Nick und Mina stritten sich und der Rest des Rudels war bereits in Deckung gegangen, nur Randall versuchte mit leidendem Blick zu vermitteln. Aber sie hörten ihm gar nicht zu. Was tat denn Nick schon hier? War er etwa immer noch damit beschäftigt gewesen alles hier herzurichten? Uups. Ich hörte nur Gesprächsfetzen, weil sich die beiden Streithähne ständig gegenseitig unterbrachen. "Jetzt ist aber mal Ruhe!", brüllte ich und die zwei verstummten schlagartig. Randall warf mir einen dankbaren Blick zu. "Was ist hier überhaupt los?" Ciara und Finn standen daneben und der Kleine wirkte direkt gelangweilt. Ciara eher den Tränen nahe. Mina warf Nick einen bösen Blick zu und verschränkte die Arme vor der Brust. "Mutter hat uns zu Randall geschickt, während der Rest des Rudels auf einem Treffen mit den MacDougals in Schottland ist. Sie konnte ja nicht wissen, dass hier ein Rudelkrieg ausbricht!"
Rudelfamilien waren so eine Sache. Obwohl Mina bestimmt 22 war, genauso wie Ciara, ließ das Rudel keinen allein, bis er sein eigenes Rudel gefunden hatte. Und das dauerte manchmal. Denn als Alpha bist du verantwortlich, so lange, bis du abgelöst wirst oder derjenige einen Gefährten gewählt hat. Das, zusammen genommen mit dem Beschützerinstinkt ihrer Mutter...brutal war da noch untertrieben. Deswegen war Nick ja auch so froh gewesen, dass er das Rudel wechseln durfte, um endlich etwas Abstand zu seiner Familie zu gewinnen. Ich hätte die beiden ja auch sofort aufgenommen, aber sie wollten Finn nicht allein lassen. Also warteten sie. Nick seufzte und massierte sich die Schläfen, als hätte er Kopfschmerzen. Verständlich bei der Überraschung.
"Ich will einfach nur, dass ihr die Klappe haltet und euch aus sämtlichen Kämpfen raus haltet, solange ihr hier seid. Sollte es dazu kommen." Mina verdrehte die Augen. "Das kann auch nur ein Mann sagen. Wir sind älter als du und haben jedes Recht, an eurer Seite zu stehen!"
"Aber ihr gehört ja nicht mal zu einem der hier anwesenden Rudel!" Nick brüllte fast. "Aber unser kleiner Bruder!", schrie Mina. Ich stöhnte. Langsam spürte ich die Kopfschmerzen auch. Zeit, einzugreifen. "Hört mir mal zu! Keiner sagt, dass es überhaupt einen Kampf geben wird! Momentan wissen wir noch gar nichts. Und ich gebe Nick Recht. Ihr habt Finn. Den werde ich auf keinen Fall in die Schusslinie bringen, aber wir haben ihn hier. Und ihr seid verantwortlich für ihn. Also müsst ihr ihn im Notfall beschützen, aber aus einem Kampf haltet ihr euch raus, außer es geht nicht mehr anders. Gut? Diskussion beendet."
Die beiden warfen sich zwar immer noch vereinzelt böse Blicke zu, aber waren sichtlich zufrieden mit dem Kompromiss. Ich packte Randall am Kragen und zerrte ihn raus auf die Terrasse. "Das ist ja noch ein größeres Irrenhaus als mein Rudel."
"Ich weiß", seufzte er. "Du hast wenigstens noch Nate, der dir hilft. Ich darf die alle allein an die Leine legen." Ich schnaubte. "Der ist doch zur Zeit zu gar nichts zu gebrauchen. Dann lieber allein bevor ich jeden Tag das Bedürfnis habe, ihm einen Stein an den Fuß zu binden und ihn im Fluss zu versenken." Randall lachte laut und ich merkte, wie er sich langsam entspannte. "Ich habe das Gefühl, die zwei Meuten werden sich mal wieder prächtig verstehen", merkte er an und ich seufzte. "Oh Gott."
Nachdem ich mehr oder minder erfolgreich alle untergebracht hatte, lehnte ich mich mit Nick, Louis und Randall draußen ans Geländer der Terrasse. Sehnsüchtig starrte ich in den Wald. Mein innerer Wolf knurrte und es juckte mich in den Fingern, laufen zu gehen. Ich versuchte, mich zusammen zu reißen. "Warst du wirklich den ganzen Tag hier?", fragte ich Nick ein bisschen schuldig. Er nickte, leicht missmutig. "Kyle sollte mich mitnehmen, und dann war er weg und hat mich einfach hier vergessen." Meine Lippen zuckten, doch ich versuchte nicht zu lachen. Denn wenn man jemanden irgendwo vergaß, dann war es immer Nick. Emma hatte sogar mal damit angefangen, ihm immer ein leuchtendes Halsband in seiner Wolfsgestalt überzustreifen, aber das fand er definitiv nicht so witzig wie wir. "Naja. Immerhin passt jetzt alles", antwortete ich versöhnlich und registrierte, dass sich Ray zu uns gesellt hatte. Er sah ein bisschen geschafft aus, aber seine Laune hatte sich merklich verbessert. "Wann kommen denn die anderen?", fragte er mich mit einem halben Lächeln und ich sah auf meine Armbanduhr. "In zwei Stunden oder so. Vermisst du Leroy etwa schon?" Die beiden waren eine ganze Zeit lang schier unzertrennlich gewesen. "Du wirst seine neue Frisur mögen", fügte ich noch schnell hinzu und grinste. Ray war eher ein ruhigerer Kerl, aber wie man so schön sagte: Stille Wasser sind tief. Das Besondere an ihm waren aber seine Augen. Eines blau, eines braun. Hell und dunkel. Ich fand, das passte sehr gut zu ihm, und auch, um seinen Charakter zu beschreiben. Er hob eine Braue. "Was hast du gemacht, Dess?" Ich gab mich betont unschuldig. "Nichts, nichts. Apropos. Habt ihr Lust ein bisschen im Wald rumzustreunen bis die anderen kommen? Allein wird das die nächsten Tage sowieso schwierig. Wir müssen uns in Acht nehmen vor Kathrina und ihrem Rudel." Ich warf Randall einen fragenden Blick zu und dieser nickte ernst. Nick schüttelte den Kopf. "Ich passe lieber auf, dass meine liebe Familie das Haus nicht in Schutt und Asche legt. Aber vielleicht will Xander mit euch kommen." Er nickte zu dem grauen Wolf hinüber, der gerade durch die Terrassentür lugte. Seine rosa Zunge hing ihm aufgeregt aus dem Maul und ich schmunzelte. Schien so als wäre er fast schneller gewesen als wir. Louis tätschelte dem Wolf den Kopf und dieser wedelte mit dem Schwanz. "Immer mit der Ruhe, Bro", tadelte Louis ihn nur halb ernst und lächelte. "Dann kommt", rief ich die kleine Gruppe auf, uns zu folgen. Randall und ich tauschten einen Blick aus und rannten wie auf Kommando los. Ich lachte, als ich ihn überholte und er nahm die Verfolgung auf. Wir liefen in den Wald hinein und ich wich zwei Bäumen aus, bevor ich mich fallen ließ und verwandelte. Randall direkt hinter mir tat das gleiche. Blitzschnell flitzten wir, schwarz und weiß am Anfang, voraus und die anderen schlossen bald zu uns auf. Ray, als Wolf mit glänzendem dunkelbraunen Fell, Xander, der graue, direkt neben ihm und Louis, der dunkelgrau mit einem weißen Fleck auf der Brust war, ein kleines Stück vor ihnen. Aus Erfahrung wusste ich, dass Louis uns alle auf Langstrecke locker in die Tasche stecken konnte und auch so machte es ihm überhaupt keine Mühe, mit uns, die einen kleinen Vorsprung gehabt hatten, mitzuhalten. Nur aus Prinzip hielt er sich hinter uns Alphas. Ich genoss es, wieder mal in der Gruppe zu laufen, wenn der Wind durch mein Fell fuhr und wir über das kühle Moos des Waldbodens rannten. Wir hörten es rascheln im Gebüsch und kleinere Tiere verschwanden in ihren Tunneln und Bauten, sobald sie uns sahen. Mein Jagdtrieb erwachte, aber ich hielt ihn Xander zuliebe unter Kontrolle. Ray und Louis verschwanden dagegen mal kurzzeitig im Wald und schleppten irgendwelche kleinen Viecher an. Hasen oder Eichhörnchen oder sowas, ich sah nicht zu genau hin. Wenn ich jagte, dann jagte ich Großwild, zusammen mit dem Rudel. Das war wenigstens nützlich und lastete meine Instinkte für eine ganze Weile aus. Randall war da genauso wie ich. Nur Nate, unser herzallerliebster Alpha, jagte einfach alles, wenn er mal mit uns auf die Jagd ging, in einem dieser seltenen Fälle. Mike hatte schon einmal das Gesicht verzogen und mir unter vier Augen erzählt, dass er es bei diesem Anblick ebenfalls in Erwägung zog, Vegetarier zu werden. Manchmal fragte ich mich, wie Xander diesen Instinkt in Schach hielt. Er wirkte gerade eben einfach nur glücklich und schnupperte an einer Pflanze. Dann nieste er und ich grinste, soweit mir das als Wolf möglich war. Randall und ich setzten uns in einiger Entfernung auf den Waldboden und beobachteten die Wölfe beim Rumblödeln. Ich sah zu Randall und stupste ihn mit der Schnauze gegen die Schulter und er wandte mir den großen, schwarzen Kopf zu. "Denkst du, wir schaffen das alles?", fragte ich ihn leise und war froh, dass nur er mich hören konnte. Er stieß ein schweres Seufzen aus. "Ich hoffe es", antwortete er ebenfalls leicht bedrückt.
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Wolf Pack - Completely Insane
Manusia SerigalaEin Rudel Werwölfe zu beaufsichtigen ist in etwa so, als wäre man Kindergärtnerin, nur mit mehr Zähnen und Fell, versteht sich. Und als weibliche Alpha ist die ganze Sache noch schlimmer, vor allem wenn der Kerl, mit dem du dieses Chaos eigentlich f...
