[27 - Verhandlung]

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"Ich werde nicht alles davon für mich behalten können. Diese Informationen sind von politischer Bedeutung für den Senju-Clan und könnten unsere Entscheidungen in kommender Zeit beeinflussen", meint Tobirama.
Kubos Liste mit Problemen wird immer länger.

Kubo hat sich von Izuna noch einmal bestätigen lassen, dass Nori wohl noch zwei Tage weiterschlafen wird. Er verbringt den gesamten restlichen Tag damit, die Wachen davon zu überzeugen, die Geschehnisse erstmal für sich zu behalten.

Er stellt sicher, dass Masako beschäftigt genug ist, um sich von Nori fernzuhalten, und informiert die Uchiha und Senju über die am nächsten Tag beginnenden Verhandlungen. Außerdem hat er noch einmal nach Kenzo geschaut, der nach allem, was passiert ist, komplett mit den Nerven fertig ist und sich darum in einem der Zimmer eingesperrt hat. Und Kubo kann es irgendwo verstehen. Kenzo ist kein Shinobi und nur auf Befehl des Feudalherren mit ihnen gereist, um sicherzustellen, dass die Senju und Uchiha richtig informiert sind. Nicht nur, dass die gesamte Reise bereits unfassbaren Stress für jemanden ist, der es nicht gewohnt ist, dann ist auch noch Shou vor seinen Augen gestorben. So gesehen war es schon beachtlich, dass Kenzo die Kraft aufgebracht hat, Shous Leichnam irgendwie noch den ganzen Weg zurückzutragen. Da ist es nur fair, dass Kubo noch ein paar Mal nach Kenzo sieht und ihm gut zuredet, bevor sich ihre Wege vermutlich für immer trennen.

Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Die Verhandlungen zwischen Senju und Uchiha sollen beginnen. Sie haben sich extra auf den Vormittag geeinigt, damit alle richtig wach sind. Dennoch ist Kubo mit dem Aufgehen der Sonne auch auf den Beinen. Nori ist noch immer bewusstlos, Kenzo sperrt sich weiterhin ein, die Wachen gehen ihrem Job nach, und Masako schläft glücklicherweise noch, denn Drama mit ihr um die frühe Uhrzeit würde er nicht aushalten.

Nachdem Kubo mehrfach alle Worst-Case-Szenarios und mögliche Komplikationen durchgegangen ist, fühlt er sich bereit und begibt sich schon mal zu dem Raum, in dem sie über einen möglichen Friedensvertrag oder zumindest einen Waffenstillstand zwischen Uchiha und Senju diskutieren werden.

Ungefähr zeitgleich treffen dann auch die beiden Oberhäupter und ihre Brüder ein. Nur Masako lässt auf sich warten. Kubo würde ja am liebsten ohne sie anfangen, aber er kann schon das Geschreie hören im Sinne von: „Bei einer Allianz dieser Wichtigkeit muss ich stellvertretend für meinen Vater dabei sein. Wie kannst du es dich also wagen, ohne mich anzufangen?" und darauf hat er nun wirklich keine Lust. Vor allem wäre das ein ganz unangenehmer Start in eine Diskussion, die hoffentlich friedlich verlaufen wird. Zwar hat Kubo beide Parteien darum gebeten, keine Waffen mitzubringen, ob sie sich daran gehalten haben, kann er allerdings gar nicht einschätzen. Vermutlich nicht. Die Senju und Uchiha sind sich trotz aller Bemühungen noch feindlich gesinnt.

Nachdem Masako nicht nur zu spät aufgetaucht ist, sondern auch gleich allen fünfzehn Minuten lang die Ohren mit ihrer Selbstbeweihräucherung abgekaut hat, kann es endlich losgehen. Zugegebenermaßen hat Kubo sie nach 15 Minuten ihres Monologs, der darum handelte, wie froh sie doch ist, dass sich alle eingefunden haben und dass sie ja eigentlich von Anfang an die Idee für diesen Waffenstillstand hatte, unterbrochen, da er sich sicher war, sie würde noch den ganzen Tag so weitermachen.

Kubo räuspert sich also, um endlich zu starten. Sein Tonfall ist geduldig und respektvoll. Er muss jetzt diese ganze Verhandlung alleine führen. Er ist zwar davon ausgegangen, die treibende Kraft zu sein, aber eigentlich war vorgesehen, dass Nori, Shou und Kenzo ebenfalls daran teilhaben. Sich also ganz alleine da durchschlagen zu müssen, ist doch etwas nervenaufreibend.

Während Madara und Hashirama ruhig zuhören, wirken deren jüngere Brüder deutlich angespannter. Kubo lässt sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen.

„Ich gehe davon aus, dass beide Seiten sich ihre Bedingungen für einen Waffenstillstand bereits gut überlegt haben." Er schiebt je ein Blatt mit Stift zu Madara und zu Hashirama. „Ich würde euch also bitten, erstmal die wichtigsten Punkte, die für euren Clan von Bedeutung sind, schriftlich festzuhalten. Dann können wir alles der Reihe nach durchgehen."

Er hört, wie Masako am Tischende sich schon wieder beschwert. „Was soll es denn für Bedingungen für einen Waffenstillstand geben, außer, dass beide Seiten einander nicht angreifen?" seufzt sie, ihr Ton so abgehoben, als hätte Gott persönlich ihr die Weisheit mit dem Löffel gefüttert.

Ihr Ton treibt Kubo ein weiteres Mal innerlich zur Weißglut. Wenn es so einfach wäre, dann würden sie wohl nicht dort alle gemeinsam sitzen. Wie kann der Feudalherr nur seine Tochter, die offenbar nicht einen Funken Interesse an Politik hat, als seine Stellvertreterin schicken? Warum nicht irgendeinen Beamten mit zumindest einem Hauch von Ahnung?

Er lässt sich nichts von seiner Wut anmerken und wartet ruhig darauf, dass die beiden Oberhäupter fertig werden.

Madara und Hashirama beugen sich über die Blätter, ihre Gesichter ernst und fokussiert. Ihre jüngeren Brüder, Izuna und Tobirama, tauschen misstrauische Blicke aus, bleiben aber still. Die Ruhe wird nur von Masakos leisem Seufzen und dem Kratzen der Stifte auf dem Papier gestört.

Kubo nutzt die Zeit, um seine Gedanken zu ordnen und sich auf die kommenden Diskussionen vorzubereiten. Er muss sich auf seine diplomatischen Fähigkeiten verlassen, um diese Verhandlungen erfolgreich zu führen. Jeder Fehler könnte katastrophale Konsequenzen haben.

Nach einigen Minuten werden beide fertig. Sie haben sich offenbar im Vorfeld ausführliche Gedanken darüber gemacht.

Madara erhebt als Erster das Wort. „Die Grundlage für einen Waffenstillstand wäre einmal offensichtlich das Unterlassen von Angriffen aufeinander. Dazu kommt das Unterlassen von Kampfaktivitäten in einem Umkreis von etwa 5 km um den jeweils anderen Clan." Nach kurzer Diskussion, dass dies wirklich nur grob geschätzt gemeint ist und niemand sich Sorgen machen muss, wenn man aus gutem Grund mal etwas drüber ist, stimmen die Senju dem zu. Es macht ja durchaus Sinn, dass man um die Sicherheit des eigenen Clans zu gewährleisten, keine Kämpfe in der direkten Nähe haben will.

„Für uns ist von Bedeutung, dass dieser Waffenstillstand sich auch auf Verbündete eures und unseres Clans auswirkt." Damit hatte Madara schon gerechnet. Die Senju haben einige Clans, mit denen sie verbündet sind. Allen voran die Uzumaki und Sarutobi.

Das heißt, wenn die Uchiha dem zustimmen, müssen sie von jeglichen Angriffen auf die Uzumaki und Sarutobi absehen. Die Uzumaki und Sarutobi wären allerdings nicht gezwungen, Angriffe auf die Uchiha zu unterlassen. Sich nicht verteidigen zu können, ist niemals eine akzeptable Bedingung. Allerdings ahnt Madara, dass Hashirama die Uzumaki und Sarutobi schon längst in Kenntnis gesetzt und deren Zustimmung bereits eingeholt hat, dass diese im Gegenzug auch bereit wären, keinen Krieg mit den Uchiha zu beginnen. „Wenn eure Verbündeten einen Nichtangriffspakt unterzeichnen, akzeptieren wir die Bedingung." Hashirama nickt zufrieden und erläutert ausführlich, dass zu dem Thema bereits alles geklärt wurde.

Kubo notiert sich die wichtigsten Punkte, während die Diskussion weitergeht. Die beiden Oberhäupter argumentieren ruhig und sachlich, doch die Spannungen sind spürbar. Je weiter sie ins Detail gehen, desto gespaltener sind die Meinungen.

Zu Kubos Überraschung bleiben beide Seiten aber die ganze Zeit lang ruhig und sachlich. Er braucht gar nicht so häufig zu intervenieren, wie er zunächst dachte. Beide Seiten sind bereit, Kompromisse einzugehen, und Kubos Nachfragen zu genaueren Erläuterungen der Punkte können sowohl die Senju als auch die Uchiha immer ausführlich beantworten. Konnten beide Seiten sich in den paar Tagen wirklich so intensive Gedanken machen? Andererseits, wenn man bedenkt, was für kluge Köpfe beide Clans auf ihren Seiten haben, ist das wohl auch kein Wunder.

„Wir haben heute einen großen Schritt gemacht", sagt Kubo, als die Verhandlungen für den Tag beendet sind. Sie sind mit dem Groben durch, dennoch haben sie für morgen noch einige Punkte geplant. „Es freut mich, dass wir bislang noch eine Einigung für jeden Punkt gefunden haben. Wir sollten das für morgen so beibehalten."

Madara und Hashirama nicken zustimmend. Noch lässt sich keiner etwas anmerken, aber Kubo weiß, dass alle Anwesenden erschöpft sind. Es war ein langer Tag. Nur bei Masako, die ganz offen zeigt, dass sie müde ist, versteht er es nicht so ganz. Sie hat immerhin nichts getan außer daneben zu sitzen und von Zeit zu Zeit Nachfragen einzuwerfen, die wahrscheinlich ein Zehnjähriger hätte beantworten können.

Dass vor allem Hashirama Senju die Geduld aufgebracht hat, ihr alles vereinfacht zu erklären, erstaunt Kubo zutiefst.

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