[29 - Zwiespalt]

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„Wir haben eine Bedingung, was die Vermittlung angeht, und die ist nicht diskutabel. Nori muss diese Rolle übernehmen."
Nach einem langen Moment der Stille wirft Masako einen Blick zu Kubo, der zustimmend nickt. Das kommt Nori zugute.
„Einverstanden."

Kubo sitzt gelangweilt am Erstellen des Vertrags, den die Senju und Uchiha unterschreiben sollen. Eigentlich sollte das ja Kenzos Aufgabe sein, aber der lässt einfach überhaupt nicht mehr mit sich reden, wie Kubo durch mehrfaches Versuchen festgestellt hat. Deswegen bleibt das jetzt an ihm hängen. Dabei ist er doch aus einem bestimmten Grund Shinobi und nicht Bürokrat. Er muss sich an einen Haufen Vorgaben für die Form und Gestaltung halten. Jedes Wort muss passen.

Nur kann er sich gerade darauf gar nicht konzentrieren. Ihn beschäftigt noch immer die Frage, warum die Senju und Uchiha Nori als Vermittlerin zwischen den Shinobi und dem Feudalherren wollen und das dann noch so explizit zur Bedingung machen.

Hat das mit dem zu tun, was Tobirama mitbekommen hat? Aber warum sollte das die Uchiha interessieren? Noris Mutter meinte, er solle sich mal fragen, was Nori im Geheimen mit den Uchiha besprochen hat. Aber kann er einfach zu den Uchiha gehen und danach fragen?

Er überlegt sich seine Möglichkeiten. Er könnte vielleicht eher mit Izuna sprechen. Bislang hat dieser das Gefühl vermittelt, dass er offen über solche Dinge redet. Aber wie sollte er das anstellen, ohne Misstrauen zu erwecken? Er muss ehrlich kommunizieren, dass er verwundert ist, aber erstmal für sich behalten, dass die Bedingung für ihn und Nori durchaus positiver Natur ist.

Kubo entscheidet, zuerst mit Izuna zu sprechen. Nach einiger Zeit entdeckt er diesen draußen beim Trainieren. Sogar in so einer Ausnahmesituation ruht man sich bei den Uchiha wohl nicht aus.

„Izuna, ich hoffe, ich störe nicht", beginnt Kubo, damit der andere sich nicht erschreckt. Genannter blickt auf.

„Worum geht's?" Immer gleich zum Punkt kommen.

"Ich wundere mich ehrlich gesagt ein wenig über so eine Sache. Ich dachte, du kannst vielleicht ein wenig Klarheit reinbringen."

"Na dann lass mal hören", meint der Uchiha und lehnt sich mit dem Rücken an einen Baum, die Arme vor der Brust verschränkt.

„Mich würde interessieren, warum die Senju und Uchiha sich wirklich einig waren, dass sie Nori als Vermittlerin haben wollen."

Izuna mustert Kubo kurz, bevor er antwortet. „Ich habe dich und Tobirama vorgestern gehört", gibt Izuna unverblümt zu. "Ich bin seinen Kanchi-Fähigkeiten leider nicht wie geplant entgangen, also haben wir uns etwas unterhalten."

So ist es also dazu gekommen. Kubo hört Izuna aufmerksam zu.

"Sagen wir einfach, wir waren uns einig, dass wir nicht bereit sind, uns im Fall der Fälle hinters Feuerreich zu stellen, wenn solche Leute an der Spitze stehen."

"Und deine Worte gestern zur Tochter des Feudalherren waren ziemlich eindeutig." Kubo runzelt die Stirn. Da hat man ihn also auch belauscht? Er sollte wirklich vorsichtiger sein.

Kubo realisiert allerdings, dass Izunas Worte auch noch eine andere Bedeutung haben können. Wenn solche Leute an der Spitze stehen.

"Wenn du wüsstest, was sie hinter deinem Rücken mit den Uchiha gemunkelt hat", meinte Nira Miyamoto zu ihm.

"Wenn wir schon dabei sind, verrate mir doch bitte, was Nori hinter meinem Rücken mit euch beredet hat." Izuna zuckt nur mit den Schultern. "Da bin ich genauso ratlos, war nicht dabei. Madara meint, es war nichts Wichtiges, also wird das wohl stimmen."

Es wird Kubo klar, dass Nori womöglich viel mehr Vertrauen der beiden Clans genießt, als er hätte ahnen können. Und dass sie so geschickt mit den Senju und Uchiha geredet hat, ohne dass es ihm aufgefallen wäre, deutet tatsächlich darauf hin, dass sie irgendetwas Größeres plant. So ein Typ ist Nori einfach auch. Aber was? Es könnte große Auswirkungen auf die Zukunft des Feuerreiches haben. Ob sie wirklich plant, den Feudalherren zu stürzen? So abwegig klingt das für Noris Verhältnisse gar nicht. Als sie erstmals mit der Idee aufkam, wie es denn wäre, wenn die Senju und Uchiha eine Allianz bilden würden, ging er auch nicht davon aus, heute dort zu stehen.

Die Frage, die er sich eher stellen sollte, ist nicht, ob Nori zu so etwas in der Lage wäre, sondern ob er dann auf ihrer Seite wäre. Er ist sich immer noch sicher, dass er hinter Nori steht, aber auch bei sowas? Inzwischen sind seine Pflichten viel zu sehr ineinander verschwommen. Nori schützen und die Leute vor Nori schützen. Seine Loyalität und sein Befehl. Nur hat dieser Befehl inzwischen deutlich an Wert verloren. Die Leute vor Nori schützen? Inzwischen weiß er, dass es die Schuld ihrer Mutter ist, dass man sie heute für ein Monster hält. Seinem eigenen Kind so eine Bürde aufzulegen, nur weil man nicht mehr in der Lage dazu ist, bevor man stirbt, Rache zu üben.

"Sonst noch irgendwas?", will Izuna wissen. Kubo denkt einen Moment nach, verneint dann aber und wendet sich zum Gehen. "Danke für deine Zeit."

Als er wieder zu Noris Zimmer zurückkehrt, staunt er nicht schlecht, als diese wach im Bett liegt. Er hält einen Moment inne, in der Hoffnung, dass es sich nicht wieder um Nira Miyamoto handelt, die von Noris Körper Besitz ergriffen hat.

"Kubo...", sie schaut schwach auf. "Wie lange war ich bewusstlos?" "Zwei Tage", antwortet er zögerlich, erkennt aber an ihrer gesamten Ausstrahlung, dass es sich wirklich um Nori handelt. Und ganz zu ihr passend, verwundert sie, dass er so viel Abstand hält.

"Was starrst du mich so an?" Kubo schüttelt schnell den Kopf. "Du bist nur früher wach als erwartet", versucht er sich zu retten. Bevor Nori auf seinen offensichtlichen Ausflug eingehen kann, wechselt er bereits das Thema.

"Die Verhandlungen mit den Senju und Uchiha sind soweit durch", erklärt er ihr, um sie auf den neuesten Stand zu bringen." "Das ging aber schnell", meint sie und setzt sich im Bett auf. "Stimmt, ich hätte mit mehr Komplikationen gerechnet, aber beide Clans waren überraschend kooperativ."

Nori nickt knapp. "Irgendwelche Ereignisse, von denen ich wissen sollte?"

Kubo schüttelt sofort den Kopf. An Noris Reaktion liest er ab, dass er wohl zu schnell reagiert hat, sie glaubt ihm das nämlich gar nicht. "Kubo...", murrt sie. "Was verschweigst du?"

"Dass deine Mutter deinen Körper übernommen hat und mit mir und Tobirama Senju geredet hat" will er irgendwie nicht antworten. Also die andere Neuigkeit.

"Die Senju und Uchiha haben dich als künftige Vermittlerin zwischen dem Feuerreich und den Shinobi vorgeschlagen."

Nori blickt Kubo einen Moment überrascht an. "Sie haben was?" "Sie haben verlangt, dass du weiterhin die Kommunikation übernimmst."

"Ach so?", meint sie überrascht und lehnt sich zurück. "Ich wette, Masako hat sich zu Tode geärgert", lächelt sie schwach. "Zu Tode noch nicht, aber ziemlich doll."

Als Nori vorsichtig versucht aufzustehen, läuft Kubo zu ihr und drückt sie bestimmt zurück aufs Bett. "Bleib liegen." "Aber-" "Du musst nicht jedes Mal widersprechen, wenn ich den Mund aufmache."

Nori verzieht die Miene. "Das hat nichts damit zu tun, ich will nur nicht untätig rumliegen."

"Ich habe alles unter Kontrolle", versichert Kubo ihr. "Und was wäre alles?" "Alles Relevante", meint Kubo stur. Wieso muss sie gleich nach dem Aufwachen wieder diskutieren?

"Es gibt also nichts, um das du dich kümmern müsstest."

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