Kapitel 35

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„Und Charlie, magst du es mit dem Papa zu telefonieren?" Frau Winter saß erneut im Wohnzimmer der kleinen Familie und zufrieden knabberte der Dreijährige an einem Keks. „Ja, das ist richtig toll! Ganz oft kann ich ihn sehen und er zeigt mir dann was Cooles oder singt was auf finnländisch!" Sein Gegenüber nickte grinsend und auch Yvonne drückte ihrem Sohn sanft einen Kuss ins Haar. Sie war wirklich dankbar, wie gekonnt und normal die Sozialarbeiterin ihre Fragen in ein Gespräch einbaute und sie seufzte. Dieser zweite Tag war nun auch fast geschafft und während die beiden vorher etwas zu zweit in Charlies Zimmer gewesen waren, hatte sie die Taschen für den Flug nach Finnland vorbereitet. Diesmal musste einiges mit, schließlich stand auch einiges an und seufzend fuhr sie sich durchs Haar. Sie hatten den morgigen Tag noch in Berlin und übermorgen Mittag würden sie abfliegen. Sie wusste also, dass sie sich keinen Stress machen musste und doch war sie nervös. Mikko und Liisa hatten versprochen sich über den anfallenden Papierkram schlau zu machen. Sanna und Santtu, Samus Geschwister, stellten das neue Zimmer fertig und Samu spielte heute Abend das Festival, bevor in wenigen Wochen die Tour in Finnland weiterging. Alles ergab zeitlich irgendwie einen Sinn, doch trotzdem schaffte sie es kaum irgendwie runterzukommen.

So erschrak sie auch, als auf einmal ihr Handy klingelte und der Name ihres Freundes erschien. Er rief mit Videofunktion an und lächelnd griff sie sofort nach dem Gerät. „Ist das okay, wenn wir telefonieren?" Frau Winter nickte sofort, ebenfalls etwas gespannt, und aufgeregt kichernd begann Charlie zu zappeln als Yvonne den Anruf entgegennahm.
„Hey you!" Ein breit grinsender Finne strahlte ihnen entgegen und Charlie begann zu winken. „Papaaaa!" Sie lachten alle und Yvonne schüttelte innerlich den Kopf, als sie spürte, dass selbst nur durch den Klang seiner Stimme ihre Muskeln sich entspannten. Was für eine Wirkung dieser Typ nur auf sie hatte...
„Wo bist du denn?" Der Sänger grinste stolz und drehte sein Handy um etwas mehr von seiner Umgebung zu zeigen. So wie es aussah stand er gerade wirklich auf der großen Festivalbühne vor noch leerem Gelände und die Schwangere erkannte, dass die Truppe wohl eben ihren Soundcheck beendet hatte. Riku und Sami winkten von hinten kurz in die Kamera und ihr Sohn bekam sich vor Freude kaum ein. „Halloooo!", quietschte er den anderen zu und Samu lachte leise. „Guck mal little lion! Hier machen wir später unsere music vor ganz ganz viele Menschen!" Mit großen Augen bestaunte der Lockenkopf alles was sein Vater ihm zeigte und auch Yvonne tat es gut zu sehen und zu hören, dass ihr Freund wirklich glücklich und locker schien. Sogar die Sonne schien ins Bild und lächelnd unterhielt sich die Familie etwas, während die Sozialarbeiterin ihre Notizen vervollständigte.

Durch das Telefonat war die Zeit scheinbar verflogen. Frau Winter hatte sich bereits endgültig von ihnen verabschiedet, natürlich nicht ohne Charlies Bild mitzunehmen, dass er extra für sie gemalt hatte und Yvonne war gerade dabei die Küche aufzuräumen. Charlie war bereits in seinem Zimmer und leise summend wischte sie die Arbeitsfläche ab, bevor sie das Licht löschte und sich zu ihrem Sohn gesellte. Er saß sogar schon im Schlafanzug auf seinem Bett und liebevoll deckte sie ihn zu.
„Mama, wann hab ich jetzt Papas Namen?" Sie lächelte liebevoll und fuhr durch seine Locken. „Hoffentlich ganz bald mein Schatz! Frau Winter von heute Morgen macht das bestimmt!" Er lächelte stolz und sah dann allerdings etwas beunruhigt zu ihr. „Aber was ist dann mit dir?" Fragend legte sie den Kopf schief. „Ja dann heißen Papa und ich gleich, aber du anders! Ich mag aber auch so heißen wie du! Und Papa!" Sie lächelte berührt und kuschelte sich neben ihn ins Bett. Das zu hören tat wirklich mehr als nur gut und sanft strich sie über seinen Rücken. „Weißt du Großer, bestimmt heiße ich auch irgendwann so wie Papa! Also ‚Haber'. Irgendwann heiraten wir ganz bestimmt und dann sind wir alle Habers!" Aufgeregt sah er sie an und setzte sich ruckartig auf. „Du heiratest Papa? Wann? Und wo? Und hast du dann ein weißes Kleid an?" Sie lachte und seufzte verträumt. „Schatz, dafür muss der Papa mich erstmal fragen ob ich mag und bevor deine kleine Schwester kommt, wird das alles eh zu viel. Danach bestimmt!" „Willst du ihn denn nicht heiraten?", folgte sofort die entrüstete Frage und verdutzt sah sie ihn an. „Wie kommst du denn darauf? Natürlich will ich Papa heiraten! Ich will doch auch einen so coolen Namen wie ihr dann!" Charlie nickte und sah sie dann schief an. „Wieso muss er dich dann fragen? Ist doch super so!" Sie verstand und kicherte vor sich hin. „Wenn du meinst Engel, dann warten wir einfach ab!"

Sei nicht so hart zu dir selbstGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt