Rechtzeitig, um die anderen zu empfangen und festzustellen, dass Randalls Rudel noch nicht das ganze Haus zerlegt hatte, kamen wir wieder am Haus an. Die Spannung, die sich mit dem Spaziergang etwas abgebaut hatte, stieg sofort wieder an als ich die Autos vorfahren sah. Als mein Rudel das Haus betrat, brach das pure Chaos aus. Viele fielen sich in die Arme, andere gingen sich aus dem Weg oder warfen sich böse Blicke zu. Im Wohnzimmer entstand eine kleine Gruppe, mittendrin Louis, Vice, Riley, Nick und Xander. Ich grinste. Da hatten sie sich wieder gefunden. Auch Ray wollte mitten hinein, aber Claire hielt ihn an einem Arm fest. Ich verdrehte die Augen, und als Leroy noch dazu kam, war das Gejohle perfekt. Alle bewunderten lachend und ihm auf die Schulter klopfend seinen grünen Irokesenhaarschnitt. Randall, der neben mir stand, grinste.
"Hübsche Farbe", raunte er mir zu und schlug dann mit Leroy ein, der auch kurz kam um ihn zu begrüßen und dann gleich wieder im Pulk verschwand. "Danke", meinte ich zufrieden.
Dann betraten Nate und Amber das Haus, und sofort legte sich die gute Stimmung etwas. Anscheinend hatte Nate mal wieder schlechte Laune, und Wölfe reagierten sehr empfindlich auf ihre Alphas. Er warf einen Blick durch den Raum und entdeckte Randall, sofort verfinsterte sich sein Blick weiter. "Tut mir Leid", murmelte ich. "Ich entschuldige mich lieber schon mal im Voraus für ihn." Danach kam Nate quer durch das Zimmer auf uns zu und wir spannten uns beide an. Keiner von uns traute Nate momentan weiter, als wir ihn werfen konnten. Bei genauerem Überlegen, nicht einmal so weit. Anscheinend hatte er seine Verletzungen schon recht gut weggesteckt, genauso wie Mike, der Nate mit wachsamem Blick folgte. Auch er schien zu wissen, dass etwas nicht stimmte. Knapp vor uns blieb er stehen, und es ärgerte mich, dass er größer war als ich und er auch auf uns herabzusehen schien. Randall dagegen war gleich auf mit ihm, aber er legte es selten auf Konfrontationen mit Nate an. Er nickte ihm knapp zu und mein Ex starrte nur zurück. "Ihr seid schon hier." Das war keine Frage. "Du weißt, ich hätte euch hier nicht einmal rein gelassen, wenn kein Rudelkrieg vor der Tür stehen würde." Randalls Kiefer verkrampfte sich sichtlich und ich funkelte ihn böse an. "Das ist nicht allein deine Entscheidung." Er drehte sich halb zu mir und ich sah eine schier grenzenlose Wut in seinen Augen aufblitzen und zuckte vor Schreck zurück. Das hatte ich bei ihm noch nie so extrem gesehen. "Zu dir komme ich nachher."
Was zur Hölle war hier los?
"Immer mit der Ruhe, Nate", mischte sich Mike ein, der sich auch endlich zu uns durchgedrängelt hatte. Scheinbar harmlos schob er sich ein Stück zwischen Nate und mich. "Scheint so, als wäre Amber mitten in dieses Chaos rein geraten...du solltest mal nach ihr sehen." Widerwillig wandte er seine Aufmerksamkeit von uns ab und suchte mit den Augen die Menge ab. Tatsächlich steckte Amber mitten zwischen den Kerlen fest und kam nicht zu uns durch. Ihr Gesichtsausdruck wechselte langsam aber sicher ins Verzweifelte. Nate stieß einen stummen Fluch aus und rauschte ab. Ich atmete erleichtert aus und zog Mike mit raus auf die Terrasse. Randall warf ich einen entschuldigenden Blick zu und ließ ihn zurück. "Danke", meinte ich draußen und musterte Mike. "Was ist los?" Er seufzte. "Du hast wieder mal scheiße gebaut." Ich blinzelte. "Wieso...?" Mit einer kurzen Handbewegung unterbrach er mich. "Nate hat erfahren, dass du was mit Lucien am Laufen hast. Er ist stinksauer. Es geht mich ja nichts an, was da zwischen euch beiden ist. Aber zur Hölle, ich hoffe du weißt, was du da tust." Er stützte sich halb an der Tür ab und ich wurde unter seinem eindringlichen Blick ganz klein. Scheiße. Ich wusste ja noch nicht mal selbst, was das mit Lucien und mir war, und jetzt sollte ich darüber mit Nate diskutieren? "Oh fuck", murmelte ich und musste mich erstmal setzen. "Wie...?"
Er zögerte. "Kyle scheint irgendein Kommentar herausgerutscht zu sein. Wir haben Nate durch das halbe Büro brüllen hören." Ich ließ den Kopf in die Hände fallen und stöhnte. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Jetzt wussten es auch noch alle? "Was soll ich denn jetzt machen?" Mike seufzte. "Naja, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du beendest es oder du kämpfst dafür. Wenn ich Nate so ansehe, kann ich dir gleich sagen, dass das nicht einfach wird." Ich nickte niedergeschlagen und er stupste mich aufmunternd an. "Aber hey, seit wann lässt du dir denn was von Nate und seinen Launen sagen? Mach einfach das, was du für richtig hälst." Ich stand auf und atmete einmal tief durch. "Danke."
Dann kam ich erhobenen Hauptes wieder ins Haus und endeckte da, dass sich ein Teil der Gruppe nach oben, ein anderer in die Küche verlagert hatte. Das Glück, Nate nicht im Wohnzimmer zu finden, blieb mir aber versagt. Also riss ich mich zusammen und ging direkt auf ihn zu. Amber stand neben ihm und sowohl Louis als auch Randall standen in der Nähe. Ich stemmte die Hände in die Hüften. "Also, was zur Hölle ist dir jetzt schon wieder über die Leber gelaufen?" Er drehte sich zu mir um und ich schwöre, wenn Blicke töten könnten, seiner hätte es getan. "Das fragst du noch ernsthaft? Mir geht deine ständige Rumhurerei auf die Nerven!" Mir klappte fast der Kiefer runter, aber ich ließ mir nichts anmerken. Wenn er Krieg wollte - den konnte er haben. "Was interessiert es dich, mit wem ich rumhure?", erwiderte ich zuckersüß. "Frage ich bei dir seit Neuestem danach?"
Ich sah, wie ihm langsam aber sicher seine Gesichtszüge entglitten. "Du wirst es noch bereuen, dich mit Lucien eingelassen zu haben." In seiner Stimme lag deutlich ein drohender Unterton und er packte mich am Oberarm. Sein Griff schmerzte. "Vielleicht. Aber das geht dich rein gar nichts an. Und jetzt lass mich los."
Wir starrten uns gegenseitig in Grund und Boden, keiner bewegte auch nur einen Muskel. Ich registrierte aus den Augenwinkeln, wie Randall sich anspannte, bereit, einzugreifen. Auch die anderen wurden spürbar nervös, doch schließlich entfernte Nate seine Hand großzügig von meinem Arm, langsam. Die Wut in seinem Blick ließ mich nicht los, und mir stellten sich sämtliche Nackenhärchen auf. Das war neu. "Das wirst du bereuen", wiederholte er ernst, drehte sich um und lief aus dem Raum. Die Anspannung verließ zusammen mit ihm den Raum. Amber war leichenblass im Gesicht geworden. "Warum tut er das?", fragte ich sie leise und sie warf einen unsicheren Blick in die Runde. Irgendetwas flackerte in ihren Augen auf, war aber sofort wieder verschwunden. "Keine Ahnung." Dann folgte sie ihm aus dem Raum.
Randall legte mir von hinten eine Hand auf die Schulter und drückte sie leicht. "Hör nicht auf ihn. Er ist eifersüchtig. Siehst du das nicht?" Ich schüttelte völlig durcheinander den Kopf. "Ich verstehe es einfach nicht. Warum kann er mich nicht einfach in Ruhe lassen?" Louis, der die ganze Zeit wortlos daneben gestanden hatte, brach sein Schweigen: "Weil er dich noch immer liebt."
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Wolf Pack - Completely Insane
WerewolfEin Rudel Werwölfe zu beaufsichtigen ist in etwa so, als wäre man Kindergärtnerin, nur mit mehr Zähnen und Fell, versteht sich. Und als weibliche Alpha ist die ganze Sache noch schlimmer, vor allem wenn der Kerl, mit dem du dieses Chaos eigentlich f...
