Chapter 13

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Ich saß am Küchentisch und stützte den Kopf in die Hände. Leise aufseufzend dachte ich über die vergangenen Ereignisse nach und hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Ja, auch Alphas ging das manchmal so. Sollte ich Kathrinas Rudel angreifen oder darauf warten, dass sie zu uns kamen? Aber ich hatte keine Lust mehr auf diese zufälligen 'Überraschungen', die uns zur Zeit im Wald erwarteten. Ich wollte nicht mehr, dass noch mehr Mitglieder meiner Meute verletzt wurden, aber da kam ich wahrscheinlich nicht drum herum. Man, war das eine scheiß Situation. Und was sollte ich mit Lucien anstellen? Dieser Kerl brachte mich noch ins Irrenhaus. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er gewaltig eine an der Waffel hatte und ich vertraute ihm auch nicht vollständig. Dennoch konnte ich ihn gut leiden und es fühlte sich schön an Zeit mit ihm zu verbringen. Ich hatte das erste Mal das Gefühl, nicht für alles verantwortlich zu sein wenn ich mit ihm zusammen war. Das machte mir auch ein wenig Angst, wenn ich ehrlich war. Es war neu für mich. Und die Begeisterung für Lucien in der Gruppe hielt sich ja auch in Grenzen. Ich seufzte noch einmal auf und sprang beinahe senkrecht in die Luft, als mich Kyle plötzlich ansprach. "Hey. Alles klar mit dir?" Ich starrte ihn böse an. "Musst du dich so anschleichen?" Er zuckte mit den Schultern und grinste halb. "Komm mit. Du rauchst jetzt mit mir eine und kommst mal ein bisschen von deinem Trip runter. Ich seh doch, dass du gerade wieder innerlich die Krise kriegst." Ich nickte leicht resignierend und stand auf.
Wir stellten uns raus auf die Terrasse und mein Feuerzeug klickte laut in der Stille, als ich mir meine Zigarette anzündete. Irgendwie hatten sich heute alle verzogen. "Sieh mal. Morgen kommt Randall mit seinem Rudel. Dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Wir sind nicht allein in diesem Kampf." Ich inhalierte den Rauch, schloss die Augen und stieß eine kleine weiße Wolke in die frische Luft aus. "Ich habe übrigens heute früh Luke aus Kathrinas Rudel kontaktiert", ließ er so nebenbei fallen und ich schoss hoch."Und?"
"Er hatte absolut keinen blassen Schimmer, wovon ich rede. Entweder er ist ein sehr guter Lügner, Kathleen und Noah sind es oder sie manipulieren ihre Meute irgendwie." Wir sahen uns an. "Was hat es nur mit dieser Hexe auf sich?", grübelte ich und begann damit, im Kreis zu laufen. Eine dumme Angewohnheit, immer dann, wenn ich besonders nervös war. Kyle zögerte und strich sich das blonde Haar aus der Stirn. "Hast du schon mal daran gedacht, dass Kathrina und diese Hexe ein und dieselbe Person sein könnten?" Ich blinzelte perplex, aber er sprach schon weiter. "Ich meine, denk mal nach. Wir wissen nichts über sie, über ihre Eltern und Vergangenheit. Sie tauchte einfach auf, Noah warf alle seine Prinzipien über Bord und alle lagen ihr zu Füßen. Vielleicht ist sie halb Wolf, halb Hexe. Jedenfalls kommt mir diese ganze Sache echt merkwürdig vor." Langsam nickte ich. Wo er Recht hatte, hatte er Recht. Aber das würde die ganze Sache nicht einfacher machen. Mussten wir letztendlich gegen ein Rudel unschuldiger, verhexter Werwölfe kämpfen, die keine Ahnung hatten, was mit ihnen geschah? Die Vorstellung war grässlich. Ich nahm noch einen intensiven Zug von der Kippe. "Möglich." Ich musste Nachforschungen anstellen. Und ich kannte genau den Richtigen, den ich etwas ausquetschen konnte, Gefühle und Co hin oder her. Ich musste zu Lucien.

Ich rang mit mir selbst, als ich vor der Tür der Jagdhütte angekommen war. Die alten Bretter knarzten unter meinen Schritten, deshalb war ich mir sicher, dass Lucien meine Ankunft bereits bemerkt hatte. Dennoch klopfte ich und wartete. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis die Tür geöffnet wurde und mich zwei dunkelbraune, im Schatten liegende Augen anblickten. "Dess", begrüßte er mich, halb überrascht und verwirrt. "Was machst du denn hier?" Kurz die Augen rollend schob ich mich an ihm vorbei. Bloß nicht darauf achten, dass er mir nur in Jeans die Tür geöffnet hatte. Mist. "Da du heute früh verschwunden warst, als ich wieder gekommen bin, musste ich eben zu dir kommen." Er grinste schief und ich stöhnte innerlich auf. Gut, das war jetzt falsch rüber gekommen. "Es gab einen Angriff", schob ich schnell hinterher und seine Miene verfinsterte sich sichtbar. Also gab ich ihm eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse. "Verdammt. Ich dachte nicht, dass Kathrina so weit gehen würde", murmelte er abwesend. "Und auf deine Frage hin, nein, ich habe keine Ahnung, ob sie eine halbe Hexe ist. Aber würde man sowas nicht mitkriegen?" Ich zuckte die Schultern. Ich hatte absolut keine Ahnung von Hexen, da ich bisher noch nicht viel mit ihnen zu tun gehabt hatte. Denn eigentlich ging jede Art ihrer eigenen Wege, unsere kreuzten sich selten. Lucien räusperte sich. "Anderes Thema. Wegen heute Nacht..." Ich wich seinem Blick aus und strich mit den Fingerspitzen über das Sofa. "Ist nicht so wichtig. Ich erinnere mich sowieso an so gut wie nichts." Ich wollte nicht, dass er dachte, dass ich ab jetzt wie eine Klette an ihm hängen würde. Ich wollte nicht so sein wie Amber. Luciens Blick war unergründlich, und dann kam er auf mich zu. Sanft hob er eine Hand, strich mir über die Wange und drehte dann mein Kinn in seine Richtung. Ich fand es angenehm, dass er so groß wie ich war und ich mich mit ihm auf Augenhöhe befand. In jeglicher Hinsicht. Der Ausdruck in seinen Augen wurde weich. "Ich aber schon." Mein Herz pochte nervös in meiner Brust und ich schluckte. Langsam beugte er sich vor, bis sich unsere Lippen streiften. Er zog mich näher zu sich und küsste mich richtig. Ich verschränkte die Arme hinter seinem Nacken und ließ mich einfach fallen. In diesem einen Moment war mir alles egal, alle Probleme, alle Streitereien. Nach einer Zeit, die mir viel zu kurz vorkam, lösten wir uns voneinander. "Hast du geraucht?", flüsterte er grinsend an meinen Mund und ich brummte zustimmend. "Du kleine Rebellin", zog er mich auf, die Hände immer noch um meine Taille geschlungen. Ich lachte leise auf und er legte seine Stirn an meine. Seine Gegenwart hatte mehr geholfen als die Kippe. Er war wie ein Ruhepol in mitten des Chaos.

Ein Klopfen holte uns aus unserer Zweisamkeit und hastig fuhren wir auseinander und Lucien rief zögerlich: "Herein?" Durch die Tür kam ein grüner Iro. Leroy. Anscheinend hatten sich die beiden angefreundet. "Hi, Leute." Er schloss schwungvoll die Tür, offensichtlich in guter Laune. Ich seufzte. "Störe ich?", rief er fröhlich. "Nein, nein", meinte ich und warf Lucien noch einen Blick zu, der mehr sagte als ich zugeben wollte. "Ich wollte sowieso gerade gehen." Er lächelte mich an und ich zuckte die Schultern, zwinkerte ihm aber zu. Dann verließ ich die Hütte, so ruhig wie schon lange nicht mehr. Ich würde bei Lucien aufpassen müssen. Es passierte viel zu leicht, dass man sich verliebte. Und dann fiel man tief...

Als ich wieder daheim war, kapierte ich auch endlich, warum es im Haus so still war. Alle, außer den Verletzten, Kyle, Leroy und mir waren auf die Arbeit verschwunden. Arbeit. So ein verdammter Mist. Das hatte ich in dem ganzen Chaos total vergessen. Gott sei dank war Jane so geistesgegenwärtig gewesen, uns krank zu melden. Ich hätte sie knuddeln können. Dennoch schaute ich mal kurz vorbei, nur um sicher zu gehen, dass dort nicht alles den Bach runter ging, während meiner Abwesenheit. Aus einer geplanten Stunde wurden fünf und als ich endlich daheim war, war ich todmüde und ließ mich beinahe sofort aufs Bett fallen. Die nächsten Tage würden noch anstrengend genug werden. Denn morgen kam Randall mit seinem Rudel.











Hi ;)
Wollte mich an dieser Stelle mal für alle Reads und Votes bedanken, die ihr da gelassen habt! Freut mich echt und ich finde es toll, dass ihr immer noch dabei seid und lest ;) Auch danke an mein eigenes 'Pack' Zuhause^^ Hab euch lieb :*
Aso, und kurze Anmerkung: Die ersten zwei Kapitel von 'Dämonen der Vergangenheit', meinem neuen/alten Projekt sind online. Wär lieb von euch wenn ihr mal reinschaut, ist zwar n anderes Genre, aber vllt gefällts euch ja ;)
LG, eure Nighthawk96 :*

Wolf Pack - Completely InsaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt