Chapter 29

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Sie tippte sich mit einem langen Fingernagel an die volle rote Unterlippe. "Wer? Ach ja, du meinst wahrscheinlich deine kleinen Freunde. Diese hübsche Zicke und der Große, Unausstehliche. Tja die beiden - die sind anderweitig beschäftigt. Genießen die Aussicht im Keller, auf meine kleinen Babys. Da du wahrscheinlich meine draußen verfügbaren Monsterchen alle getötet hast, ist es nur gerecht, meinen neu Erschaffenen ein bisschen Futter zu überlassen, so als Entschädigung, meinst du nicht?" Sie grinste. "Du sadistisches Miststück!", fauchte ich wütend. Sie griff sich ans Herz und seufzte theatralisch. "Ich bin immer offen für Komplimente."
Plötzlich hörten wir ein lautes, dumpfes Knirschen und drehten uns alle drei um. "Was war das?", fragte Lucien beunruhigt und nun war es an mir, zu grinsen. "Vermutlich hat meinen Freunden die Inneneinrichtung eures Kellers nicht zugesagt." Kathrina fluchte und sprang auf. Ihr Stuhl kippte geräuschvoll nach hinten. Sie zeigte mit einem manikürten Finger auf mich und grollte: "Bring sie mir!"
Ich drehte ein Katana verspielt in der Hand. "Hast du die Eier dazu, mich zu töten, Baby? Oder versteckst du dich lieber weiter hinter deiner Alpha?" Lucien stürzte ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden los. Darauf hatte ich gehofft. Ich steckte die Katanas weg und nutzte den Schwung, den er in seinen Angriff gelegt hatte, um ihn zu packen und mir über die Schulter zu werfen. Mit einem lauten Krachen landete er in einem Bücherregal und es regnete harte Einbände von weltberühmten Bestsellern auf ihn herab. Ich lachte. "Sieht so aus, als wären es doch nur noch wir zwei, Kathy. Lass uns spielen." Sie kam um den Tisch herum und ihr siegessicheres Lächeln hatte scheinbar bereits Risse bekommen. "Alles muss man selbst erledigen. Gutes Personal ist heutzutage so schwierig zu finden, weißt du."
Ich verdrehte die Augen. "Ich weiß, Schätzchen. Deswegen habe ich Lucien ja auch gefeuert!" Ich warf blitzschnell ein Messer nach ihr, doch sie wich ihm geschickt aus. Mit einem Lächeln erhob sie eine Hand und der Tisch und alle anderen Einrichtungsgegenstände krachten gegen die Wände. Sie machte Platz, schuf uns eine Arena. Also war sie tatsächlich die Hexe, wie ich es mir gedacht hatte. "Bitte kein Feuer im Haus, so wie das Ding aussieht verfügt es nicht über eine Sprinkleranlage", meinte ich trocken und deutete auf die leicht maroden Wände. Sie schnaubte. "Die Magie ist meine Macht. Sie ist wie ein Handwerk zu erlernen, es erfordert viel Geduld und Nerven, Desiree."
"Na dann wärst du lieber mal beim Stricken geblieben, ich denke, das hätte besser zu dir gepasst", meinte ich bissig, während wir begannen, uns gegenseitig zu umkreisen. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich einen kleinen roten Stein, der um ihren Hals hing. "Wie kommt es eigentlich, dass du als Werwolf Magie einsetzten kannst?" Sie winkte abfällig ab. "Gute Gene, schätze ich. Meine Mutter war eine Hexe, mein Vater ein Werwolf." Ich hob eine Augenbraue. "Ist da noch irgendein Mistvieh in deinem Stammbaum, von dem ich wissen sollte? Ein transsilvanischer Vampir?" Kathrina schnalzte mit der Zunge. Eine nervige Angewohnheit, wenn ihr mich fragt. "Beleidige mich nicht. Mit solch einem Wesen teile ich keine Verwandtschaft. Lieber würde ich mich von der nächsten Klippe werfen."
"Das würde einigen von uns viele Probleme ersparen", konterte ich. "Aber dann hätte ich nicht mehr die Freude, dir ein Katana ins Herz zu rammen." Langsam zog ich meine Schwerter aus ihrer Halterung und beobachtete, wie sie im Licht der aufgehenden Sonne funkelten. Kathrina beäugte meine Lieblinge skeptisch. "Und diese zwei Zahnstocher? Hast du die aus einem Kaugummiautomaten oder was?", meinte sie spöttisch. Ich seufzte. "Tsss. Unwissenheit. Die gabs bei dem Chinesen meines Vertrauens im Sonderangebot. Es gab sogar noch ein Päckchen Sushirollen oben drauf."
Kathrina schien langsam der Geduldsfaden mit mir zu reißen. "Willst du noch weiter plaudern, oder kämpfen wir endlich?!"
"Oh, Verzeihung. Ich dachte, du musst dir noch das Näschen pudern oder sowas. Mein Fehler. Dann lass uns tanzen, Miststück." Und mit diesen Worten griff ich an.
Ich schwang meine Katanas elegant und ohne Hast. Kathrina wich meiner ersten Abfolge von Schlägen nur aus, dann ließ sie einen Blitz aus ihrer Handfläche hervor schießen. Ich duckte mich und er schlug in die Wand hinter mir ein, hinterließ dort ein großes, rauchendes Loch. "Mir tun die Handwerker Leid, die dieses Chaos beseitigen müssen", kommentierte ich dies und wich einem zweiten aus, indem ich los rannte, mich vom Boden abstieß und der Schwung trug mich ein gutes Stück horizontal an der Wand entlang, bis ich in einem Rückwärtssalto wieder sicher auf dem Boden aufkam. Nur eine Sekunde nach meiner Landung ließ ich mein rechtes Katana nach hinten schnellen, dorthin, wo ich die Hexe vermutete. Mein Schwert traf auf Fleisch und ich drehte mich um, keinen Augenblick zu früh, um mich zu Boden fallen zu lassen. Ein Blitz zischte nur haarscharf an meinem Gesicht vorbei. Kathrina hielt sich knurrend den rechten Arm, und Blut sickerte in ihr dunkles Kleid. Es war sowieso überheblich und dumm, ein Kleid zum Kampf anzuziehen. Ich meine ja nur. Sie zückte ein Messer und ging damit auf mich los. Überrascht kreuzte ich meine Katanas und wehrte es mit ihnen ab, stieß Kathrina mit dem Fuß zurück. Sie zog ein weiteres aus einer Falte ihres Kleides, noch während sie zurück taumelte. "Praktisch", überlegte ich, doch dann ließ sie eins der Messer plötzlich auf mich zu fliegen. Diesmal war ich zu langsam. Es streifte meine Hüfte und ich fluchte. Schmerz spürte ich nicht, dafür war ich viel zu vollgepumpt mit Adrenalin, aber es ärgerte mich. Ich spürte, wie die warme Flüssigkeit in den Stoff meines Oberteils einzog. "Das war mein Lieblingspulli, du Bitch!", knurrte ich und zog das Messer hinter mir aus der Wand, warf es nach ihr. Nur mit einem hastigen Sprung konnte sie sich noch zur Seite retten. Ich ging langsam auf sie zu, ich konnte den Schutt unter meinen Stiefeln knirschen hören. Schwer atmend stemmte sie sich auf beide Arme hoch und sah mir entgegen. Dann rappelte sie sich auf. Mit einem Schlag zog ich ihr das Katana über die Wange, und sie schrie auf vor Schmerz. Der Blitz, den sie loslassen wollte, verschwand wieder in ihren Händen. "Gib es zu, Kathrina. Du bist keine Kämpferin. Du versteckst dich lieber hinter deinen Lügen und Intrigen, und lässt andere für dich sterben."
"Du weißt gar nichts über mich!"
"Das, was ich weiß, reicht mir vollends."
Ich steckte die Katanas weg und packte Kathrina an der Kehle und knallte sie gegen die Wand. "Behalt deine manipulativen Worte für dich."

Nur eine Sekunde lang war ich unaufmerksam. Nur eine Sekunde lang konzentrierte ich mich auf Kathrina. Diese Sekunde reichte aus, damit Lucien mir eine Klinge an die Kehle drücken konnte. Scheiße, ging es mir durch den Kopf. Das wars jetzt mit mir. Arivederci amigos. "Lass sie los", verlangte Lucien beherrscht, und ich folgte seinen Anweisungen, langsam. Kathrina rang nach Luft und hielt sich den Hals. "Sieht so aus, als hättest du mich erwischt", seufzte ich mit einem leichten Lächeln. Er hielt mich dicht an sich gedrückt, und beim Schlucken spürte ich das kalte Metall, das sich ganz leicht in meine Haut grub. "Ja", erwiderte er beinahe sanft. Seine vorige Wut war anscheinend verraucht, und ich wusste nicht welche der beiden Alternativen mir lieber war.
Kathrina knurrte und krallte ihre Nägel in einen zerborstenen Schrank, ihre Augen wild und voller Hass. Sie sah aus, wie ich mir eine der Furien aus der griechischen Mythologie vorstellte. "Töte sie Lucien! Töte sie!", fauchte sie. Die Hand an dem Messer zitterte und ich spürte ein dünnes Rinnsaal Blut meine Kehle hinab laufen. Ich schloss die Augen. Als ich sie zu machte, sah ich keine Dunkelheit vor mir. Ich sah Randall vor mir, in all seinen Einzelheiten. Die dunklen Haare, die blauen Augen voller Schalk, hörte sein Lachen. All die verpassten Gelegenheiten, jedes Gespräch zog noch einmal an mir vorbei und ich atmete tief aus. Ich war bereit zu sterben.






Hallo meine kleinen Wölfchen! :3
Die Geschichte neigt sich langsam dem Ende zu. Nur noch wenige Kapitel verbleiben vorm Ende. Deswegen wollte ich euch schonmal danke sagen, danke für alles. Wolf Pack ist das erste Buch, das ich erfolgreich beendet habe, und ohne eure Hilfe und die meiner Freunde hätte ich es nie geschafft. Ich wünsche euch noch viel Spaß beim lesen :)

Lg, eure Nighthawk96

Wolf Pack - Completely InsaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt