"Themawechsel. Emma, Leroy, stellt einen kleinen Erkundungstrupp zusammen und schaut mal in die Wälder, ob ihr etwas ungewöhnliches findet. Aber seid vorsichtig, okay?"
Ich blickte die beiden durchdringend an. Emma verdrehte die Augen, hell auf begeistert bei dem Gedanken zusammen mit Leroy unterwegs zu sein, seufzte dann aber resignierend. "Klar. Vielleicht fackelt die Hexe ja den Rest von Leroys Fell ab." Der eben genannte warf ihr einen bösen Blick zu. "Hoffentlich bleibt nur Asche von deinem übrig - grau ist es ja schon." Ich knurrte und zeigte mit dem Finger Richtung Tür. "Raus!" Leise vor sich hin zickend verschwanden die beiden nach draußen.
"Ich sehe schon, ihr habt euch alle ganz doll lieb", spottete Lucien und ich ließ mich zurück aufs Bett sinken. "Wenn du wüsstest", brummte ich zustimmend und sah zu ihm herüber. Was sollte ich jetzt mit Lucien machen? Ihn wieder in den Wald schicken? Als hätte er meine Gedanken gelesen - gruselige Vorstellung - erhob er sich und sah mich unsicher an. "Also, ich sollte dann mal gehen..."
"Wohin willst du?", fragte ich seufzend. "Zurück in die Wildnis?" Er zuckte die Schultern. "Ich komme schon klar." Zweifelnd musterte ich ihn. "Solange da eine Hexe draußen rumrennt? Vergiss es. Du schläfst auf der Couch, bis wir das geregelt haben." Er brummte, aber ich sah ihm an dass er über das Angebot nachdachte. Schließlich nickte er leicht missmutig. "Von mir aus." Ich versuchte es mir so im Bett bequem zu machen, dass ich meine Schulter am wenigsten belastete. "Kriegst du da keinen Ärger mit Nate?" Ich grinste reflexartig. "Ach, wenn der dich morgen früh am Frühstückstisch sieht wird das vielleicht ein kleiner Überraschungsmoment, aber damit komme ich schon klar." Er lächelte und seine dunklen Augen blitzten in purer Vorfreude.
Es war inzwischen mitten in der Nacht und ich schreckte aus einem seltsamen Traum auf. Schwer atmend setzte ich mich auf und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Verdammt. Wann hörte ich endlich auf, von meiner Zeit als einsamer Wolf zu träumen? Irgendwann würde ich noch verrückt werden. Es hatte eine Zeit gegeben, bevor es das Rudel gab. Bis ich siebzehn geworden war hatte ich nicht einmal gewusst, dass außer mir und meiner Familie noch andere Wölfe existierten, und dann waren sie alle nacheinander in mein Leben getreten. Zuerst war ich über Riley gestolpert, und der hatte wiederum Kontakt zu anderen Wölfen gehabt. So hatte ich auch Nate kennengelernt und das ganze Chaos hatte seinen Lauf genommen. Dennoch, manchmal träumte ich, wieder allein im Wald zu stehen und mich in einem Labyrinth zu verlieren. Meine Eltern hatten mir nicht helfen können, meine Mutter war nur ein Halbwolf und mein Vater ein Mensch. Es war eigentlich ein riesiger Zufall, dass ich war, wie ich war. Und die Familie meiner Mom war ohne Ausnahme entweder tot oder spurlos verschwunden. Seufzend stand ich auf und tapste barfuß durch mein dunkles Zimmer...und machte vor Schreck einen Satz in die Luft, als sich die Tür zum Bad ohne Vorwarnung öffnete. Plötzlich legte jemand einen Arm um mich und ich hörte eine spöttische Stimme: "Keine Panik, Dess, ich bins nur." Seine Hand um meine Hüfte war warm und ich seufzte. "Ja gerade deswegen bin ich erschrocken, du Idiot. Warum streunst du nachts durchs Haus, Lucien?" Ich sah durch den fahlen Mondschein, der durchs Zimmer drang gerade einmal seine Umrisse, aber ich hörte den amüsierten Unterton, als er schnurrte: "Ich war duschen." Fuck, fuck, fuck. Und wenn ich meiner eingeschränkten Sicht vertrauen konnte, hatte er sich nur ein Handtuch umgeschlungen. Mist, verdammter. Ich schnupperte. Ja, und er roch auch noch wirklich gut! Und es half auch nicht gerade, dass er nur ein paar Zentimeter von mir entfernt stand. "Okay", brachte ich gerade so hervor und versuchte mein Gehirn aus dem Leerlauf herauszuholen, indem es sich gerade befand. Er hob die Hand und fuhr mit den Fingerspitzen über meine Wange, federleicht, und verpasste mir damit eine Gänsehaut. Dann strich er mir eine Haarsträhne hinters Ohr. Inzwischen war er so nah gekommen, dass er mich hätte küssen können. "Du...solltest dich besser wieder hinlegen. Entschuldige, dass ich dich geweckt habe." Hört sich gut an, wenn er sich neben mich legt, wisperte es in meinem Kopf und ich versuchte sofort die verräterischen Stimmen zum Schweigen zu bringen. "Äh ja. Schlaf gut und so", stotterte ich und lief zurück zu meinem Bett, mich darauf zusammen rollend. Wie sollte ich jetzt bloß wieder ein Auge zu kriegen? Es raschelte im Dunkeln und die Couch knarzte. Dann herrschte Stille. Für einen Moment. "Hey, Dess?"
"Ja?"
"Danke." Ich lächelte. "Kein Problem." In dieser Sekunde hatte ich die Hoffnung, dass alles gut werden würde. Irgendwie. Irgendwann. Ich hatte ja keine Ahnung.
Der nächste Morgen gestaltete sich abenteuerlich. Inzwischen saßen wir zusammen am Tisch. Das ganze Rudel - und Lucien. Ich räusperte mich um die unangenehme Stille zu durchbrechen. "Ähm, ja. Will jemand ein geröstetes Eichhörnchen oder können wir wieder zur Tagesordnung übergehen?" Kyle grinste halbherzig. "Mir ist das Eichhörnchen lieber." Die allgemeine Stimmung war dezent im Arsch, da Nate wie ein Dreijähriger da saß und schmollte. Er starrte Löcher in die Luft, oder besser gesagt in Lucien. Nick rührte seinen Kakao um und sein Löffel gab die einzigen Geräusche im Raum von sich. Mike seufzte. "Man könnte meinen, jemand ist auf deinen Schwanz getreten, Nate. Jetzt zieh nicht so ein Gesicht." Nate grollte.
"Er lebt also noch, der liebe Herr Alpha", murmelte ich vor mich hin und trank einen Schluck Kaffee. Lucien lehnte sich in seinem Stuhl zurück. "Was ist eigentlich dein Problem?" Nate war so schnell aufgestanden, dass ein Mensch es mit bloßem Auge nicht hätte nachverfolgen können. "Was mein Problem ist? Du bist mein Problem!" Er baute sich vor Lucien auf und ich sah wie Amber die Augen verdrehte. Reflexartig warf ich eine Gabel nach Nate. Upps. Sie blieb direkt neben seinem Kopf in der Wand stecken. "Ihr hört jetzt sofort auf zu streiten!", herrschte ich ihn an. "Wir müssen heute arbeiten, also hört auf mich zu stressen." Ich stand auf, packte Lucien am Kragen und zerrte ihn aus dem Zimmer, bevor er sich wie der kratzbürstige kleine Junge, der er war, noch mal mit Nate bitchen konnte. "Hey!", beschwerte sich Lucien und ich zog ihn näher zu mir heran. "Aus! Ich weiß, Nate kann ein Arsch sein, aber ich sag dir nicht noch mal dass du dich da raushalten sollst." Er funkelte mich an. "Ich bin nunmal ehrlich."
"Das bricht dir eines Tages noch das Genick." Ich ließ ihn los. Das spöttische Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück. "Machst du dir jetzt etwa Sorgen um meine Gesundheit?" Irgendwann würde ich diesen vorwitzigenKerl unter die Erde bringen. Er machte mich ja jetzt schon wahnsinnig. Ich atmete einmal tief durch und schloss die Augen, um ihm nicht den Hals umzudrehen. "Arbeitest du momentan?" Er schüttelte den Kopf. "Ich war die ganze Zeit Wolf. Davor war ich im Rudelgeschäft, aber seitdem..." Ich erinnerte mich vage daran, dass Noahs Rudel etwas mit Gastronomie zu tun hatte, aber was genau, da war ich überfragt. "Okay. Nimms mir nicht übel, aber solange wir weg sind lass ich dich nicht allein im Haus. Hier." Ich warf ihm einen Schlüssel zu. "Im Wald steht eine Jagdhütte." Er schmunzelte. "Ich bin geschmeichelt, wie weit dein Vertrauen reicht."
"Geh, bevor ich es mir anders überlege", knurrte ich halbherzig und er lachte, als er aus der Tür trat. Er sah noch einmal zurück, bevor er ganz im Wald verschwand, und ich konnte seine Stimme nur wegen meiner Wolfssinne vernehmen. "Du siehst verdammt sexy aus, wenn du wütend bist." Sein Grinsen konnte ich aber von hier aus erkennen. Verdammt. Ich würde ihn definitiv früher oder später umbringen.
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Wolf Pack - Completely Insane
WerewolfEin Rudel Werwölfe zu beaufsichtigen ist in etwa so, als wäre man Kindergärtnerin, nur mit mehr Zähnen und Fell, versteht sich. Und als weibliche Alpha ist die ganze Sache noch schlimmer, vor allem wenn der Kerl, mit dem du dieses Chaos eigentlich f...
