Eine Stunde später befand ich mich im Büro und scheuchte Angestellte herum. Einige davon waren ebenfalls Werwesen, andere vollkommen normale Menschen. Nicht, dass die Menschen von uns wussten. "Ivy!", rief ich und meine Sekretärin kam angetrippelt. Sie war eine Werkatze, aber dieser ganze Hund-Katze-Konflikt war Gott sei Dank an uns abgeprallt, nachdem die ersten Unstimmigkeiten beseitigt waren. "Gib das bitte mal Mike, er soll mit New York telefonieren. Das kann doch nicht sein, dass diese Drecksbären uns einfach über den Tisch ziehen wollen." Ich knurrte ärgerlich. Immobilien waren immer eine heikle Sache, vor allem wenn es wie in diesem Fall um sichere Unterschlüpfe ging. Die Grizzlys verließen sich auf meine Verschwiegenheit, ich mich darauf, dass sie auch die vereinbarten Preise zahlten. Ich würde verflucht sein, wenn ich mich von diesen Kerlen bescheißen ließ.
In diesem Moment kam Jane angerannt,völlig außer Atem. "Dess! Randall hat gerade angerufen! Sein Rudel kommt schon dieses Wochenende! Irgendwelche Gerüchte sind da im Busch, aber er wollte am Telefon nicht drüber reden." Sie sah mich nervös an. "Verdammt", murmelte ich. "Und wir haben nicht einmal eine Couch."
Innerhalb von zwei Stunden hatte ich den Deal mit den Bären in der Tasche und flugs neue Möbel ausgesucht, die Kyle und Leroy im Laufe der Woche abholen würden. Neugierig lehnte ich mich nun bei Mike über die Schulter und starrte auf seinen PC. "Was machst du da?"
"Ich habe mich ins Pentagon gehackt", erwiderte dieser, ohne eine Miene zu verziehen oder aufzusehen. Verblüfft sah ich von ihm zum Bildschirm und wieder zurück. "Du kannst das?" Ein kurzes Nicken. Ich hatte ja gewusst, dass Mike ein kleines Computergenie war, aber das hätte ich auch wieder nicht vermutet."Und warum machst du das?" Er brummte. "Ich bin da gerade etwas auf der Spur. Frag mich nochmal in ein paar Tagen." Ich wippte auf den Fußballen hin und her. "Okay. Dann sag mir wenns was neues gibt. Und lass dich nicht erwischen. Nicht gerade auf einem Firmencomputer." Er winkte nur ab. "Die haben mich noch nie erwischt, keine Sorge." Ich blinzelte und zuckte die Schultern.
Nach einem relativ anstrengenden Arbeitstag als CEO einer so großen Firma war ich immer froh, wieder Zuhause zu sein. Die Firma gehörte unserem Rudel, und so arbeiteten die meisten auch darin, außer Riley und Nick, die gingen noch zur Schule, aber nicht mehr lange. Nate und ich teilten uns auch hier die Geschäfte. Er war die Vertretung nach außen, kümmerte sich um PR und die Beziehungen zu Kunden, ich wickelte die Aufträge ab und trat Investoren und Käufern in den Arsch, wenn irgendwas schief lief. Das funktionierte auch, sonderbarerweise. Nate konnte recht charmant sein, wenn er wollte. Wenn es um Geschäftliches ging.
In letzter Zeit bekam das Rudel dagegen seine miese Laune ab, die er hatte, seitdem ich mich von ihm getrennt hatte. Daran konnte auch Amber nichts ändern, und ich glaube, das ärgerte sie maßlos. Ich bog in die Einfahrt ein und ließ Mike, Jane und Emma aus dem Jeep aussteigen. Die anderen beiden Autos, ein Honda und ein Opel, waren noch nicht auf dem Parkplatz, das hieß die anderen waren noch nicht zurück. Ich entließ ein leises Seufzen. Ich vermisste meinen Chevy Impala fast so sehr, dass es schmerzte. Aber der war immer noch in der Werkstatt und wurde vermutlich planlos hin und her gereicht, da die Ersatzteile noch nicht geliefert worden waren.
Innen angekommen warf ich spontan alles von mir und wurde zum Wolf. Obwohl die Sonne noch hoch am Himmel stand und es höchstens sechs Uhr sein konnte, störte mich das herzlich wenig. Ich schüttelte mein weißes Fell und betrachtete gedankenverloren die Fische in unserem Teich. Ein wenig vermisste ich Nate schon. Er war mit fast einem Jahr meine bisher längste Beziehung gewesen, in meinen ganzen zwanzig Lebensjahren. Doch gegen Ende hatten wir uns nur noch gestritten, ich fühlte mich nur noch eingesperrt, unter seinen wachsamen Augen, die vor Eifersucht brannten. Es war mein Job, Dinge allein zu regeln und Leuten zuzuhören, egal ob auf der Arbeit oder im Rudel. Das war etwas, das er nie verstanden hatte. Ich hob die Schnauze in den Wind und schnupperte. Der Wald und seine Tiere riefen mich, und ich brauchte einfach mal ein wenig Zeit für mich selbst. Ich liebte mein Rudel über alles, sie waren trotz ihrer Ecken und Kanten meine Familie. Aber manchmal waren sie eben auch furchtbar anstrengend und eine einzige freie Minute war einfach nur kostbar. Also streunte ich ein wenig herum, jagte halbherzig einen Hasen und ließ ihn dann entkommen. Zugegebenermaßen leicht gelangweilt hockte ich mich bei einem Bachlauf ans Ufer und seufzte mein Wolfsseufzen. Ich lehnte mich vor, um einen Schluck zu trinken - und landete prompt im Wasser. Prustend tauchte ich auf und krallte mich in den Grund. Sonderlich tief war der Bach nicht, aber meine Füße waren so gut wie nicht mehr zu sehen. Klatschnass blickte ich den Wolf, der feixend am Ufer stand, bitterböse an. "Du!"
"Hi meine süße Alphawölfin. Heute schon wieder so ganz allein unterwegs?" Ich grollte missmutig und kletterte an Land. Provokativ stellte ich mich direkt vor Lucien und schüttelte ausgiebig mein Fell, bis der Wolf vor mir fast nasser war als ich. Ich hechelte zufrieden. "Okay, das habe ich vermutlich verdient", murmelte er und schüttelte sich seinerseits. "Hast du. Was tust du eigentlich noch hier?" Er vollführte die wölfische Version eines Schulterzuckens. "Ich sagte doch, dass ich noch bleiben werde. Du hast mich eben neugierig gemacht, auf die Gegend und die Leute." Ich schnaubte. "Jaaa. Aber sicher." Er lehnte sich vor und seine gelben Augen fixierten mich, während er an mir schnupperte. "Komm, lass uns als Menschen weiterreden. Ich bin in letzter Zeit zu viel Wolf gewesen." Verblüfft sah ich ihm dabei zu, wie er sich auf die Hinterpfoten stellte und verwandelte. Gott, diese Verwandlungen sahen jedes mal so schön aus. Wie sich das Fell wie magisch auflöste und zu Haut wurde, sich der ganze Körper streckte. Nach dem ersten Mal schmerzte sie kaum noch, obwohl sich deine Knochen komplett verschoben. Man gewöhnte sich einfach daran. Nach ein paar Sekunden stand ein Kerl vor mir, vielleicht in etwa in meinem Alter. Und Emma hatte Recht - er sah recht gut aus. Groß, schwarze Haare, dunkle Augen, glattrasiert und ein freches Grinsen auf den Lippen. Und ein Sixpack hatte er auch. Fuck. Und ich war sowas von auf Entzug. Ich blickte ihn nachdenklich an und er begab sich in die Hocke. Netter Hintern in der Jeans. Um seine Lippen lag ein leicht spöttischer wie auch amüsierter Zug und er tätschelte mir den Kopf wie einem Hund. "Jetzt bist du dran. Außer du hast Angst, mir dein Gesicht zu zeigen." Es lag eine deutliche Herausforderung in seiner Stimme. Also warf ich ihm einen letzten finsteren Blick zu und verwandelte mich zurück. Es dauerte nur Sekunden bis ich mich als Mensch in derselben Position wie er wiederfand, nur Zentimeter voneinander entfernt. "Zufrieden?", schoss ich zurück und funkelte ihn halbherzig an. Er grinste. "Große Klappe und hübsch dazu. Ja, ich bin zufrieden." Reflexartig verpasste ich ihm einen leichten Schubs, sodass er nach hinten klappte und auf der Wiese aufkam. So sah er auch nicht, dass ich rot wurde. Ich stand auf. "Große Klappe?", murmelte ich vor mich hin und schüttelte den Kopf. Ich hörte ihn laut lachen und setzte mich auf einen umgefallen Baumstamm. "Also, Kleiner, jetzt erzähl mir doch mal warum du wirklich hier bist und unsere Wälder heimsuchst." Ich sah ihn forschend an, aber sein Gesicht war ein einziges Pokerface. Bis auf das amüsierte Glitzern in seinen Augen. Diese Augen waren der Wahnsinn. So dunkelbraun, dass sie beinahe schwarz wirkten. Wahrscheinlich genauso schwarz wie seine Seele. "Ich sagte doch, ich bin nur auf der Durchreise." Ich lachte. "Und Schweine können fliegen. Genau." Er seufzte. "Du bist wirklich hartnäckig." Ich hob eine Braue. "Ich will nur sicher gehen, dass du kein psychopathischer Axtmörder bist." Belustigt legte er sich wieder in die Wiese. "Äxte sind nicht so mein Stil", scherzte er. "Macheten eher." Ich warf ihm einen finsteren Blick zu, ließ mich aber nicht beirren. "Seehr beruhigend. Komm, spucks aus, ich will wenigstens wissen wer sich in meinem Revier aufhält." Er legte den Kopf schief. "Wie kommts eigentlich, dass du und der Alpha keine Gefährten seid?", versuchte er erneut abzulenken. "Hör zu, wie wärs mit einem Deal? Du beantwortest eine Frage, und dann ich", schlug ich vor. Wenn wir es auf die Kindergarten-Tour machen mussten, gut, dann war es eben so. Abwartend blickte er mich an und zuckte dann die Schultern. "Welchem Rudel gehörst du an?", erkundigte ich mich als Erstes. "Keinem", gab er zurück. "Jedenfalls nicht mehr. Jetzt bin ich dran. Beantworte meine Frage." Ich verschränkte die Arme und kaute auf meiner Unterlippe herum. "Weil ich mich von Nate getrennt habe. Warum hast du dein Rudel verlassen?"
"Ich hab es nicht verlassen. Der Alpha hat mich rausgeworfen weil ich mit seinen falschen Anweisungen nicht konform gelaufen bin. Warum das?" Ich blinzelte. "Alphawölfe eben. Herrschsüchtige Arschlöcher. Und ich lasse mich nunmal nicht einsperren. Auch wenn es ein goldener Käfig ist, Käfig bleibt Käfig." Er nickte und ich hatte das Gefühl, dass er mich verstand. "Welches war dein Rudel?", hakte ich dann bei ihm nach. Er schwieg kurz, dann sagte er schnell: "Noahs Rudel." Ich schluckte. Das könnte sich noch als überaus nützlich erweisen, aber ihn zu bedrängen oder gar in unsere Pläne einzuweihen erschien mir zu gefährlich. "Du hast sicher gehört, dass er jemanden hat töten lassen." Er nickte und Wut blitzte kurz in seinen Augen auf. "Ja. Ich kannte den Jungen. Ziemlich große Klappe, aber normal. Nicht verrückt geworden. Ich bin kurze Zeit bevor das geschah aus dem Rudel raus, also weiß ich nichts genaueres. Aber dass ein gerade 18 gewordener Junge, der mich regelmäßig beim Poker abgezogen hat, innerhalb so kurzer Zeit zu einem abtrünnigen, irren Wolf werden kann, das glaube ich einfach nicht." Ich strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schlang meine Arme um meine Knie, sah ihn aus dieser Position nachdenklich an. "Okay. Ich glaube dir. Aber was für ein Motiv sollte Noah dann haben?" Er ließ seinen Blick wachsam umher wandern. "Macht, denke ich. Aber was er plant, frag mich nicht."
Ich spitzte die Ohren. Irgendwas war dort in den Wäldern. "Hörst du das auch?", fragte ich leise und spannte meinen Körper an. Ich bekam eine Gänsehaut. Die Luft schien zu vibrieren und ein seltsamer Geruch zog auf. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen dieses eindringliche Summen in der Sphäre war schwarze Magie... Was für ein Glück hatte ich denn nicht heute!
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Wolf Pack - Completely Insane
WerewolfEin Rudel Werwölfe zu beaufsichtigen ist in etwa so, als wäre man Kindergärtnerin, nur mit mehr Zähnen und Fell, versteht sich. Und als weibliche Alpha ist die ganze Sache noch schlimmer, vor allem wenn der Kerl, mit dem du dieses Chaos eigentlich f...
