Ein halbes Jahr später...
Mit großen Augen starrte Yvonne auf ihre Hände. Sie zitterten, ebenso wie ihr ganzer Körper und wie in Trance schüttelte sie immer wieder fassungslos den Kopf. Positiv. Der verdammte Test in ihrer Hand war positiv. Die Sicht vor ihren Augen verschwamm. Nur noch undeutlich konnte sie das Wort auf der Anzeige erkennen und doch hatte es sich so deutlich in ihren Kopf gebrannt, wie sonst was. Ihr Herz raste und schnell schlug sie sich die Hand vor den Mund um nicht laut aufzuschluchzen. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein. Sie hatten doch immer aufgepasst. Sie konnte nicht schwanger sein, nicht jetzt. Der Test musste falsch sein! Es konnte absolut nicht sein, sie hatten immer verhütet und aufgepasst, zwar nie darüber geredet, aber das durfte doch gar nicht passiert sein! Hatte der Test einen Fehler? Er zeigte sich nur ein falsches Ergebnis an und panisch schüttelte die Sängerin den Plastikstreifen in ihrer Hand. Ohne Ergebnis. Immer wieder versuchte sie es, doch nach wie vor blinkte es ihr schwarz auf weiß entgegen und wieder liefen ihr Tränen übers Gesicht. Wieso denn ausgerechnet jetzt? Gerade war alles geklärt, sie hatten alle drei endlich einen richtigen Weg gefunden und die Mühen, die ihr blonder Finne auf sich genommen hatte, um bei ihr und Charlie zu sein, waren nicht so leicht zu tragen gewesen. Es hatte durchaus etwas Streit und kleinere Zankereien gegeben, doch sie hatten es überstanden und jetzt saß sie hier in Helsinki, es waren Ferien, sie hatten frei und Spaß und sie? Sie war schwanger.
Sie hatten sich dazu entschieden, für einige Wochen hierherzufliegen. Schließlich musste Charlie in den Ferien nicht in den Kindergarten und auch sie fand gefallen an dem Heimatland ihres Freundes. Sie hatten abgemacht regelmäßig hierherzukommen, so konnte Samu auch seine Geschwister und Jungs sehen und auch sie selbst hatte es nicht eingesehen, dass er für sie darauf verzichtete, doch sobald Charlie, in ein paar Jahren, in die Schule kommen würde, würde das um einiges komplizierter werden. Immerhin konnten sie nur während den Ferien hier sein, und wieder schüttelte sie den Kopf. Wieso denn ausgerechnet jetzt? Sie wollte nicht so schnell noch ein Kind bekommen! Sie hatte doch weder darüber nachgedacht, noch überhaupt mit Samu gesprochen! Ihre letzte Schwangerschaft war, nach dem Verschwinden ihres Ex, das Grauen gewesen und selbst mit dem blonden Musiker an ihrer Seite hatte sie Angst. Vielleicht wollte er doch auch keine Kinder. Sich gleichzeitig um die Karriere und ein Kind zu kümmern, konnte wirklich nervenaufreibend sein und dann auch noch mit einem weiteren Baby? Das war doch viel zu viel auf einmal, nach der kurzen Zeit!
Yvonne schluckte schwer und stand dann auf. Immer noch spürte sie, wie ihr Herz gegen ihre Brust trommelte und schnell wischte sie sich die Tränen beiseite. Noch waren die beiden anderen beim Einkaufen, doch bald würden sie zurück sein und nervös knetete die Sängerin ihre Hände. Als sie in den letzten Tagen mit Magenproblemen gekämpft hatte, hatte sie auf keinen Fall an eine Schwangerschaft, sondern eher an seine Magen-Darm-Grippe gedacht. Wieder schluckte sie schwer. Noch konnte sie nicht wirklich weit sein, vielleicht in der 3. oder 4. Woche, doch noch bevor sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte, schüttelte sie entschieden den Kopf. Auf keinen Fall würde sie ihr Baby abtreiben. Egal, wie schlecht oder ungünstig der Zeitpunkt war, allein bei dem Gedanken wurde ihr schlecht und nervös stützte sie sich auf dem Waschbecken ab. Trotzdem fühlte sie sich an die Situation einige Jahre vorher erinnert. Ihr Freund hatte sie damals dazu aufgefordert ihren Engel zu töten. Sie hatte es nicht getan, wie konnte sie auch, und daraufhin war er gegangen. Zwar glaubte sie nicht, dass Samu das fordern würde, er war der liebevollste Mensch der Welt, trotzdem hatte sie Angst, dass ihm das zu viel werden würde. Sie waren doch gerade mal ein halbes Jahr zusammen, 6 Monate, das war so wenig. Ein Baby würde 9 Monate lang in ihrem Körper wachsen. Die Angst in ihr wuchs, was sollte sie denn tun? Das ging ihr doch alles einfach nur viel zu schnell...
Mit zittrigen Beinen lief sie langsam ins Schlafzimmer. Immer noch hielt ihre Hand fest den Test umklammert, um keinen Preis sollte Samu ihn finden. Sie wollte es ihm selbst sagen. Wann, wusste sie noch nicht, aber der Gedanke, dass er es selbst herausfand, machte ihr ein wenig Angst und so versteckte sie die Verpackung, samt Inhalt, in den Tiefen ihres Koffers. Dort würde er ihn wohl nicht einfach zufällig finden und überfordert setzte sie sich langsam auf das Bett. Sie schüttelte erneut den Kopf und sah dann an sich herunter zu ihrem Bauch. Zu gut wusste sie, dass man in ein paar Monaten das Wachstum erkennen konnte, aber die Tatsache, dass dort bereits jetzt etwas, ein kleiner Jemand, wuchs, ließ sie kräftig schlucken. Langsam und zögerlich legte sie sich eine Hand auf den Bauch und strich vorsichtig darüber. Charlie hatte damals durch einen Kaiserschnitt geholt werden müssen, eine Narbe hatte sie davon behalten, doch als sie an eine weitere Geburt dachte, schüttelte sie wieder den Kopf. Sie hatte das nicht mehr gewollt, sie hatte das nicht noch einmal durchmachen wollen, denn in ihrer ersten Schwangerschaft hatte sie zu kämpfen gehabt und ihre Finger verkrampften.
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Sei nicht so hart zu dir selbst
KurzgeschichtenThe Voice of Germany ist für's erste vorbei und endlich kann Yvonne Catterfeld mal abschalten und ganz die Zeit mit ihrem kleinen Sohn Charlie genießen. Die verwirrenden Gefühle gegenüber ihrem besten und wohlgemerkt auch vergebenen Freund Samu Habe...
