"Ja, und nachdem er mich mit einem Feuerball beworfen hat habe ich ihn zum Kaffeklatsch eingeladen. Wir sind jetzt Freunde. Sag mal willst du mich verarschen, Junge?", konterte ich mit blitzenden Augen. War ja wiedermal klar, dass er nicht danach fragte, wie es mir ging, hauptsache er konnte den Obermacho-Alpha raushängen lassen. "Ich habe Dess gar nichts getan", erwiderte Lucien gelassen, und das brachte Nate nur noch mehr auf die Palme. Ich konnte beinahe sehen, wie sich das Testosteron im Raum verbreitete, wie kleine, elektrisch aufgeladene Blitze. "Das kann ich wohl noch selbst beurteilen!", grollte Nate zurück, weiterhin seinen selbst auserkorenen Gegner fixierend. "Hey, Jungs", merkte ich an, doch beide ignorierten mich. "Eine sehr unhöfliche Art und Weise, einen Gast zu begrüßen", gab Lucien unbeeindruckt zurück. Er wirkte beinahe gelangweilt, bis auf den wachsamen Ausdruck in seinen dunklen Augen. "Könnt ihr euren Schwanzvergleich nicht auch später austragen?" Wieder keine Reaktion. "Mein Haus, meine Regeln", knurrte Nate. Jetzt fehlte nur noch die Neandertalerkeule in seiner Hand. "Also genau genommen ist es mein Haus. Jungs?!" Lucien verschränkte die Arme. "Was willst du tun, mich rauswerfen?" Nate machte einen Schritt auf ihn zu, doch Lucien rührte sich keinen Millimeter. "Wenn es sein muss!", antwortete Nate verärgert. "ICH BLUTE!", schrie ich laut dazwischen. Dann kippte ich vom Sessel und wurde ohnmächtig. Verdammt. Heute war wirklich nicht mein Tag. Dabei hatte alles so gut angefangen.
"Sollen wir sie wecken?", hörte ich eine Stimme sagen. War das Emma? "Gute Idee. Wie wärs damit ihr eine zu scheuern?", schlug eine weitere vor. Das war Nate. "Oder Wasser über den Kopf? Das ginge auch", trug Lucien zu der Diskussion bei. Richtig liebevoll. Warum sah ich eigentlich nichts? Alles war schwarz um mich herum. Ich träumte wohl, schloss ich daraus. "Nein, das ist gemein!" Wieder Emma. "Und wie sonst? Soll ich sie wach küssen oder was?" Leroy?! Dieser Traum gefiel mir immer weniger. "Gut, wenn ihr es so wollt..." Ich schoss senkrecht aus meiner Ohnmacht hoch. "UNTERSTEH DICH!", schrie ich, erst halb wach, und zuckte unter der plötzlichen Erschütterung an meiner Schulter zusammen. Stöhnend ließ ich mich wieder zurück aufs Bett fallen. Wie zur Hölle war ich hierher gekommen? "So kriegt man sie also wach", grinste Lucien und ich hatte nicht die Energie, aufzustehen und ihm einen Arschtritt zu verpassen. "Halt die Klappe!" Vorsichtig tastete ich nach meiner Schulter und fühlte den weichen Verband unter meinen Fingerspitzen. Erleichtert seufzte ich auf. "Ich hab dich verbunden", teilte mir Emma mit, aber nicht ohne Lucien und Nate mit einem bösen Blick zu strafen. "Da die Herren der Schöpfung damit beschäftigt waren, sich gegenseitig anzuknurren. Kurzzeitig hatte ich schon befürchtet, sie würden gleich auf den Teppich pinkeln." Ich grinste breit. Und genau deswegen war Emma meine beste Freundin. "Danke, Süße. Hat Lucien euch inzwischen erklärt, was passiert ist?" Nate verschränkte störrisch die Arme und Lucien schnaubte. "Ich habe ihnen das von der Hexe mit der schwarzen Magie erzählt." Alle blickten mich erwartungsvoll an und ich nickte. "Ich habe keine Ahnung warum sie es auf uns abgesehen hatte, aber sie hat mit Pfeilen plus Silberspitzen nach uns geschossen. Entweder hat die gute Frau nur gehörig eine an der Klatsche oder sie wollte uns gezielt umbringen." Nate brummte. "Oder beides. Konntest du sie erkennen?" Ich schüttelte den Kopf. "Bin nicht nah genug ran gekommen, bevor mich der Feuerball erwischt hat. Lucien schon." Alle Augen im Raum richteten sich nun auf den Kerl, den ich im Wald aufgelesen hatte. Und dieser rutschte unbehaglich hin und her. "Viel habe ich nicht gesehen, als wir gerannt sind. Es war auf jeden Fall eine Frau, kleiner als ich, und dann war sie auch schon verschwunden." Er zuckte die Schultern. "Wow, das grenzt die Suche auch ungemein ein", kam der Seitenhieb von Nate. "Du hälst jetzt mal die Klappe!", fuhr ich ihn an. "Ich bin verletzt und bin gerade echt nicht in der Stimmung mir deine kleinen Zickereien anzuhören. Also entweder du hörst jetzt zu und gibst Ruhe oder du verschwindest!" Nate funkelte mich an. "Du warst doch diejenige, die draußen rumgestreunt ist und fremde Wölfe in unser Haus bringst!" Bevor ich etwas erwidern konnte, kam Amber durch die Tür in mein Zimmer. Na großartig. Die hatte mir jetzt gerade noch gefehlt. Doch sie überraschte mich. "Hört auf zu streiten! Ihr verhaltet euch fast so, als hätte euch jemand euer Lieblingsspielzeug weggenommen! Klärt das doch einfach, wenn ihr euch beide etwas beruhigt habt." Sie stemmte die Hände in die Hüften und ihr braunes Haar flog ihr um die Ohren wie ein kleiner Wirbelsturm. So gefiel mir die kleine Amber schon mal wesentlich besser. Ich mochte keine Menschen, die immer sinnbildlich den Schwanz einzogen. Dennoch war sie gerade irgendwie die Spielverderberin. Sie ging zu Nate, gab ihm einen Kuss auf die Wange und zog ihn aus dem Zimmer. Ich unterdrückte das Bedürfnis ihr wie eine Dreijährige die Zunge rauszustrecken, da fiel die Tür auch schon wieder ins Schloss.
"Ja", meinte die ebenso verblüffte Emma und starrte ihr hinterher. "Ich glaube, ich habe gerade ein Wunder beobachtet." Ich grinste, und Lucien wirkte verwirrt. Leroy...naja, der kriegte eh nie was mit. Dann sah sie zwischen Lucien und mir hin und her. "So. Und das ist jetzt also der mysteriöse schwarze Wolf von dem du uns erzählt hast, ja?" Sie unterzog ihn einer genauen Musterung, die mich dazu reizte, sie anzuknurren, doch ich ließ es sein. Ich war doch kein Teenie mehr. Reiß dich zusammen, schalt ich mich selbst verärgert. Leroy feixte. "Scheint so als wäre Nate extrem begeistert von deinem kleinen Fang hier." Lucien hustete. "An nervige Alphawölfe bin ich schon gewöhnt. Der Letzte hat mich nicht klein gekriegt und Nate wird es auch nicht tun." Ich verdrehte die Augen. Ein bisschen bewunderte ich seine Einstellung, auch wenn ich mir nicht sicher war ob es Mut oder Dummheit war, die ihn antrieb. Vermutlich etwas von beidem. Auch fragte ich mich, ob Lucien nicht insgeheim ein Alpha war, so wie er sich benahm. Aber warum zur Hölle führte er dann nicht schon längst sein eigenes Rudel, anstatt sich mit anderen Alphas anzulegen? Ja gut, Mike legte sich auch ab und zu mit Nate an, aber das war Rudelangelegenheit. Ab und zu brauchten Alphas nun mal jemanden, der sie in die Schranken wies. "Hör auf, dich mit Nate zu bitchen. Das ist mein Part", murrte ich. Lucien grinste. Irgendwie wirkte es überheblich. "Sag ihm lieber, er soll sich nicht mit mir anlegen." Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, doch er zuckte nur mit den Schultern. Ich sah, wie Leroy an seinen Lippen hing. Ich glaube, er wartete schon seit langem darauf, dass jemand außer mir und Mike Nate endlich mal Paroli bot. Die Sache mit Leroy und Nate war kompliziert - die beiden hatten sich noch die sonderlich leiden können, und seitdem er Emma betrogen hatte, war es noch schlimmer geworden. Obwohl sich Nate bis dahin nie für sie interessiert hatte - an diesem Tag hätte er Leroy beinahe aus dem Rudel geworfen. Nur durch mein beherztes Eingreifen war das verhindert worden. Ja, ich war auch sauer auf ihn gewesen, sicher, Emma war schließlich meine beste Freundin, aber das konnte ich nicht zulassen. Wir waren seine Familie. Und Familie verstößt nicht einfach jemanden, nur weil er einen Fehler gemacht hatte. Ich hatte an diesem Tag beschlossen Privat- und Rudelangelegenheiten strikt zu trennen. Außerdem war Leroy ein Freund, auch wenn er immer wieder Mist baute. Obwohl er ein Jahr jünger war als ich fühlte ich mich für ihn verantwortlich wie für einen kleinen Bruder.
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Wolf Pack - Completely Insane
WerewolfEin Rudel Werwölfe zu beaufsichtigen ist in etwa so, als wäre man Kindergärtnerin, nur mit mehr Zähnen und Fell, versteht sich. Und als weibliche Alpha ist die ganze Sache noch schlimmer, vor allem wenn der Kerl, mit dem du dieses Chaos eigentlich f...
