Clays PoV
Wir standen vor der Haustüre der Besleys und warteten darauf, dass sie uns öffneten. Ich verspürte Unruhe in mir, doch das die gesamte Woche schon. Mir war bewusst, dass ich mich auf Distanz gehalten hatte, doch nicht um ihn zu verletzen, sondern um mir über ein paar Sachen klarer zu werden. Es war offensichtlich, dass sich in, nach und doch auch schon davor etwas zwischen uns verändert hatte. Ich musste mir klar darüber werden, was er für mich war und was ich wollte.
Ich hatte nicht damit gerechnet ihn heute Morgen beim Training anzutreffen, normalerweise brachte Nils Bruder ihn. Natürlich hatte ich sofort diese Anspannung und die Tausende von Fragezeichen in seinem Gesicht erkannt, doch dort konnte ich mit ihm nicht darüber sprechen. Er hatte es vielleicht nicht bemerkt, doch wir waren nicht die einzigen im Büro. Um die Ecke saß nämlich ein weiterer Trainer, den man auf Anhieb nicht sofort sah.
Definitiv hatte ich heute vor, mit ihm darüber zu sprechen, länger konnte und wollte ich auch nicht mehr warten. George war etwas...sensibel. Ich konnte mir vorstellen, wie sehr es ihn wirklich traf, von mir danach nichts mehr gehört zu haben. Auch wenn er versuchte es sich nicht unbedingt anmerken zu lassen war es deutlich sichtbar.
Womöglich war es auch falsch von mir sich gar nicht zu melden, doch es war nötig. George und ich kannten uns von Geburt an und hatten dennoch nie ein richtiges Verhältnis zueinander, geschweige ein gutes und nun fühlte es sich wie eine 360 Grad Drehung an. Gefühle kamen ins Spiel, von denen keiner von uns je mit gerechnet beziehungsweise überhaupt für möglich gehalten hätte. Gefühle mit denen ich mich erst wirklich auseinandersetzen musste.
Georges Mutter öffnete uns die Türe und empfang uns wie sonst auch mit einem sanften Lächeln im Gesicht. Sie bat uns rein und sagte, dass das Essen soeben fertig geworden war und wir uns schon hinsetzen konnten. Nachdem wir uns hingesetzt hatten, sagte sie, dass sie George holen gehen würde, doch sie kam nach mehreren Minuten alleine wieder herunter, ihr Lächeln war auch verschwunden.
,,Alles in Ordnung?'' fragte meine Mutter sie.
,,George geht es heute wohl nicht so gut. Seit er nach Hause gekommen ist, liegt er schon nur im Bett und spricht kein Wort'' erzählte sie. Ich wusste genau woran das lag und das zu hören ließ mich wirklich schlecht fühlen. Es war meine Schuld, dass er sich so schlecht fühlte. Vermutlich dachte er, dass ich mit ihm nur gespielt hatte. Dass die Nacht oder er mir nichts bedeuten würden.
,,Dürfte ich vielleicht versuchen, mit ihm zu sprechen?'' wandte ich ein, woraufhin ich verwunderte Blicke zugeworfen bekam. Ich stand auf und lief zu ihm nach oben. Ich klopfte an, doch es kam keine Reaktion, daher öffnete ich langsam die Türe und lief hinein. Er hatte sich wortwörtlich unter der Decke verkrochen und dieser Anblick ließ mich ein Stechen im Herzen spüren.
Neben ihm auf der Bettkante nahm ich Platz und legte sanft meine Hand über ihn.
,,George'' sagte ich seinen Namen. Langsam drehte er sich um, schlüpfte mit dem Kopf unter der Decke hervor und schaute mich mit großen Augen an. Ich widmete ihm ein sanftes Lächeln, doch es schien nicht viel zu bewirken. Plötzlich fielen mir seine glasigen Augen auf, hatte er geweint? Ruckartig verschwand mein Lächeln.
Ich atmete tief aus und senkte meinen Blick.
,,Es tut mir leid'' begann ich.
,,Der Abstand hatte nichts mit dir zu tun. Ich brauchte einfach meine Zeit, um mir klarer über die Sache...uns...zu werden. Ich wollte dir nicht das Gefühl geben, als wärst du mir nichts Wert'' versuchte ich mich zu erklären. Er richtete sich auf, doch schaute mich nicht an, sondern auf seine Hände, mit denen er nervös umher spielte, ehe er sie vor sein Gesicht hielt und anfing zu schluchzen.
,,George...'' entfuhr mir erneut sein Name, doch besorgter als zuvor. Ich zog ihn in eine Umarmung und versuchte ihn zu beruhigen. Er war aufgewühlter, als ich es angenommen hatte und ihn so zu sehen, selbst nachdem ich ihn aufgeklärt hatte, sagte mir mehr als er es womöglich sagen konnte. Mein Herz fühlte sich so an, als würde es jeden Augenblick zerreißen. Die Tatsache, dass der Anblick eines anderen Menschen mich so fühlen lassen konnte, war ebenfalls neu für mich, doch er war auch nicht irgendjemand.
Meine Hände umfassten sein Gesicht. Ich wollte, dass er mich ansah. Mit meinem Daumen wischte ich ihm die Tränen von der Wange, ehe ich sanft meine Lippen auf seine legte.
,,Es tut mir leid, ich hätte dich nicht ignorieren sollen...'' entschuldigte ich mich erneut, Stirn an Stirn. Langsam schien er sich zu beruhigen, was mich wiederum beruhigte.
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𝒮𝒽𝒾𝓃𝑒 𝒜𝓃𝒹 𝒮𝓅𝒶𝓇𝓀𝓁𝑒
FanfictionGeorges und Clays Verhältnis war von allem anderen als einem Leuchten geprägt und das war ihnen bewusst. Dennoch konnten sie die wöchentlichen Treffen jeweils beider Eltern nicht verhindern, denn diese waren von klein auf schon die besten Freunde. S...
