, als er beginnt einen Verband um die eine Hand zu ziehen.
„Tue ich. Aber das hier ist nicht zu vergleichen damit, wie es sich anfühlt, wenn der Sexpartner ein bisschen härter wird. Das- AUA - tut nur weh!", rufe ich, als er ein bisschen Druck ausübt. „Gleich vorbei.", murmelt er, ehe er sich der anderen Hand zuwendet. Ohne sich abzulenken verarztet er mich, sanft, fürsorglich und fast schon liebevoll, doch...
„Dass ich... nackt vor dir sitze, scheint dir ganz egal zu sein.", sage ich leise und würde mir am liebsten die Hände vor den Mund schlagen, doch er hält mich immer noch fest. Ohne den Blick vom Verband zu nehmen, höre ich ein leises Seufzen.
„Wann wirst du verstehen, dass es mir nicht um fucking Sex mit dir geht. Dass es mir egal ist, wie geil ich bin, doch dich nicht verletzen will. Dein Abend war scheiße, du hast Wunden, die versorgt werden müssen. Denkst du wirklich, dass ich dich jetzt ficken will? Dass ich son Wichser bin und dich einfach aufs Bett schmeiße und bis zur Besinnungslosigkeit durchnehme? Angel... du bist... kein Objekt.", erklärt er mir und schaut mich an. In seinen Augen sehe ich, dass er jedes Wort ernst meint, dass er vielleicht sogar gekränkt ist von meinen Worten.
„Ich... ich dachte nur, weil wir vorhin unterbrochen wurden...", murmele ich leise. Er wendet sich ab, legt den Kasten zurück auf den Boden und löscht eine der Lampen. „Glaub mir, was auch immer du da mit deiner verdammten Zunge gemacht hast, war mega geil. Und ja, du hattest mich fast. Aber... ich konnte nicht in Ruhe schlafen, wenn nur ich auf meine Kosten kommen würde und für Sex und alles andere... siehst du grad echt aus wie Scheiße.", sagt er und grinst mich frech an.
„Du bist so ein Arschloch!", erwidere ich und zeige ihm den Finger. Er lacht auf und nimmt meine Hand in seine. „Bin ich. Ein seelenloses Arschloch. Aber ich bin kein egoistischer Wichser.", gibt er zurück und haucht ein Kuss auf meine Hand.
Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. Husk wendet sich ab und legt sich wieder zurück auf das Kissen. Mit dem Finger lockt er mich erneut zu sich, ehe er auf das Kissen neben sich klopft. Theatralisch seufzend, bette ich meinen Kopf drauf, doch wende mich mit dem Rücken zu ihm.
Ich höre ihn irgendwas unverständliches murmeln, doch im nächsten Moment legt er seinen Arm um mich. Ich presse mich der Seite lang an ihn und spüre, wie er kurz zusammenzuckt. „Ups... Sorry.", flüstere ich, als ich spüre wie er versucht seine Erektion vor mir zu verbergen. Er ist doch geil!, schreit es in mir, doch ich respektiere seine Worte und mache keine Anstalten ihn irgendwie zu verführen. Ach Fuck... ich bin eigentlich auch mega müde, denke ich und gähne herzhaft. 
Irgendwann entspanne ich mich in seinen Armen und kuschel mich an ihn. Seine Wärme und sein Schnurren wirken hypnotisch.
Und das erste Mal, seit ich mich erinnern kann, fühle ich mich sicher und geborgen.

Mir ist sooo heiß!, schreie ich innerlich, doch weigere mich, die Augen aufzuschlagen. Irgendwas kitzelt meine Nase, aber das ist grad echt nicht wichtig. Kann mal wer die fucking Heizung ausmachen? Fuck man! Wir sind in der Hölle, hier ist es doch schon heiß genug!, schimpfe ich, doch ich will eigentlich weiterschlafen.
Mit zusammengekniffenen Augen versuche ich die Decke von mir zu werfen, aber ich höre nur ein Grunzen und plötzlich presst mich was fester an sich. Keine...fucking... Luft...,schreit mein Hirn und ich fange an zu strampeln.
„Ah! Shit! Fuck man!", ruft Husk, als ich mit einem Ellenbogen seinen Magen treffe. „Was soll der Scheiß?", fragt er verschlafen, während er sich den Magen reibt und mich verwirrt ansieht. „Das sollte ich dich fragen. Du hast mich fast nochmal gekillt.", antworte ich und bemerke jetzt erst, dass er mich wohl mit seinen Flügeln zugedeckt hat. „Was soll das?", will ich wissen und hebe die Federn an. „Du bist immer noch nackt.", meint er und streckt sich aus.
Jetzt sieht er erst recht aus wie ein fucking Kater, denke ich, während er sich neben mir halb verrenkt, doch zufrieden gähnt.
„Ich versteh noch nicht ganz, wieso du mich verbrennen willst.", gebe ich zurück. Er wendet den Kopf zu mir um und schaut mich an. Seine Augen tasten meinen Körper auf und ab, sodass ich plötzlich das dringende Bedürfnis habe, mich zu bedecken.
Dachte... Dachte er mir wird kalt?, fällt mir plötzlich ein und ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen. „Was?", faucht er, doch ich sehe genau, dass ich mit meinen Gedanken richtig liege. Er schwingt die Beine aus dem Bett und steht auf. „Du bist einfach ein Arschloch!", sage ich so liebevoll, wie ich kann und lächle ihn an.
„Fick dich!", gibt er zurück und zeigt mir den Finger. „Lieber dich, aber erst Frühstück! Ich hab Hunger!", meine ich und sehe vergnügt, wie er die Lippen verzieht. Fat Nuggets streckt sich ebenfalls aus und begrüßt den Morgen mit einem Gähnen.
„Kommst du mit duschen? Oder machst du son Katzenwäsche-Kram?", will ich wissen, während ich mir das Lachen verkneife. Im nächsten Moment fliegt mir ein Kissen in die Fresse und ich kippe zurück ins Bett. „Fuck man! Mit dem Gesicht verdiene ich mein Geld!", rufe ich lachend.
Er lacht ebenfalls und weicht dem Kissen aus, das ich auf ihn werfe.
„Du kannst alleine gehen, ich war gestern Abend schon, bevor du gekommen bist. Ich geh schon mal runter, ohne Kaffee und Alk komm ich nicht klar. Vor allem nicht, wenn man mich so weckt.", sagt er und zieht den Zylinder und die Fliege zurecht. Ich nicke und verziehe mich ins Bad, während er schon verschwindet.

Loser Lover (HuskerDust)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt