Kapitel 36

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„Mama! Tante Saskia ist da!" Die Sängerin atmete durch, bevor sie sich schnell den Pullover überzog und sich die letzten nassen Strähnen aus dem Gesicht wischte. Der nächste Morgen war angebrochen und so hatte sie eben geduscht und sich fertig machen wollen. Mit dem Bauch war das alles nur doch irgendwie anstrengender und ihr Gedankenkarussell schien kein Ende nehmen zu wollen. So war sie wirklich erleichtert, als sie ihre beste Freundin im Flur stehen sah, die sie erst einmal liebevoll umarmte.
„Hey, na?" Sie lächelte sanft und wuschelte dabei auch kurz Charlie durch die Locken. „Ich hab ein paar Spiele, CDs und DVDs dabei!", erzählte sie und zwinkerte dem Dreijährigen zu. „Damit können wir uns einen richtig gemütlichen Tag machen!" Er begann zu jubeln, während Yvonne sie nur dankbar ansah. „Du bist ein Engel!" Sie lachte nur und zog sie nochmal ein Stück näher. „Jederzeit, okay? Mach dich jetzt mal fertig und atme tief durch. Alles wird genauso werden, wie wir es erwarten!"
Die Erfurterin schluckte nur leicht, doch sie nickte und ging anschließend ins Schlafzimmer um sich fertig zu machen. Sie war einfach unruhig und sehnte sich nach Ruhe die ihr verwehrt blieb. Ihr Freund hatte ihr heute Morgen bereits zu einer unmenschlich frühen Uhrzeit geschrieben, wann ihr Flugzeug starten würde und selbst ohne gute Mathekenntnisse wusste sie, dass es knapp werden würde. Schließlich musste er nicht nur hier in Berlin landen, sondern auch noch quer durch die Stadt zum Gericht kommen müssen. Es war einfach eine beschissene Ausgangssituation und schnell fasste sie sich an den Bauch, als sie ein unangenehmes Ziehen verspürte.

Alles kam einfach irgendwie zusammen und tief durchatmend versuchte sie sich zu beruhigen, während sie sich eine Hose überzog. Auch ihre Tochter war bereits wach und zappelte ein wenig, trat munter gegen ihre Bauchdecke. Doch alleine das half der Sängerin sich für einen Moment zu beruhigen. Auch wenn ihr Baby schon wirklich stark und schwer war, wusste sie dadurch dass zumindest hier alles in Ordnung war und sich jemand auf diese stressige und volle Welt zu freuen schien.
Sie kämmte sich einmal durchs Haar, bevor sie sich einen Zopf band und ihr Shirt gegen eine Bluse austauschte. Die Knöpfe bekam sie gerade noch so zu und kurz schloss sie noch einmal die Augen. Nach der letzten Panikattacke in jenem Gebäude hatte sie diesmal vorgesorgt und nicht nur einen Müsliriegel und Apfel eingepackt, sondern auch Traubenzucker und eine Flasche Wasser.
Wenn es Samu nicht rechtzeitig schaffen sollte, wollte sie ihm keinesfalls noch einen Grund für ein schlechtes Gewissen geben. Sie wusste, dass er sich auch so schon unfassbar viele Vorwürfe machte nicht gut genug da sein zu können, so hatte sie ihm versprochen wenigstens auf sich aufzupassen und bevor sie sich erneut in ihre Nervosität steigern konnte, rief ihre beste Freundin auch schon nach ihr.

„Yvonne! Andreas ist da!" Ihr Puls beschleunigte sich automatisch erneut und kurz schloss sie die Augen, bevor sie nickte und dann halbwegs entschlossen in den Flur kam. Der Anwalt hockte am Boden, blödelte etwas mit ihrem Sohn rum, den er ebenfalls sofort ins Herz geschlossen hatte.
„Ui Mama, du siehst aber erwachsen aus!" Sie lachte auf und ging ebenfalls vor ihm auf die Knie. „Danke mein Spatz!" Sie drückte ihm einen Kuss auf die Stirn und sah ihn liebevoll an. „Versprichst du mir, dass du dir mit Saskia einen schönen Tag machst und gut auf sie hörst? Ich bin auch ganz bald wieder da." Er nickte einverstanden und drückte sich noch einmal an sie, bevor er sie wieder aufstehen ließ und mit bis zur Tür lief. „Tschüss Mama!" Sie winkte lächelnd bis die Tür ins Schloss fiel und nervös sah sie zu ihrem Gegenüber. „Na dann... Gibt ja kein Zurück mehr..." Er lächelte mitleidig und nickte. Es war auch für sie erleichternd zu wissen, dass er diesen Weg nicht alleine antrat und ohne, dass sie sich groß wehren konnte, drifteten ihre Gedanken auf der Fahrt ab.

„Hast du denn schon alles gepackt?" Andreas riss sie aus ihrer Abwesenheit, als er durch die Straßen Berlins fuhr und überrascht sah sie auf. „Ähm- ich denke schon..." Er lächelte, bevor er das Auto vor einer roten Ampel zum Halten brachte. „Kommt ihr denn nochmal zurück? Mikko hat sowas erwähnt von wegen, dass du die Kleine in Finnland zur Welt bringen magst?" Dankbar für die Ablenkung lächelte sie und nickte dann. „Ja genau!", bestätigte sie. „Charlie und ich haben eh immer einen Teil unserer Klamotten in Helsinki, deshalb ist der Koffer auch eher mit Babysachen gefüllt." Er lachte fasziniert. „Es ist eine ganz schöne Weile her, dass meine Kids noch Babys waren, die Zeit rennt!" Sie nickte erneut und seufzte dann. Es tat ihr gut über etwas anderes zu reden und ehe sie sich versehen hatte, tauchte das Gerichtsgebäude in der Ferne auf.
„Okay Yvonne...", begann er. „Vielleicht trinkst du noch was bevor wir reingehen? Samu macht mir die Hölle heiß, wenn du mir umkippst." Sie lachte leise auf und nickte. Er hatte schließlich recht und schnell strich sie noch ein letztes Mal ihre Bluse zurecht. „Wir werden die ersten da drin sein, oder?" Er nickte und merkte, wie die Schwangere für einen Moment in ihren Gedanken versank. Es war einfach viel was anstand, was ihr durch den Kopf gehen musste und leise seufzend fuhr auch er sich kurz durchs Haar. Es stand einfach so unglaublich viel auf dem Spiel und tief durchatmend bog er in die richtige Straße ab.

Sei nicht so hart zu dir selbstGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt