Möchtest du vielleicht meine Freundin sein?
Mann, mir zitterten vielleicht die Knie, das kann ich euch sagen!
Eine Million Mal, wenn das überhaupt reichte, hatte ich in meinem Kopf durchdacht, wie ich es anstellen sollte. So wie ich immer alles durchdachte und niemals etwas spontan tat.
Wie auch?
Ich war Schulsprecher und konnte es mir nicht erlauben, Dinge schleifen zu lassen oder aus dem Bauch heraus zu entscheiden.
Aber ich sage euch, ich hätte lieber die Verantwortung für das Wohl der 500 Schüler der Amoris High gehabt als das zu tun, was sich den ganzen Tag schon in meinem Kopf festgesetzt hatte...
Aber ich wollte es!
Ich wollte sie! Schon seit einem Jahr.
Ich hatte meine Assistentin Melody, die seit der 7. in mich verknallt war, für sie abgeschossen und wahrscheinlich auch ziemlich verletzt. Ich konnte sehr kalt und berechnend sein. Zumindest dachte ich das oft von mir.
Gefühlskalt. Das hatte mein Vater gesagt.
Aber das war ich nicht! Ich war ehrgeizig, aber ich wusste, was es hieß, in jemanden verliebt zu sein.
Und auch wenn ich sonst der souveräne, inoffizielle König der Schule war (Ja, ich hatte das Sagen!), fiel es mir schwer, zu meinen Gefühlen zu stehen.
Vor ihr!
Dabei waren wir echt gut befreundet, seit sie an die Schule kam. Das war auch in der 7. Klasse.
Sie mochte mich, wo alle mich noch für einen streberhaften Loser hielten und verbrachte ihre Pausen mit mir. Wir tauschten unsere Pausenbrote miteinander und erzählten über alles und nichts.
Sie war das Mädchen, das ich mochte, als ich Mädchen noch doof fand. Bei meiner Schwester war es ein Wunder, dass ich noch kein Trauma davongetragen hatte.Ich saß in meinem Zimmerchen und machte die Ablage, die am vergangenen Tag liegengeblieben war, als die Tür aufging.
Ich dachte, es wäre Melody und achtete nicht weiter drauf, als mir die Augen zugehalten wurden.
„Rate..." lachte sie.
„Suki?"
Ich drehte mich um und sah in ihr hübsches Gesicht mit den strahlenden Augen. Meine helle Haut schien einmal mehr das Bedürfnis zu haben, mich in Verlegenheit zu bringen, denn ich spürte die Hitze in meinen Wangen.
„Brauchst du noch lange oder können wir gehen??"
„Äh... gehen? Wohin?"
Suki stemmte die Hände in die Hüften.
„Nathaniel Fürst! Hast du mich vergessen? Wir wollten heute auf den Rummel gehen. Du hast versprochen, mit mir Karussel zu fahren und in die Geisterbahn zu gehen und so!"
Siedendheiß fiel es mir wieder ein.
Wie hatte ich das vergessen können? Ich konnte deswegen vor Aufregung die halbe Nacht nicht schlafen!
Vielleicht war ich deswegen so gut in meinem Amt als Schulsprecher. Wenn ich eine Aufgabe hatte, konzentrierte ich mich auf nichts anderes.
„Oh... das... das hab ich echt vergessen. Tut mir leid. Ich bin sofort fertig."
Ich schmiss die restlichen Papiere in meinen Schreibtisch, den ich abschloss und stellte den Ordner zurück ins Regal.
„So. Wir können. Ich muss aber noch mal zuhause ran, meine Geldbörse holen, sonst wird es nichts, dass wir zusammen fahren."
Sie lächelte mich an und meine Knie wurden schwach.
Gott, warum war sie so... so toll?
Mein Kopf schrie mich an, dass ich sie jetzt einfach fragen sollte, doch meine Lippen blieben verschlossen.
Was, wenn sie mich auslachte?
Wenn sie sagte, sie mochte mich, aber mehr wie einen Bruder? Oder schlimmer noch, wie einen schwulen Freund?
Oh Gott!
Also hielt ich die Klappe, meine Kopfstimme lachte mich aus und mein Magen kribbelte vor den ganzen Schmetterlingen, die ich nicht rausließ.Eine Viertelstunde später kamen wir bei meinem Zuhause an. Sie wollte draußen warten und die letzten Sonnenstrahlen des sterbenden Sommers genießen, während ich die Treppen hocheilte, um mich umzuziehen und mein Geld zu holen.
„Na, Schwachmat? Worüber freust du dich denn so?"
Meine Schwester Amber lümmelte sich auf dem Sofa und war unverschämt wie immer.
„Geht dich gar nichts an."
„Oh, du hängst mit dieser Suki-Tussi ab, oder? Die, in die du verknallt bist und zu dessen Gesicht du dir jede Nacht im Bett einen runterholst?!"
Ich wurde wütend und war sauer, weil meine Wangen schon wieder rot wurden.
„Bah, halt dein dreckiges Mundwerk!"
Amber lachte.
„Volltreffer, hm? Taschenbillard ist nicht gesund, Brüderchen!"
Ich beschloss, nicht weiter auf diese Indiskretionen einzugehen und verschwand in meinem Zimmer.
Als ob ich... Suki für sowas benutzen würde...
Ich legte meine übliche Kleidung für die Schule ab und zog mir ein T-Shirt über den Kopf.
Mit meinem Portemonnaie und einer Wasserflasche in meiner Umhängetasche kam ich wieder durch den Flur und hörte Amber laute und abartige Knutschgeräusche machen. Und über ihr theatralisches Rumkeuchen wollte ich gar nicht weiter nachdenken.
Dachte sie, das wäre komisch? Oder gar erotisch? Wenn sie sich so im wahren Leben im Bett anhörte, würde sie jeden Kerl damit verschrecken! Es war gespenstisch. Eher als würde sie spuken.
„Viel Spaß, kleine Jungfrau."
„Fass dir an deine eigene Nase!"
Ich fragte mich, wie Amber darauf kam, dass ich keine Erfahrung hatte. Nur weil ich noch nie eine Freundin mit nach Hause gebracht hatte, hieß das nicht, dass ich nicht dem einen oder anderen Mädchen bereits nähergekommen war.
Von uns beiden war sie die Jungfrau. Aber weil sie nicht wahrhaben wollte, dass kein vernünftiger Typ – oder ihr Schwarm Castiel – sie haben wollte, ritt sie auf Tatsachen herum, die auf mich schon gar nicht mehr zutrafen.
„Na, startklar?"
Ich nickte und zusammen machten wir uns auf den nicht weit entfernten Festplatz.
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Kleine Worte [AS]
FanfictionEine Sammlung von Oneshots zu diversen Charakteren aus Sweet Amoris (Vieles davon sind Auftragsarbeiten zu diversen Genres - Romantik, Drama, Science Fiction, School Life etc. - Wenn ihr auch einen Oneshot von mir wollt ---> SCHAUT INS ERSTE KAP...