"Ich gehe davon aus, dass Nira Miyamoto wusste, dass sie bald sterben."
"Was wisst ihr schon."
Kubo und Tobirama blicken irritiert zu Nori, die sich im Bett aufsetzt.
"Über andere in ihrer Anwesenheit zu reden gehört sich nicht."
"Nori?", wundert sich Kubo, der nicht damit gerechnet hat, dass sie so schnell aufwacht. Auch Tobirama ist leicht irritiert. Als Kubo bereits weg war, hat Izuna ihm gesagt, dass dieses Gen-Jutsu drei Tage halten sollte. Und so wenig er Izuna auch abkann, er hält ihn nicht für einen Lügner.
"Ich dachte, du würdest meinen Namen kennen, Bursche. Also nenn mich nicht bei dem Namen des Kindes, das mein Leben ruiniert hat."
"Des Kindes, das...," Kubo hält inne, als er diese Worte wiederholt. "Ihr seid Nira Miyamoto? Aber wie-"
"Wie das möglich ist?", lacht sie schwach auf. "Oh, das ist ganz einfach. Deine kleine Theorie vorhin war falsch, so ist das möglich."
"Ja, ich habe auch mein eigenes Chakra vor meinem Tod in Nori versiegelt, aber eindeutig nicht, um ihr zu helfen. Dieses Kind zu kriegen war mit Abstand die dümmste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich war naiv, das ist jetzt aber nicht mehr zu ändern, also kann ich nur noch das Beste daraus machen."
Sie steht auf und geht näher auf Kubo zu. "Ich beobachte dich schon eine ganze Weile. Du gibst dich vor Nori immer wie der strenge, pflichtbewusste Wächter, aber sobald sie die Augen schließt, fällt deine Maske. Denn tief in dir drinnen empfindest du viel mehr für mein dummes Töchterchen."
Kubo tritt einen Schritt zurück, ihm ist nicht geheuer bei der ganzen Sache.
"Wo ist Nori gerade, wenn Ihr in ihrem Körper seid?", will er wissen.
"Ach, die quält sich noch in dem Genjutsu dieses Uchihas herum. Sie hat ausnahmsweise also nicht mal den geringsten Widerstand gezeigt, als ich ihren Körper übernommen habe. Eigentlich sollte ich dem Uchiha-Burschen also dankbar sein."
"Normalerweise würde ich ja solchen Techniken Interesse entgegenbringen, aber nicht in dieser Situation", mischt sich Tobirama von der Seite ein, und Nira in Noris Körper blickt sich zu ihm um.
"Ach ja, der Senju. Du scheinst ja auch ein schlauer Junge zu sein, also höre ruhig zu. Möglicherweise hat es für euch ja auch einen Vorteil."
Sie wendet sich erneut an Kubo. "Du bist schon so lange an Noris Seite und passt immer auf sie auf. Obwohl du sie vor mir schützt, habe ich mehr Einfluss auf meine Kleine als du. Ich will dich trotzdem fragen, was denkst du, ist Noris Ziel?"
Kubo schweigt für einen Moment. Noris Ziel?
Er ging anfangs davon aus, sie würde Freiheit anstreben. Nori ist seit über 15 Jahren unter dauerhafter Beobachtung. Als er anfing, sich an ihrer Seite aufzuhalten, hat er immer erwartet, sie würde eines Tages nach mehr Freiheiten fragen. Aber außer dieser dubiosen Morgenroutine, die sie sich mal alle ein bis zwei Wochen nimmt und auch nie länger als 15 bis 30 Minuten dauert, fragt sie nach gar keinen Freiheiten. Würde sie fragen, würde er ihr wahrscheinlich so viel Vertrauen schenken, sie von Zeit zu Zeit mal alleine zu lassen, aber Freiheit ist nicht Noris Ziel. Was dann?
Der Waffenstillstand zwischen Senju und Uchiha. Den strebt sie an, aber das ist zu spezifisch. Sobald der durch ist, hätte sie ja kein Ziel mehr. Was also könnte Nira Miyamoto meinen?
Familie, Freunde, Beziehungen... alles nichts, das Nori je interessiert hätte.
"Nun gut, ich verrate es dir, bevor du dir dein kleines Köpfchen zerbrichst. Nori behauptet zwar immer, dass ich und sie nicht dasselbe Ziel hätten, aber das versucht sie sich nur einzureden, um zu leugnen, dass sie mir zustimmt. Sie kann mich eben so wenig ab wie ich sie. Welch Ironie, dass wir uns ein und denselben Körper teilen."
"Komm endlich zum Punkt", fordert Tobirama, dem das Geschwafel auf den Zeiger geht. Im Gegensatz zu Kubo hat er nämlich eine Vermutung, die näher an der Realität liegt.
"So ungeduldig, die heutige Generation. Also gut. Noris Ziel ist es, den Feudalherren zu stürzen und so das Feuerreich zu revolutionieren. Sie redet sich zumindest ein, dass sie ihn nur tot sehen will, um daraufhin etwas Gutes zu tun. Aber eigentlich will Nori, genau wie ich, nur den Tod jenes Mannes, der uns beiden das Leben zur Hölle gemacht hat. Wer weiß, wäre der Vater jemand anderes gewesen, hätten wir eventuell sogar eine glückliche Familie bilden können, aber das war uns wohl nicht vergönnt. Nur deswegen habe ich damals Nori das Chakra unserer Vorfahren weitergegeben. Sie muss für uns beide Rache üben und ihren leiblichen Vater dieselben Höllenqualen durchleben lassen."
"Vater?", wiederholt Kubo irritiert. Waren sie ein paar Sätze zuvor nicht noch beim Feudalherren? Das würde bedeuten-
"Nori Miyamoto ist die rechtmäßige Nachfolgerin des Feudalherren", spricht Tobirama aus, was für Kubo wie eine Fantasie klingt.
"Exakt. Nori ist das Kind dieses Bastards, der sich als gutmütiger Herrscher aufführt. Und ich wurde auch nicht aus politischen Gründen verheiratet, wie man es sich anscheinend heute erzählt. Nein, mir wurde das Blaue vom Himmel versprochen, wenn ich in den Palast des Feudalherren ziehe. Und als junge naive Frau, deren Zukunft, einen Mann zu heiraten, der das nächste Oberhaupt des Miyamoto-Clans wird, schon in Stein gemeißelt schien, habe ich mich darauf eingelassen. Natürlich konnte keiner widersprechen, als Wachen des Feudalherren kamen, um mich mitzunehmen. Wir haben es extra so lange aufgeschoben, bis meine Mutter die Chakren unserer Vorfahren in mir versiegelte. Anfangs schien alles fantastisch. Ein wahr gewordener Traum. Ich hatte endlich selbst eine Entscheidung für mein Leben getroffen. Und schon bald zeigte der Feudalherr, der damals erst seit kurzem im Amt war, Interesse an mir. Wir kamen uns näher und dann war ich auf einmal schwanger. Doch ab da an ging alles bergab. Er ließ mich wegsperren. Das Kind sollte sicher auf die Welt kommen. Ich habe mir eingeredet, er tue das, weil er sich um unser gemeinsames Kind sorgte. Falsch gedacht. Er kam die ganzen neun Monate nicht einmal, um nach mir zu schauen. Die einzigen Menschenseelen, die ich sah, waren die Ärzte, die nach dem Kind geschaut haben und die Dienstmädchen, die sich um mich kümmerten. Ich lebte wie eine Gefangene, aber ich hielt die ganze Zeit an der Hoffnung fest, dass er nur gerade damit beschäftigt sei, das Reich zu regieren. Aber sobald Nori geboren war, wurde sie mir von ihm entrissen. Er hatte endlich das Kind, das er für seine Nachfolge brauchte. Ich war nicht mehr zu gebrauchen. Ich war einfach überflüssig."
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Riversides
Fanfikce(abgeschlossen) Nori wird von Hashirama und Madara aus dem Fluss gerettet, doch ist sie darüber nicht allzu glücklich und offenbart den Beiden, dass sie von ihren jüngeren Brüdern beobachtet werden. Tobirama ist als einzigem klar, dass irgendetwas m...
