Kapitel 10 - Shoppingtime

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Angel Dust

Seltsam... Er scheint gar nicht so grimmig, wie normalerweise zu sein, denke ich, während wir gemeinsam durch die Straßen laufen.
Es fühlt sich komisch an, mit ihm durch die Gegend zu schlendern, doch er scheint sich auch nicht daran zu stören. Zwischendurch gähnt er, aber er behält jeden fiesen Kommentar für sich.
Meine Schritte sind lange das einzige Geräusch zwischen uns, wenn wir die ganzen anderen Soundeffekte hier in der Hölle mal außen vor lassen. Von irgendwo her kreischt eine Frau, irgendwas fliegt in die Luft und ich kann sogar hören, wie irgendwer gegen ne Hauswand pisst. Der ganz normale Alltag eben, zucke ich innerlich mit den Schultern.
„Also... Wo müssen wir hin?", fragt mich Husk auf einmal, nachdem wir endlich nicht mehr in Sichtweite des Hotels sind. „In die Mall.", antworte ich leicht hin und bleibe verwundert stehen, als ich merke, dass das Kätzchen plötzlich ganz steif wird. Und das, nicht auf die gute Art und Weise, schnurrt meine innere Stimme. „Fuck. Dein Ernst?", will er wissen und verzieht das Gesicht. „Mein völliger. Du scheint Bedenken zu haben, mein lieber Whiskers.", raune ich ihm zu. Sein Ausdruck wird noch ein Ticken dunkler. „Fick dich. Den Spitznamen kannst du dir sonst wohin rammen.", entgegnet er mir, doch ich spüre sein kleines Lächeln. Ich beuge mich zu ihm runter. „Ramm du mir doch lieber mal was ganz bestimmtes, in eine besondere Stelle.", flüstere ich in seine empfindlichen Ohren, die kurz zucken.
Sein Blick wendet sich mir zu und einen Moment lang habe ich das Gefühl, dass wir alleine auf dieser belebten Straße sind. Als ob wir weit entfernt sind von all diesen Sündern, die sich gegenseitig killen, ficken oder anderen Scheiß machen.
Mit einer schnellen Bewegung umfasst er meinen Hals und zieht mich zu sich. Der Kuss ist schnell, nur ein Hauch. Aber er berührt irgendwas in mir und ich spüre, wie meine Beine weich werden.
Ehe ich darauf reagieren kann- damit ihn in die nächste Gasse zu ziehen- schlendert er weiter und lässt mich stehen.
„Arschloch!", rufe ich ihm nach, ehe ich ihm lachend folge. Zufrieden summt er irgendeine Melodie, die mir seltsam bekannt vorkommt.
Doch vor der Mall setzt er plötzlich ein altbekanntes Gesicht auf. „Fuck man... Wieso ausgerechnet die Mall...?", meint er, doch ich spüre, wie sich in mir ein aufgeregtes Gefühl breit macht. „Ich liebe Shoppen!", erwidere ich und sehe, wie er die Augen verdreht. „Natürlich!", murmelt er. Aus der Shoppingmeile schwärmen schon etliche Dämonen raus, doch genauso viele stürmen rein, um die neuste Mode der Unterwelt und anderes freakiges Zeug zu kaufen.
Drinnen ist es echt voll, voller als ich erwartet habe, doch irgendwie lasse ich mich von der Stimmung anstecken.
Der Duft nach irgendwelchem Süßen, Parfüm und Mode ist genau das was ich grad brauche. Wie im Rausch nehme ich Husks Hand, spüre ein kurzes Zucken, doch ich ziehe ihn bereits zu einem meiner Lieblingsläden. Die grellen Lichter und die laute Musik sind ganz nach meinem Geschmack, während meine Begleitung eher mäßig begeistert scheint.
„Verdammter Höllenscheiß! Schau mal! Die Farbe ist so fucking hübsch! Ich brauch den unbedingt!", rufe ich aufgeregt und halte ihm einen dünnen Schal entgegen, den er nicht so aufgeregt betrachtet, wie dieser es verdient.
„Pink.", antwortet Husk, als ob damit alles gesagt wäre. „Meine Lieblingsfarbe, so nebenbei. ", informiere ich ihn, ehe ich ihm den Schal in die Hand drücke, ehe ich mich weiter umsehe.
Ich höre sein Seufzen, doch er folgt mir brav, während ich durch den Laden wandere und weitere Fundstücke in seine Arme werfe. Ich war noch nie mit jemanden shoppen, abgesehen von Cherri, die ich jedes Mal davon abhalten muss irgendwelche Bomben zu zünden, denke ich aufgeregt und bleibe vor dem Schmuck stehen.
Mein Blick wird von den neuen Chokern angezogen, die mit ganz vielen Schildern angepriesen werden. Besonders eine Kette hat es mir angetan. Ein schwarz, pinkes geflochtenes Band mit einem kleinen Herzen dran, das silbern im Licht funkelt. Fuck, ist das hübsch, staune ich, doch wende mich ab. Ein altbekanntes Gefühl ergreift von mir Besitz und mir wird kalt. Der Schweiß bricht aus meinen Poren und die Luft wird plötzlich schwerer zu atmen.
„Angel?", fragt mich plötzlich meine Begleitung und ich schaue überrascht auf. Husk beobachtet mich, die Arme immer noch voller Klamotten, Accessoires und was ich sonst noch in die Finger bekommen habe. Nervös fahre ich mir durch die Haare und winke ab. „Sorry! Ich war kurz abgelenkt! Ich probier schnell die Sachen durch, dann gehen wir sofort das Futter holen!", sage ich schnell und renne gerade zu auf die Umkleidekabinen zu. Husk legt alles auf eins der bereit gestellten Sofas, ehe ich den Vorhang zu ziehe. Mein Blick begegnet meinem Gesicht im Spiegel. Zu hübsch... zu wertvoll... Es könnte kaputt gehen, wenn ich es bei der Arbeit trage, denke ich und erinnere mich an einen Moment zurück, als ich meine Augen sehe.
„Komm her, mein süßer, kleiner Angel... komm zu mir!", raunt Valentino und pustet mir den Rauch entgegen. Meine Hände stecken plötzlich in Ketten und mein Versand ist berauscht von dem Gift. Auf den Knien rutsche ich näher zu ihm, schaue zu ihm auf und versuche meinen Geist zu verschließen. „Was trägst du denn da hübsches?", fragt er, seine Hand kommt näher und im nächsten Moment spüre ich, wie mein Hals zur Seite geschleudert wird. Der Stoff reißt, doch meine Haut wird geradezu zerfetzt. Silber und rot sprenkeln den Boden. Das Blut fließt über meine Schultern, doch das scheint meinen Chef nur weiter anzumachen. Er packt meinen geschundenen Hals und drückt meinen Kopf nach unten- „ANGEL!", reißt mich eine Stimme raus und ich sehe im Spiegel hinter mir goldene Augen, die mich besorgt ansehen.
Husker...,flüstert es in mir und ich spüre seine sanften Berührungen an meinem Körper. Seine Hand, die über meine Haut streicht, wie er meine Wunde verbindet und mich küsst. Er... würde sowas niemals tun, raunt mir die Stimme zu und ich entspanne mich etwas.
Als würde er die schlimme Erinnerung vertreiben, lächle ich ihn an. „Ich war grad in Gedanken! Reich mir doch mal den schwarzen Rock mit den Nieten, der sah so niedlich aus!", meine ich und sehe, wie er mich nochmal betrachtet, doch dann meiner Anweisung nachgeht.
„Also ich bin echt unsicher! Was meinst du?!", frage ich sicher schon zum zehnten Mal, als ich wieder den Vorhang öffne. Dieses Mal trage ich ein schwarzes Paillettenkleid mit rosa Fransen, das mir wirklich gut gefällt. Allerdings fällt mir nicht wirklich ein Grund ein, es zu tragen. Vielleicht geht Cherri mal mit mir aus, überlege ich, als mir auffällt, dass mein Modeberater nicht mehr auf der Couch sitzt.
Als ich mich umsehe, entdecke ich ihn bei einer der Verkäuferinnen, die ganz offensichtlich mit ihm flirtet. Die kleine Bitch wirft ihr Haar zurück und kann ihre Bürste nicht noch weiter in seine Fresse halten, ohne ihn zu ersticken. Sie sagt irgendwas, klimpert mit den aufgeklebten, schiefen Wimpern und lacht. Er verzieht das Gesicht, doch ich sehe etwas, was mich auf 180 treibt. Seine Wangen haben einen leichten roten Schimmer angenommen und er sieht plötzlich peinlich berührt aus.
WAS ZUM FICK!?!, schreit es in mir. Anscheinend war es doch nicht nur meine innere Stimme, denn mein Begleiter schaut sich zu mir um.
Er lässt die Verkäuferin stehen und kommt wieder zu mir zurück, doch ich knirsche mit den Zähnen.
„Hübsches Kleid.", meint er, als er endlich wieder auf der Couch Platz nimmt. Ich verschränke die Arme vor der Brust und schaue ihn herausfordernd an. „Nicht das einzige, was dir zu gefallen scheint, Arschloch.", sage ich, doch dieses Mal meine ich die Beleidigung mehr als ernst.
„Suchst du dir schon das nächste Loch?", füge ich noch hinzu, die Stimme triefend vor Verachtung. So ein verdammter Wichser! Ich wusste, dass er nicht anders sein kann! Scheiße!, schreie ich innerlich und könnte ihm eine knallen, als er nur die Augenbraue hochzieht und sich zurücklehnt. „Ich will dir ja nicht vorschreiben, wen du zu ficken hast, aber bei der Bitch musst du echt aufpasst, dass ihre Titten nicht platzen, wenn du sie anstupst.", keife ich weiter, doch er scheint unbeeindruckt von mir zu sein.
Ich spüre, wie mir die Luft wegbleibt und mir heiß wird.
„Fertig?", fragt er mich und kramt in seiner Hose. „Mit dir, du elender Wichser!", rufe ich, doch fange im Reflex das kleine Kästchen, dass er mir just in dem Moment zu wirft.
Er wendet den Blick ab, die Wangen färben sich wieder rosa und er wirft den Kopf nach hinten. „Was zur Hölle ist das?", verlange ich zu wissen, doch ich warte seine Antwort gar nicht ab und reiße die pinke Verpackung auf.
Das silberne Herz funkelt mir entgegen und meine Atmung stockt. Shit, ist das einzige Wort, das ich bilden kann.
„Ich hab deinen beschissenen Blick gesehen...", meinte er immer noch den Blick abgewandt. „Shit.", sage ich nur und schaue zur Verkäuferin, die sich hinter den gläsernen Tresen stellt, in dem ich die Kette gesehen habe. Shit... Er hat sie für mich gekauft... und sich nur deswegen mit ihr unterhalten, fasse ich zusammen.
„Sie hat sich darüber lustig gemacht, weil ich keine fucking Ahnung hatte, was für ne Farbe die verdammte Schleife haben soll.", erklärt er und ich könnte mich in den Boden rammen. Mein Inneres zieht sich zusammen und ich kralle meine Finger in das Geschenk. Shit..., denke ich erneut und schäme mich plötzlich. Ruckartig ziehe ich den Vorhang zu und lege das kleine Päckchen auf den Hocker. Meine Augen brennen verdächtig, doch ich kann mich zusammen reißen, während ich das Kleid ausziehe und mich wieder ankleide.
Die ganze Zeit scheint mich das kleine Herz zu verurteilen, doch ich weiß eigentlich ganz genau, dass Husk nicht der Typ für solche Sachen ist.
„Fertig?", fragt der ehemalige Höllenbaron, als ich vor den Vorhang trete. „Ja. Ehm... Hier.", sage ich und halte ihm die Kette hin. Verunsichert schaut er mich an. „Ich bekomme sie alleine nicht umgelegt.", meine ich und wende den Blick ab. Auch wenn ich es nicht sehe, weiß ich, dass er lächelt, als er sie mir abnimmt.
Ich setze mich auf die Couch und er stellt sich hinter mich. Seine Finger streifen meinen Hals, ehe ich das geflochtene Band auf meiner Haut spüre. Das kleine Herz fühlt sich warm an, doch ich zittere trotzdem ein bisschen.
Ich bin so ein Arschloch, denke ich, als ich aufblicke und im Spiegel in einer der Kabinen seinen Gesichtsausdruck sehen kann. Zufrieden und fucking happy schaut er auf mich herab und ich spüre, wie mein Herz kurz aussetzt und schneller wieder beginnt zu schlagen.
Ach fuck, schießt mir durch den Sinn, als ich nach oben schaue und seinem Blick begegne. Mit einer Hand greife ich nach seiner Fliege und ziehe seine Lippen an meine. „Danke...", hauche ich an seinen Mund, ehe ich ihm noch einen Kuss gebe. „Aber fucking gerne!", wiederholt er meine Worte vom Abend vorher.
„Also... Das Kleid, der Schal und vielleicht diese kurze schwarze Hose?", fragt er und kommt wieder rum. Ich muss mir ein Kichern verkneifen und berühre das kleine Herz an meinem Hals, ehe ich antworte. „Und die neue Jacke! Ich steh irgendwie auf diese kleinen Nieten!", rufe ich und sammle die Sachen zusammen, ehe wir zusammen zur Kasse schlendern.

Loser Lover (HuskerDust)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt