Chapter 26

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Zurück am Haus angelangt, verschaffte ich mir einen Überblick über die Situation. Langsam ging die Sonne unter und die Wölfe wurden unruhig. Ich rief noch einmal alle in die Runde und besprach die letzten Strategien, die Ray und ich uns überlegt hatten mit der Gruppe.
"Wir spalten das Rudel auf. Einige werden dafür zuständig sein, die Monsterwölfe anzulocken und lahmzulegen. Am besten diejenigen mit den Schusswaffen. Diese Viecher sind verdammt stark und wenn ihr euch auf einen Nahkampf mit ihnen einlassen müsst, habt ihr ein ernsthaftes Problem", erklärte ich und sah die nervösen Blicke, die ausgetauscht wurden. "Wir werden während des Kampfes versuchen Kathrina und Noah auszuschalten", redete ich unbeirrt weiter und deutete nacheinander auf Ray, Nate, Mike und Mina. "Warum sie?", fragte Joey verwirrt und ich schmunzelte. Mit Nick hatte ich das ganze bereits abgeklärt, er war zwar nicht begeistert dass eine seiner Schwestern mit in den Kampf zog, aber er hatte es dank logischer Argumente klaglos eingesehen. "Mein Kleiner, du bist zwar gut, aber Mina ist besser. Sie macht Kampfsport seitdem sie laufen kann. Du hast sie noch nie kämpfen sehen, ich schon." Ich zwinkerte der Brünetten zu. Ihre grünen Augen funkelten amüsiert. Die allgemeine Anspannung war spürbar, aber genauso machte sich langsam eine Stimmung der schrägen Vorfreude breit. Wir waren nun mal dennoch Wölfe, und das Jagen lag in unserer Natur. "Was den Rest des Rudels angeht - ihr haltet die anderen Wölfe in Schach. Meiner Meinung nach ist Kathrina diejenige, die die Flüche wirkt, ganz sicher können wir uns dabei aber nicht sein. Wenn wir sie und Noah besiegt haben, kommt ihr Rudel vielleicht wieder zu Verstand. Das hoffe ich jedenfalls. Deswegen - versucht sie nicht zu töten, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Und jetzt ruht euch noch ein wenig aus, ich rufe euch zusammen, wenn es los geht." Wir standen auf und die Rudel zerstreuten sich. Zurück blieben nur Ray und ich. Seufzend sah ich ihn an und er nickte ernst. "Das wird kein Zuckerschlecken. Vor allem da wir Randall nicht an unserer Seite haben. Er war einer unserer besten Kämpfer." Ich fuhr mir durch die Haare. "Ist. Ist wolltest du sagen." Er schwieg und ich suchte seinen Blick. Seine Augen waren überschattet von den Ereignissen des vergangenen Tages, das eine braun, das andere blau, und er wirkte müde.
"Denkst du, dass er es schaffen wird?" Er schaute nachdenklich Richtung
Wald. "Ich bin kein Heiler, Dess. Vielleicht hat er Glück. Ich hoffe es." Ich biss mir auf die Lippe. Er musste einfach. "Das morgen, das wird ein harter Kampf. Wir können es schaffen, aber nur wenn wir zusammen halten und eins nach dem anderen tun."
"Ich weiß", murmelte ich. Der Gedanke Randall zu verlieren...das würde mich zerfetzen. Und dann könnte ich kein Rudel mehr führen. Für den Moment musste das warten.

Die Nacht rückte immer weiter voran und ich bekam kein Auge zu. Die meisten von den anderen hatten beschlossen, noch etwas zu schlafen, sie würden ihre Kräfte noch brauchen. Ich hatte währenddessen ein paar Dinge erledigt - wie in der Firma anzurufen und unsere Abwesenheit für die nächsten Tage zu vermerken. Wenn das hier alles vorbei war, würde ich meiner Sekretärin einen Schnaps ausgeben, dafür dass sie so akurat hinter uns her räumte und den Betrieb am Laufen hielt. Außerdem hatte ich noch einmal nach Randall gesehen - es ging ihm nicht besser, schlechter aber auch nicht. Emma tat alles, was sie konnte. Jetzt saß ich allein in der Dunkelheit und wartete. Ich lauschte den Geräuschen der Nacht und versuchte mich zu sammeln. Ich hatte das Gefühl es war stiller als sonst, aber da konnte ich mir auch was einbilden. Ich spürte, dass es langsam Zeit wurde. Ich hatte mich schon umgezogen, dunkle Klamotten, die bequem waren und in denen ich mich uneingeschränkt bewegen konnte und Springerstiefel. Eigentlich ein Ding für Menschen, möchte man meinen - aber sie erfüllten ihren Zweck, und ich hatte so die Vermutung, dass ich heute noch ziemlich vielen Großmäulern in den Arsch treten würde. Ich konnte mich für das rächen, was sie Randall angetan hatten. Und ich würde es tun. Ich war zwar eigentlichein gutmütiger Mensch, aber zu viel war zu viel. Ich band mir meine blonden Haare zu einem Zopf und sah hinauf zum Mond. Der Wolf in mir zerrte an meinem Körper; ein paar Tage noch und es würde Vollmond sein. Ich hoffte nur, wir taten hier das Richtige. Obwohl mein Inneres kämpfte und jaulte, ich konnte nicht zulassen, dass wir uns verwandelten, so sehr es auch meinem Instinkt wiedersprach. Wölfe können keine Waffen gebrauchen. Menschen schon. Und wenn wir Wolf gegen Wolf kämpfen würden, hätten wir keine verdammte Chance gegen Kathrinas Rudel. Nicht mit Monsterwölfen und Magie auf der anderen Seite. Sie spielten unfair - also mussten wir es auch tun. Damit rechnete dieses Miststück garantiert nicht, und das war momentan unsere einzige Chance. Zusammen mit dem Überraschungseffekt, sollte das funktionieren.
"Wir brechen auf!", rief ich ins Haus und legte mir meine Waffen an. Katanas, Pistolen, Messer. Das würde noch etwas werden. Ich hoffte einfach mal, dass sie sich nicht gegenseitig über den Haufen schossen und umbrachten. Nach und nach gesellte sich das komplette Rudel zu mir. Emma hatte im Haus die Kontrolle übernommen und begann noch während unserer Vorbereitungen damit, Wachen an den Türen zu positionieren. Ich lächelte leicht. Sie würde gut auf Randall und die anderen aufpassen. Ich warf einen Blick in die Runde - alle hatten ihre Waffen angelegt oder verstaut und ich nickte zufrieden. "Verhaltet euch so leise wie möglich, wenn wir Glück haben bemerken sie uns nicht bis es zu spät ist. Aber passt auf die Viecher auf, sobald wir im Wald sind. Wenn ihr etwas hört, was euch verdächtig vor kommt, sagt uns Bescheid." Wir verabschiedeten uns von den anderen und liefen aus dem Haus. Ich teilte wieder mal alle in Viererteams ein, wir würden uns parallel zueinander bewegen, und etwas versetzt, sonst würde eine große Gruppe wie unsere sofort auffallen. "Los gehts", meinte ich und ein leicht irres Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit. "Auf zur Grenze, it's showtime, Leute. Lasst uns diesen Pennern den Arsch aufreißen."

Wolf Pack - Completely InsaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt