Chapter 10

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"So ein Mist!", fluchte ich und war drauf und dran mein Handy gegen die Wand zu werfen. Warum zur Hölle hatte ich Randall nicht schon viel eher zurück gerufen? Sein Rudel hatte ebenfalls eine Drohung von Kathrina erhalten, schon vor uns. Es schien fast so, als hätte sie es auf all ihre Nachbarn abgesehen. Unsere Territorien waren eigentlich riesig, und genau deshalb konnte ich Noahs Rudel nicht verstehen. War es einfach nur hilfloser Wahnsinn oder steckte etwas anderes dahinter? Randall hatte zugestimmt, bereits einen Tag früher zu kommen und dafür war ich dankbar. Es würde schon abenteuerlich genug werden, sollte Kathrina ihre Androhungen tatsächlich wahr machen. Ich lief zurück ins Wohnzimmer, wo ich auf Mike traf. Er blickte mich an und hob eine Augenbraue.
"Sag. Jetzt. Nichts. Ich brauche jetzt ganz dringend einen Drink." Seufzend ließ ich mich aufs Sofa fallen. "Brandy oder Tequila?"
"Beides."
"Oha. Also ist das Telefonat nicht so gut gelaufen?", erkundigte er sich und ich kramte im Sitzen hinter mir im Schrank nach Gläsern. "Randall sitzt in genau derselben Scheiße wie wir. Er kommt Donnerstag." Ich griff mir den Brandy und schenkte mir großzügig ein. Natürlich wählte Nate genau diesen Augenblick, um durch die Tür zu stürmen. Gerade dann, wenn ich die beste Laune des Tages hatte. War ja klar. Er sah sich um und steuerte dann direkt auf mich zu. "Wann hattest du vor mir zu sagen, was da mit Kathrina läuft?" Bitte nicht schon wieder dieses Herumgebitche. "Wenn du einfach so verschwindest, soll ich mich auf den Kopf stellen?", schnappte ich zurück und trank einen großen Schluck des goldenen Gebräus. "Wenn dich das Rudel nicht interessiert, musst du es nur sagen", fügte ich dann noch hinzu und stellte das Glas vor mir auf dem Tisch ab. Wütend funkelte er mich an. "Das hier ist immer noch mein Rudel, und das heißt ich habe zu entscheiden was die Meute zu einer Kriegserklärung sagt, nicht du allein." Ich schnaubte. "Was hättest du anderes sagen wollen? Ja, danke Kathy, wir nehmen dein großzügiges Angebot an und du bekommst alles was du willst? Das hätte ich gerne gesehen." Ich sah ihm an, dass er in diesem Moment gerne gegen etwas - oder jemanden - geschlagen hätte. "Du weißt, dass ich das nicht getan hätte." Die Schultern zuckend nippte ich noch einmal. "Dann weiß ich nicht warum du dich so aufregst. Ich habe keine Kriegserklärung ausgesprochen."
Lucien kam mit Nick und Leroy durch die Terrassentür herein und die Anspannung nahm noch mehr zu. "Nicht das auch noch", murmelte ich und lehnte mich zurück. Ich sah, wie Mike die Augen verdrehte, anscheinend wusste er genauso wie ich, was jetzt wieder kommen würde. "Schon wieder Streit im Paradies?", erkundigte sich Lucien mit einem möglichst unschuldigen Lächeln und ich warf den Deckel des Brandys nach ihm. Geschickt wich er mit einem Schritt zur Seite aus, ohne sich davon beirren zu lassen. "Du verschwindest jetzt gleich wieder!", grollte Nate und ich seufzte. Ich begann langsam, diese Kerle mit ihrer Streitsucht zu hassen. "Ihr verschwindet am besten beide", grummelte ich. "Keine Chance", gab Lucien unbeeindruckt zurück und diesmal ging Jane dazwischen, die gerade dazu gestoßen war. Sie stemmte die Hände in die Hüften und baute sich mit ihren vollen 1,50 Meter Körpergröße vor den beiden auf. Jane wurde eigentlich nie sauer, und vielleicht verstummten deswegen die beiden Streithähne schlagartig. "Ihr hört jetzt sofort auf euch wie Dreijährige zu verhalten, die sich um Schokolade streiten. Ihr nervt. Und wir haben gerade ganz andere Dinge um die wir uns kümmern müssen, also entweder ihr packt euer zu breit geratenes Ego wieder ein oder ich helfe nach." Sie warf ihr blondes Haar zurück und setzte sich neben Mike. Eher wie eine Katze als wie ein Wolf schmiegte sie sich an ihren Freund und er legte einen Arm um sie. Ich schmunzelte, trotz allem. "Es sind ja sowieso alle gegen mich", stellte Nate fest, in Erwartung, dass jemand widersprach, aber wir hielten geschlossen die Klappe. Also lief er erhobenen Hauptes aus dem Zimmer und knallte die Tür zu, sodass die Scharniere gefährlich quietschten. Diva. Lucien erhob auf meinen Blick hin abwehrend die Hände. "Ich bin auch ganz brav. Versprochen." Er setzte sich zu mir und nahm mir das Glas aus der Hand. Dann machte er einen kräftigen Schluck und gab es mir zurück, ohne die Miene zu verziehen. "Auf was trinken wir eigentlich?" Ich schwenkte die Flüssigkeit gelassen im Kreis und beobachtete, wie sich die winzigen Wellen bewegten. "Das ist keine Feier. Das ist ein Besäufnis", stellte ich trocken fest und reichte Lucien die Flasche und ein eigenes Glas. "Auch gut. Wir trinken einfach darauf, dass wir heute noch nicht verrecken. Wer ist dabei?", fragte er und blickte in die Runde. Leroy kam beinahe schuldbewusst angetrottet. "Ich dachte, du bist Moslem?", zog Mike ihn auf und er knurrte missmutig. "Nicht jetzt. Nicht heute Abend." Dann holte er sich auch ein Glas, und Nick folgte ihm mit einem nichtssagenden Schulterzucken. Inzwischen hatte sich fast das ganze Rudel versammelt, auch Emma und Riley waren aufgetaucht. Meiner Freundin reichte ich sofort den Tequila und sie öffnete kommentarlos den Verschluss. Das Hütchen setzte sie Riley auf den Kopf, welcher sich daraufhin wie ein nasser Hund schüttelte.

Nach weiteren fünf Minuten hatte jeder der Anwesenden Alkohol in der Hand. Mike hatte noch Absinth im Keller gefunden, und ich ahnte bereits dass das heute nicht gut ausgehen würde. Leroy versuchte bereits nach einer halben Stunde wieder Emma anzugraben, in leicht angetrunkenem Zustand. Irgendwann reichte es ihr und sie stellte ihr Shotglas hin, nachdem sie ihren fünften Tequila in einem Zug leer getrunken hatte. Ihre Augen funkelten böse. "Ich sags dir nur noch einmal, Leroy, wenn du deine Hände nicht bei dir behältst sorg ich dafür, dass deine Fortpflanzungsorgane spätestens Ende des Abends draußen am Baum hängen, das versprech ich dir!" Wir lachten alle synchron los, und Lucien nutzte die Sekunde, um seine Hand auf meinen Oberschenkel zu legen. Ich grinste, beugte mich vor und flüsterte ihm ins Ohr: "Muss ich auch erst solch wilde Drohungen ausstoßen?" Er lächelte zurück, mit seinem besten Schlafzimmerblick. "Das würdest du doch nie tun. Zumindest nicht bei mir." Dann zwinkerte er mir zu und mir wurde ganz warm ums Herz. Ich war mir aber zugegebeber Maßen nicht ganz sicher ob das an seinen Worten oder am Alkohol lag.

Es war schon spät nachts, und sowohl der Schnaps als auch die Fähigkeit der Wölfe, noch gerade zu stehen, neigte sich dem Ende zu. Jane war auf Mikes Bauch eingeschlafen, welcher sich mit Leroy angeregt über die Dummheit von bestimmten Wölfen des Rudels unterhielt, Nick und Riley waren beide auf ihren Stühlen eingenickt und schliefen Kopf an Kopf, und Emma saß als Wolf vor der Terrassentür und beobachtete relativ tollpatschig und offensichtlich betrunken von hier aus die Sterne. Lucien und ich waren immer noch dabei, den Restalkohol zu vernichten. "23", meinte ich, schüttelte mich und knallte das Shotglas auf den Tisch. "Du tötest mich", stöhnte er und kippte ebenfalls sein Glas hinunter. Er verzog das Gesicht. Ich grinste. Langsam fühlte ich auch, wie mir der Tequila in den Kopf stieg, wie kleine rosa Wölkchen. "Ich dachte, du verträgst so viel?", neckte ich ihn und lachte. Er schenkte mir einen gespielt bösen Blick und schenkte sich nach. Ich sah in seinen Augen, dass er nicht mehr lang durchhalten würde und zwinkerte ihm zu. "Na komm. Einer geht noch." Nach diesem letzten Shot waren wir recht gut angeheitert und ich legte ihm den Kopf an die Schulter. Seufzend meinte ich: "So viel Spaß hatte ich seit langem nicht mehr. Was ist das nur mit dir, Alkohol und mir?" Er lachte laut los und legte einen Arm um mich. "Da zeige ich eben meine charmante Seite."
"Du hast eine charmante Seite?", zog ich ihn auf und er biss mir leicht in die Schulter. Ich quietschte und versuchte, ihn abzuhalten, und irgendwie landeten wir beide kichernd auf der Couch, halb ineinander verschlungen. Ich sah in diesem Moment nur noch seine Augen, dunkel und seeehr subjektiv betrachtet einfach faszinierend...

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