Chapter 28

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Ich spähte um die Ecke und zuckte prompt wieder zurück und hielt den Atem an. Einer der Monsterwölfe war verdammt nah an diesem Haus. Es war mehr Glück denn Verstand, dass er uns bisher nicht bemerkt hatte. Ich nickte Mike und Ray zu, diese beiden würden sich um Noah kümmern. Mina und ich würden uns ebenfalls durchs Getümmel schlagen, und dann nach Kathrina Ausschau halten. Ich wurde immer noch das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Ich fühlte mich, als würden sie uns das komplette Rudel auf dem Silbertablett servieren. Keine wahrnehmbaren Wachen, und vor allem...keine Kathrina. Das machte mir die meisten Sorgen. Wenn sie tatsächlich die Hexe war, dann hatten wir ein gewaltiges Problem, falls sie beschloss, aus dem Hinterhalt anzugreifen. Ich zögerte und sah zu Mina. "Kannst du das Haus zusammen mit Nate auschecken?", flüsterte ich so gedämpft wie möglich, um den Wolf hinter uns nicht auf uns aufmerksam zu machen. Sie nickte und stieß Nate mit der Schulter an, deutete aufs Haus. Dieser runzelte kurz die Stirn, nickte dann aber. Ich warf noch einmal einen Blick um die Ecke. Der riesige Wolf entfernte sich gerade ein Stück. Das war unsere Chance. Ein letzter Blick galt der hinter mir versammelten Hälfte des Rudels. Darren, Joey, Vice, Louis und Riley, neben dem Hauptteam.
Meine Haut kribbelte, als ich das Handzeichen zum Losrennen gab. Dann versank alles im Chaos.
Ich zischte um die Ecke, zog meine beiden Katanas und schnitt dem Killerwolf im Rennen die Achillessehne des rechten Hinterlaufs durch. Er jaulte auf und knickte ein. Dann fuhr er knurrend herum und schnappte nach mir. Hastig wich ich seinem riesigen Gebiss aus und rammte ihm meine Waffe in den Hals. Schmatzend riss ich sie wieder heraus. Keine Zeit, um zu sehen, wie das Tier zusammenbrach. Wir gaben Mina und Nate Deckung, bis diese das Haus erreichten, dann stürzten wir uns vollkommen ins Getümmel. In Noahs Rudel war das Chaos ausgebrochen, er brüllte wirr durch das Durcheinander Befehle, aber die Wölfe waren außer Rand und Band und stürzten sich auf alles, was ihnen entgegen kam. Joey schoss in einer kurzen Abfolge auf einen der Monsterwölfe und rang ihn dann zusammen mit Vice zu Boden. Eine lange Machete ragte aus dessen Kopf. Die normalen Wölfe taten sich zusammen und versuchten, unsere kleine Gruppe einzukreisen, doch wir verstreuten uns geschickt übers ganze Feld. Dann kam unser anderer Trupp aus dem Wald. Sie waren schnell, und sie waren todbringend. Die Monsterwölfe waren als erstes Ziel auserkoren, denn sie waren für uns am Gefährlichsten. Ich wehrte geschickt einen dunkelbraunen Wolf ab, der die Zähne fletschend auf mich los ging und klemmte ihm ein Messer zwischen die Fangzähne, als er hoch sprang und nach meiner Kehle schnappte. Dann verpasste ich ihm einen harten Schlag mit dem Griff des Katanas gegen den Kopf, bewusstlos ging er zu Boden. Ich atmete schwer und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Dieses Rudel war riesig. Wir waren nur gering in der Überzahl, und die Wölfe waren wahrlich tollwütig. Keuchend warf ich mich zu Boden und rollte mich zur Seite, um dem Angriff zweier heller Wölfe zu entgehen. Verdammt, waren die schnell. Und es war wirklich schwierig, sie nicht zu töten. Ich wollte so wenige wie möglich ernsthaft verletzen, deswegen hatten wir auch keine Silbermunition dabei. Silber konnte schon beim bloßen Eintritt in den Blutkreislauf tödlich sein. Mit normalen Waffen mussten schon lebenswichtige Organe verletzt werden, wie Herz oder Gehirn. Oder sie bluteten aus. Ich hoffte, dass wir den Großteil von Noahs Rudel retten konnten. Fluchend rammte ich einem dieser Wölfe das Katana in die Seite und er krachte im Sprung auf den zweiten. Ich drehte mich einmal um die eigene Achse und verschaffte mir einen Überblick über das Gemetzel. Die Monsterwölfe lagen alle bewegungslos am Boden, und soweit ich sehen konnte war von uns noch keiner schwer verletzt. Darren blutete zwar aus der Nase, wahrscheinlich ein glatter Bruch, und die anderen wirkten ziemlich zerschrammt. Eilig rannte ich zu Leroy, auf den vier Wölfe gleichzeitig los gegangen waren und trat einen mit meinen schweren Stiefeln weg, dann stellte ich mich mit ihm Rücken an Rücken. "Alles klar?", schrie ich über den Lärm hinweg. "Könnte nicht besser sein!", schnauzte er sarkastisch zurück und schoss einmal auf einen Wolf, der sich in sein Bein verbissen hatte. Das musste weh tun. Beiden. Ich hielt die drei verbliebenen mit meinen Katanas auf Abstand. "Fuck, ich hab meine Munition verloren", fluchte Leroy und ich seufzte. "Nimm meine beiden Pistolen. Schnell. Ich komm auch ohne klar. " Er zog sie mir aus dem Revers und entsicherte sie. "Danke."
"Na kommt", lockte ich die Wölfe. "Mama hat nicht den ganzen Tag Zeit." Einer schoss äußerst vorwitzig vor und ich trat ihm gegen die Schnauze. Das gab ein hässliches Geräusch. Der zweite machte Bekanntschaft mit dem linken Katana und heulte auf, als es seinen Bauch aufschlitzte. Leroy knockte den letzten Wolf hektisch mit dem Lauf seiner Pistole aus, als dieser ihn knurrend zu Boden geworfen hatte. Ächzend rollte er sich den schweren Leib von der Brust. Ich half ihm eilig auf. "Du musst gehen und Kathrina finden", brachte er heraus und hechelte. "Sonst wird Noah bald kein Rudel mehr haben. Wenn du die Wölfe retten willst, musst du Kathrina loswerden. Oder Noah. Oder beide." Ich nickte und gab ihm einen aufmunternden Schlag auf die Schulter. "Lass dich nicht umbringen."
Blut klebte auf jedem Zentimeter meiner Haut, bis ich Mike und Ray erreichte, die sich zu Noah durchgeschlagen hatten. Dieser kämpfte wie ein wildes Tier, zwar nur bewaffnet mit einem Messer und seinem zu Fangzähnen veränderten Gebiss, aber das reichte schon. Ray taumelte fluchend zurück und hielt sich den Arm. Dunkles Blut sickerte aus einer tiefen Schnittwunde. Mike erwischte Noah nicht mit dem Morgenstern, der Alpha war schneller. "Wo zur Hölle ist Kathrina?!", brüllte ich, doch Ray schüttelte ahnungslos den Kopf. "Wir schaffen Noah schon irgendwie allein, geh zum Haus. Mina und Nate sind nicht wieder raus gekommen." Ohne ein weiteres Wort schwang er mit der rechten Hand die Axt und stürzte sich wieder auf Noah. Ich sah noch, wie Claire zu ihnen stieß und an ihrer Seite kämpfte. Eisige Kälte umfing mein Herz, als ich das hörte. Sofort drehte ich mich um und rannte durch den ganzen Tumult zurück zum Haus, an dem toten Monsterwolf vorbei. Ich stieß die Tür auf, und gelangte prompt ins Innere, doch was mich dort erwartete, ließ mich an meinem Verstand zweifeln.
Kathrina und Lucien saßen gemütlich am Wohnzimmertisch, jeder ein Glas Wein vor sich. Als würde dort draußen nicht die Welt untergehen. Als würde sie ihr Rudel nicht gerade dem sicheren Tod überlassen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Mina und Nate konnte ich allerdings nirgends entdecken. Als ich eintrat, hoben sie den Blick und die Psychoschlampe schenkte mir ein berechnendes Lächeln. "Sieh an, sieh an. Da bist du ja endlich. Ich dachte schon, ich muss rauskommen und dich holen. Das wäre doch eine Schande gewesen, nicht wahr, Lucien?" Sie strich dem Kerl neben ihr mit ihren langen roten Fingernägeln über den Arm. Er zuckte zusammen, erschauerte. Ihre roten Locken kringelten sich wie Schlangen um ihren Kopf und in ihren grünen Augen funkelte Amüsement.
"Du", sagte ich nur und musste mir auf die Zunge beißen, um nicht sofort gedankenlos vorzustürmen und Lucien seine eigene Verlogene herauszureißen. "Du hast uns verraten. Was hast du dafür bekommen? Einen Posten als ihr Schoßhündchen?" Er knurrte vor Wut und fuhr von seinem Platz hoch, doch Kathrinas Griff wurde fester und zwang ihn, an Ort und Stelle zu bleiben. "Du hast mich doch verraten, Süße. Ich zahle nur Gleiches mit Gleichem heim." Kathrina schnalzte abfällig mit der Zunge. "Luc, Luc, man soll doch nicht lügen." Sie lachte glockenhell auf. "Die Wahrheit ist, Dess, er hat dir nie gehört. Tief in seinem Inneren war er immer mein Schoßhündchen - und wird es immer bleiben. Ich wusste, dass er früher oder später zu mir zurück kommen würde." In Luciens Augen blitzte Schuld auf, und ich spürte, wie etwas in mir klirrend zerbrach. Vielleicht war es das Vertrauen in die Menschheit, wer wusste das schon. Ich schluckte, die Katanas bereit in den Händen. "Wo sind Mina und Nate? Was hast du mit ihnen gemacht?"

Wolf Pack - Completely InsaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt