Chapter 3

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"So ein unhöflicher Bastard", schimpfte ich Zuhause bei den anderen. Nate sah mich nachdenklich an. "Lucien, sagtest du? Vielleicht wissen die anderen Rudel etwas über einen streuenden Wolf. Wir sollten sie zumindest fragen."
"Momentan stellt er keine Bedrohung dar", murmelte ich. "Verständigen wir die anderen Rudel erst, sollten wir nochmal auf ihn treffen und er uns Ärger machen." Nate schien nicht zufrieden. "Er hat dich angegriffen. Das zählt für mich zu Ärger machen." Ich lächelte leicht panisch. "Genauer gesagt, ähm, habe ich ihn angegriffen, weil mir das Großmaul auf den Sack gegangen ist." Emma schielte zu mir rüber. "Sah er denn wenigstens gut aus?" Ich blinzelte irritiert. "Hm. Ja eigentlich schon. Aber das tut jetzt nichts zur Sache." Insgeheim hatte ich ein bisschen Respekt vor dem schwarzen Wolf, da er sich mit mir angelegt und relativ heil aus der Sache heraus gekommen war. Das schafften nicht viele. Aus unserem Rudel könnte ich jeden besiegen, außer vielleicht Nate. Aber selbst bei ihm war ich mir nicht ganz sicher. Vielleicht wenn ich unfair kämpfen würde. "Wie er wohl als Mensch aussieht?", flüsterte sie mir zu und ich grinste unwillkürlich, weil Nate uns einen bösen Blick zuwarf. "Sixpack. Eindeutig Sixpack", erwiderte ich und wir kicherten. Okay, wir waren vielleicht beide ein wenig auf Entzug. Minimal. Emma, weil sie mit Leroy Schluss gemacht hatte und bei mir dasselbe mit Nate. Seitdem langweilten wir uns minimal. Nate knurrte. "So ein Kindergarten. Ein fremder Wolf taucht auf und kämpft mit dir, aber Hauptsache er hat wahrscheinlich einen tollen Körper." Ich zuckte die Schultern. Nur noch wir drei waren im Raum, die anderen hatten längst das Interesse am Gespräch verloren und waren ihrer Wege gegangen. "Als würde dich an Amber ihr faszinierender Charakter interessieren", warf ich provokant ein und Nate wurde sauer. Bevor das ganze wieder in einem unserer berühmten Bitchfights ausartete, bei denen normalerweise Stühle, Teller und Gabeln flogen, schlichtete Emma. Wahrscheinlich war sie der Annahme, dass wir genug Mobiliar in den letzten 48 Stunden verloren hatten.

Der nächste Tag begann gut. Jedenfalls für meine Verhältnisse. Ausnahmweise wurde ich mal von Vogelgezwitscher geweckt anstatt von sich gegenseitig anbrüllenden Wölfen. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen. Als ich noch etwas verschlafen nach unten lief, kam mir sogleich Emma entgegen. Nur zur Anmerkung - irgendwie war Emma sowas wie meine beste Freundin. Ja, manchmal stellte auch sie Unsinn an, aber von der liebenswürdigen Sorte. Meistens. Ihre Haare waren dunkelrot, und ihre Augen haselnussbraun. Die Kerle rannten ihr ständig hinterher, nicht nur wegen ihren Kurven, auch wegen ihrem abgedrehten und niedlichen Charakter. Nur war sie eher wählerisch. Sowohl Leroy als auch Louis, ein Wolf aus dem Nachbarsrudel, hatten sich an ihr die Zähne ausgebissen. Jetzt gerade sah sie ein wenig aufgelöst aus. "Dess! Gut, dass du wach bist. Du glaubst nicht, was Leroy zu mir gesagt hat: Er besitzt tatsächlich die Frechheit mir zu sagen, dass er mich zurück will!" Facepalm. Dieser Kerl war einfach unverbesserlich. "Und das, nachdem er dich mit dieser nuttigen kleinen Füchsin betrogen hat? Der Kerl hat Nerven." Sie pustete sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Kerle sind scheiße." Ich stimmte ihr zu. "Und was hast du geantwortet?", erkundigte ich mich neugierig. "Dass ich ihn verprügeln und lebendig im Wald begraben werde, wenn er nochmal versucht sich an mich ranzumachen." Sie hob trotzig das Kinn und ich umarmte sie spontan, grinsend. "Das ist mein Mädchen."

Gemeinsam mit den anderen frühstückten wir, alle an einem Tisch sitzend: Nate mit Amber, Mike mit seiner Jane, Nick, Riley, Kyle, Leroy, Emma und ich. "Wie läufts mit den Finanzen?", fragte Mike, der vom Aussehen her eher einem Bär ähnelte als einem Wolf - aber einem Teddybär. Er hasste es, wenn ich das sagte, und genau deswegen zog ich ihn immer damit auf. Jane war genau das Gegenteil zu dem dunkelhaarigen Kerl - klein, zierlich und blond, aber sie waren ein Herz und eine Seele. "Die Rudelversammlung hat beschlossen neu zu investieren. Ein paar Aktien hier, ein paar Immobilien dort. Ich habe mich relativ herausgehalten, da unsere Geschäfte zur Zeit recht gut laufen", erwiderte ich und bestrich mein Toast. "Auch nicht das Gebäude in San Diego über das wir geredet hatten?", schaltete sich Nate leicht verärgert ein. "Nein. Erstens haben wir genug Häuser und Unterschlüpfe, zweitens ist da das Rudel von Jamie aus Seattle schon dran und drittens warst du ja nicht da, und da erschien es mir unnötig." Ich kniff leicht die Augen zusammen und Nate knurrte missmutig, ließ es aber darauf beruhen. "Die nächste Versammlung ist im Herbst. Vielleicht findest du da ja die Zeit", meinte ich spöttisch. "Jedenfalls, das wichtigste aus dem Treffen: Randalls Rudel kommt bald zu Besuch, und was wesentlich interessanter ist: Noah hat einen seiner Leute exekutieren lassen. Er sagte, der Kerl wäre verrückt geworden weil er sich von der Gruppe abgegrenzt hat. Aber ich persönlich glaube eher, er hat seinen Rang als Alpha bedroht und wurde deswegen einfach beseitigt. Ich traue Noah nicht mehr seitdem diese kleine Schlampe Alpha geworden ist - Kathrina. Die hat ihn total unter ihrer Fuchtel." Ich schüttelte den Kopf. Kyle trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. Ihn beunruhigte diese Tatsache am meisten, da er früher Teil von Noahs Rudel gewesen war, bevor er sich uns angeschlossen hatte. Seine grünen Augen blitzten gefährlich. "Wen?" Ich seufzte schwer auf. "Einen Kerl namens Jake. Kanntest du ihn?" Er schüttelte den Kopf. "Muss wohl nach mir ins Rudel gekommen sein." Jane blickte nachdenklich drein. "Nach den Grenzübertritten letztes Jahr macht mir das echt Sorgen." Auf meiner Lippe kauend nickte ich. "Wenn noch mehr 'Unfälle' dort passieren, greifen wir ein. Das ist mir viel zu nah an unserem Rudel und Kathrina hat sowieso ein Auge auf unser Territorium geworfen." Amber blickte mich mit großen Augen an. "Du meinst wir sollen die beiden töten?" Manchmal würde ich gern sie unter die Erde bringen, vor allem wenn sie solche Fragen stellte. "Nur im äußersten Notfall. Ich habe eher daran gedacht, sich die Sache mal aus nächster Nähe anzusehen und sie dann vors Gericht zu zerren." Ich trank einen Schluck Kaffee und sah zu Nate. "Was hältst du davon?" Er zögerte und fuhr sich durch sein blondes Haar. "Wenn sie wirklich Schuld sind am Tod unschuldiger Wölfe, bleibt uns nichts anderes übrig. Denn wenn sie machthungrig sind stehen wir definitiv auf ihrer Liste. Unsere Gebiete grenzen aneinander." Zufrieden nickte ich und Kyle, der übrigens erst seit in etwa zwei Jahren Wolf war, meldete sich wieder zu Wort. "Wenn das stimmt werde ich auskundschaften. Mich kennen sie, und soweit ich weiß vertrauen sie mir auch, obwohl ich das Rudel verlassen habe."
"Alle, außer Kathrina", ergänzte Emma energisch. "Und wenn sie das Sagen hat könnte das gefährlich werden." Nate seufzte. "Jetzt warten wir erstmal ab, Leute. Vielleicht passiert auch erstmal gar nichts. Aber überstürzt loszustürmen ohne festen Grund in der Hand können wir uns nicht leisten."
"Ich gebe ihnen zwei Wochen", sagte ich leise. "Du hast Noahs Gesicht nicht gesehen, er hat diesen Blick, der mir sagt dass er nicht mehr zurechnungsfähig ist. Die anderen Rudel werden auch langsam unruhig. Ein Grund warum Randall mit seinen Leuten zu Besuch kommt. Er denkt genauso. Ich denke wir könnten uns im Ernstfall auf seine Unterstützung verlassen." Nate schnaubte. "Nur weil er dich gerne ins Bett kriegen würde." Am Tisch war es für eine Sekunde totenstill. "Das ist mir eigentlich herzlich egal, solange er uns hilft damit keiner aus unserem Rudel drauf geht", schoss ich prompt zurück und stand auf, ihn nun ignorierend. "Wen soll ich mit zur Arbeit nehmen?"

Wolf Pack - Completely InsaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt