[24 - Aufklärung]

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"Wir müssen reden." "Worüber?", will Kubo wissen. "Über dieses Monster in ihr. Ich habe mich letztens noch mit ihr darüber unterhalten."
Er lässt Tobirama rein. Dieses Gespräch interessiert ihn jetzt doch.

Kubo verschränkt seine Arme und lehnt sich gegen die Wand. Einen Moment lang herrscht Stille, nur Noris unruhiger Atem ist zu hören. Kubo beobachtet Tobirama aufmerksam.

"Also, was hat Nori dir erzählt?" bricht er das Schweigen.

"Sie meinte, was auch immer ich bereits über sie herausgefunden habe, es ist vermutlich irgendwo wahr", beginnt Tobirama. "Und was wäre das, was du herausgefunden hast?", will Kubo wissen.

Tobirama überlegt einen Moment, wo er anfangen soll. "Zuerst sollte ich erwähnen, dass wir uns vorher bereits einmal begegnet sind."

"Bitte?", fragt Kubo irritiert nach.

"Es ist knapp 15 Jahre her."

Damals waren Kubo und Shou bereits an Noris Seite, aber sie wurden meist noch von einigen ausgebildeten Shinobi begleitet, da Noris Ausbrüche früher häufiger vorkamen. Deshalb war er auch nicht ununterbrochen in ihrer direkten Nähe, aber er erinnert sich nicht, dass sie je auch nur in der Nähe des Senju-Clans waren.

"Damals haben mein Bruder und ein alter Freund von ihm sie aus dem Fluss gezogen."

Kubos überraschter Blick verrät Tobirama, dass dieser sich wieder erinnert oder zumindest eine Vermutung hat, wann das war.

"Sie hat erzählt, dass sie versucht hat, sich zu ertränken. Das dürfte auch der Tag gewesen sein, an dem eine kleine Gruppe des Feudalherren mit einer wütenden Bestie, die die Kraft eines Bijus innehatte, das Bündnis von drei Clans im Feuerreich gesprengt hat."

Kubo nickt. Es lohnt sich nicht, das zu leugnen.

"So erzählt man es sich, Nori trägt allerdings keinen Biju in sich."

"Ich weiß", meint Tobirama. "Sie meinte, in Geschichten würde häufig übertrieben, dass das Monster, das in ihr steckt, aber ähnlich gefährlich ist. Sie sagte sinngemäß etwas wie: Es ist stärker als ein Biju, aber auch schwerer zu bändigen."

"Das war's?", will Kubo wissen.

"Wieso? Kommt da noch was?", entgegnet Tobirama. Kubo lächelt schwach, scheinbar für einen Moment in Gedanken.

"Also, wann habt ihr euch getroffen?", stellt Kubo eine Gegenfrage. "Ich bin mir ziemlich sicher, die ganze Zeit an ihrer Seite gewesen zu sein."

"Sie ist in der Nacht, die ihr bei uns verbracht habt, zu mir gekommen."

Aus irgendeinem Grund verstört ihn diese Aussage für einen kurzen Moment. Obwohl er weiß, dass nichts vorgefallen sein wird, gefällt ihm der Gedanke nicht, dass sich Nori nachts wegschleicht, um mit fremden Männern zu reden.

"Sie hatte mich damals allerdings auch gefragt, ob ich vorhabe, dir davon zu erzählen."

"Ach so?", wundert sich Kubo.

"Sie sagte, bisher hätte sie noch jeder verraten, der ihr versprochen hatte, nichts davon zu erzählen. Dazu gehöre ich wohl nun ebenfalls, aber ich halte es für nötig."

Tobirama schweigt kurz, bevor er einen neuen Punkt aufmacht. "Zudem hat sie mir erklärt, dass du und Shou dafür zuständig wart, darauf aufzupassen, dass sie nichts anstellt und dass sie sich nicht mit mir unterhalten dürfe. Deswegen ist sie wohl auch nicht weiter ins Detail gegangen. Sie sagte, andere hätten Angst vor ihr und man würde sie an der kurzen Leine halten, weil man sie nicht hinrichten könne. Und dass nicht mal die Tochter des Feudalherren das Recht hat, Nori verhaften zu lassen, deutet darauf hin, dass man sich sehr auf Noris Fähigkeiten stützt."

Kubo seufzt. "Seit Jahren bereite ich mich auf so ein Gespräch vor und jetzt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll."

"Ich habe Zeit", entgegnet Tobirama, der Kubo keinen Stress machen, sondern nur die ganze Geschichte hören will.

"Das muss unter uns bleiben."

Tobirama nickt zustimmend. "Selbstredend."

Kubo denkt für einen Moment nach. Wo soll er anfangen?

"Ich kann dir nicht alles erzählen, aber ich fange einfach mal ein Stück früher an. Seit Jahrhunderten wird im Miyamoto-Clan das Chakra unserer Vorfahren an das nächste Clan-Oberhaupt weitergegeben. Nira Miyamoto war die Tochter des letzten Oberhauptes des Miyamoto-Clans, weshalb diese Kräfte, sobald sie reif genug war, in ihr versiegelt wurden. Sie wurde dann meines Wissens nach aus politischen Gründen verheiratet und hat ein Kind bekommen, Nori. Ohne Zustimmung des Clans hat Nira Miyamoto dieses Chakra dann in Nori versiegelt. Normalerweise hat man die Fähigkeiten weitergegeben, sobald das Kind volljährig war und auch nur unter der Bedingung, dass es körperlich und geistig dazu in der Lage ist, damit auch umzugehen. Ich weiß nicht, wann genau das passiert ist, aber Nori war ganz sicher nicht einmal fünf. Die Unmengen an Chakra, die sich über die Jahrhunderte angesammelt haben, waren dementsprechend zu viel für ein damals noch kleines Kind. Ich bin mir nicht ganz sicher, was mit Nori gewesen ist, bevor ich sie kennengelernt habe. Sie hat noch nie davon erzählt und unser altes Oberhaupt ist inzwischen dahingeschieden. Danach wurde beschlossen, dass im Miyamoto-Clan keiner mehr darüber sprechen darf."

Tobirama hört seiner Geschichte schweigend zu, also erzählt Kubo nach einer kurzen Atempause weiter.

"Shou und ich wurden bereits früh als Shinobi herangezogen. Eines Tages erhielten wir dann unerwartet die Nachricht, dass wir von nun an in den Diensten des Feudalherren stehen. Es gab bis auf das, was ich dir gerade geschildert habe, auch für uns keine weitere Erklärung. Uns wurde nur gesagt, dass wir Nori unter Kontrolle halten sollten. Shou hat damals recht wenig verstanden und es wurde ihm mit einer interessanten Metapher erklärt: Stell dir vor, jemand würde sein Gehirn in dein Gehirn stecken. Und in dem Gehirn, das du erlangt hast, steckt ein weiteres Gehirn, das wiederum das Gehirn eines anderen beinhaltet und so weiter und so fort. Und wenn man immer weiter reingeht, dann kommt man irgendwann zu dem einen klugen Gehirn, das so schlau war, sich all das auszudenken. Und jetzt kannst du neben deinem eigenen Wissensstand noch auf den von dutzenden weiteren Leuten, die vor dir gelebt haben, zurückgreifen."

Kubo blickt Tobirama an. "Jetzt ersetze das Wort Gehirn durch Chakra und ich denke, dann kannst du dir vorstellen, welche gewaltige Kraft in Nori versiegelt wurde."

Tobirama schweigt einen Moment und verarbeitet die Worte.

Nori trägt also das Chakra von unzähligen Clan-Oberhäuptern der vergangenen Jahrhunderte in sich. Wie ist so etwas möglich? Sein Chakra weiterzugeben. Wäre das so einfach, dann würde das jeder tun. Aber so...

Tobiramas Augen weiten sich leicht.

"Wenn man das Chakra an seinen Nachfolger weitergibt, stirbt man als Konsequenz daraus."

Kubo nickt. "Genau. Ich gehe deswegen auch davon aus, dass Nira Miyamoto wusste, dass sie bald sterben würde und nicht mehr die Chance hatte, sich um Nori zu kümmern. Vielleicht hat sie sogar geahnt, dass dieses zusätzliche Chakra sie vor dem Sterben schützen würde. Denn wenn Nori erstmal in Rage ist, hat sie nicht nur eine riesige Zerstörungskraft, sondern diese Aura um sie herum schützt sie vor fast allen physischen Angriffen."

"Was wisst ihr schon."

Kubo und Tobirama blicken irritiert zu Nori, die sich im Bett aufsetzt.

"Über andere in ihrer Anwesenheit zu reden, gehört sich nicht."

RiversidesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt