"Das hat nichts damit zu tun, ich will nur nicht untätig rumliegen."
"Ich habe alles unter Kontrolle", versichert Kubo ihr. "Und was wäre alles?"
"Alles Relevante. Es gibt also nichts, um das du dich kümmern müsstest."
Und so ist es auch. Kubo kümmert sich um alles, damit Nori es nicht erledigen muss, egal wie unnötig es auch sein mag. Das irritiert sie zutiefst. Wird die Welt untergehen, wenn sie aufsteht, oder warum macht Kubo sich so wahnsinnig? Er ist immer pflichtbewusst, aber nicht überbehutsam. Warum also jetzt?
"Kubo," sagt Nori, während er über dem Vertragsentwurf hängt und ihn auf Fehler prüft. "Was verschweigst du mir?"
Kubo sieht auf. Er ist sichtlich erschöpft. "Gar nichts," erwidert er stumpf. "Du verschweigst mir so wenig gar nichts, wie meine Haare pink sind, also raus mit der Sprache."
Kubo seufzt. "Nichts Weltbewegendes." "Dann kannst du es ja ohne Probleme erzählen." Kubo brummt etwas für Nori Unverständliches vor sich hin, bevor er aufsteht und sich an Nori wendet. "Während du bewusstlos warst, habe ich mich mit deiner Mutter unterhalten."
Noris Blick verdüstert sich schlagartig. Eine überraschende Reaktion. Sonst überspielt sie immer erst alles mit einem Lächeln und wird erst ernst, wenn eine Diskussion sich zuspitzt.
"Was hat sie dir erzählt?"
Kubo zuckt mit den Schultern. "Einiges." "Ich will wissen, wie viel du jetzt weißt," sagt Nori. Ihr Ton ist ernst. Selbstredend, das ist ja auch ein heikles Thema, aber er hatte nicht erwartet, dass sie das so offen zeigt.
"Genug. Dass du die Tochter des Feudalherren und somit Masakos Halbschwester bist. Dass deine Mutter dieses Chakra unserer Ahnen in dir versiegelt hat, damit du stark genug wirst, um für ihr Leiden irgendwann Rache zu üben, und dass du verdammt viel hinter meinem Rücken tust."
Nori nimmt diese Information kurz auf, bevor sie sich wegdreht. "Und?" "Was und?", fragt er nach. "Was denkst du jetzt von mir?"
Kubo schweigt für einen Moment. Meint sie die Frage jetzt ernst? Als ob er sie auf einmal mit anderen Augen sehen würde, nur weil er die Geschichte ihrer Eltern kennt. "Dass du stärker bist, als ich bislang schon angenommen hatte."
"Sowas aus deinem Mund passt gar nicht, sowas sagt sonst nur-" Nori hört den Satz auf, aber Kubo weiß genau, was sie sagen wollte. Sowas sagt sonst nur Shou. Sie hat recht. Sein Verhalten passt absolut nicht zu ihm.
"Nori, ich möchte, dass du mir von deinem Ziel erzählst."
Nori schaut irritiert auf. "Mein Ziel?" "Ich stehe hinter dir, egal, was es sein mag. Ich bin nicht Shou, aber...", Kubo holt tief Luft. Das ist ihm dann doch irgendwie wieder ein wenig zu kitschig. "Aber ich würde für dich genauso weit gehen. In dem Punkt waren Shou und ich uns immer einig."
"Ich weiß nicht, was ich will."
Kubo ist verblüfft. "Du weißt es nicht?" "Muss ich mich wiederholen?"
"Nein," sagt er und wundert sich. "Woran liegt es?"
Nori schweigt für einen Moment. "Der jetzige Feudalherr hat diese Position nicht verdient, allerdings... fällt mir auch niemand ein, der dieser Position gerecht werden würde. Und ihn aus dem Verkehr zu ziehen, aber keinen Nachfolger zu erwählen, wäre falsch. Ich habe immer hinter deinem und Shous Rücken mit Leuten geredet, weil ich überprüfen musste, ob es im Feuerreich irgendjemanden mit den richtigen Kompetenzen gibt, aber irgendwie ist mir immer noch niemand untergekommen."
Dabei wärst du doch die beste Wahl, denkt Kubo unweigerlich. Wer sich solche Gedanken ums Feuerreich macht, ist doch offenbar dazu bestimmt, sich auch um dieses zu kümmern.
"So ist das," murmelt er. "Das heißt aber, wenn es jemanden geben würde, würdest du den Feudalherren stürzen und jemand anderen an seine Position stellen?"
"Das wäre das Beste für die Leute im Feuerreich." "Stimmt," sagt Kubo. Nori ist eben nicht ganz so egoistisch, wie sie sich manchmal gibt.
"Und wenn du das erreicht hättest, was dann?", will Kubo wissen. "Dann? Nun ja, jemand müsste für den Mord am Feudalherren zur Rechenschaft gezogen werden. Meine Mutter müsste zufrieden sein, wenn er tot ist, die Kontrolle über mich aufgeben und dann kann ich wohl als Verantwortliche in Frieden sterben gehen."
So wie sie das sagt, macht es Kubo wütend. In Frieden sterben gehen? Wie kann sie so darüber reden? Sie hat schon immer übers Sterben geredet, sich aber, nachdem Shou ihr mal einen Vortrag darüber gehalten hat, wie respektlos das den Toten gegenüber ist, wirklich zurückgehalten. Aber selbst, wenn sie recht hat, dass irgendwer dafür zur Rechenschaft gezogen werden müsste, dann sollte das doch nicht sie sein!
Und ob es gut war, dass sich in dem Moment in Kubos Kopf ein Plan breitgemacht hat, der all Noris Sorgen auf einen Streich beseitigen könnte, wird sich in kürzester Zeit noch zeigen.
Am folgenden Tag in aller Frühe unterschreiben Hashirama, stellvertretend für den Senju-Clan, Madara, stellvertretend für die Uchiha, und Masako, stellvertretend für das Feuerreich, den tagelang diskutierten Vertrag, der erstmals nur einen Waffenstillstand festlegt, als Klausel aber auch enthält, dass sie, wenn sich beidseitig an den Vertrag gehalten wird, in drei Jahren mal schauen, ob ein dauerhaftes Friedensabkommen möglich ist.
Sobald alle drei ihre Unterschrift unter den Vertrag gesetzt haben, sind die Verhandlungen offiziell abgeschlossen.
Und dann haben sich alle gegenseitig abgestochen, the end. Warte, falsche Story-
"Es freut mich, dass wir uns einig werden konnten," sagt Hashirama mit einem Lächeln auf den Lippen. Madara entgegnet darauf ein knappes Nicken. "Mich ebenfalls."
"Na dann kann ich ja endlich gehen," seufzt Masako, was Kubo gerade recht kommt. Er hat bisher noch keinem verraten, dass Nori wieder wach ist, wodurch sie auch nicht dabei ist. Damit sind es nur er und die vier Shinobi.
Sobald die Türe hinter Masako zugefallen ist, wendet Kubo sich an die Anwesenden.
"Wenn ich nochmal kurz eure Aufmerksamkeit haben dürfte," startet er, ein wenig unsicherer als sonst. Solch einen Alleingang hat er noch nie gewagt.
"Ich gehe ja wohl recht in der Annahme, dass inzwischen alle Anwesenden über Noris Identität Bescheid wissen." Ein einstimmiges Nicken geht durch die Runde. "Vielleicht gehe ich zu weit mit dem, worum ich euch bitten will, aber hört mir bis zum Ende zu," startet Kubo und hält kurz inne, bevor er weiterredet. Er hat sich das die ganze Nacht durch den Kopf gehen lassen, er kann es jetzt nicht versemmeln.
"Da ihr euch dazu entschieden habt, Nori als Vermittlerin zwischen dem Feuerreich und den Shinobi zu fordern, gehe ich davon aus, dass ihr alle bereits ein Bild davon habt, dass sie eine Person ist, mit der man sprechen kann. Sie verfolgt Ziele, bemüht sich, Kompromisse zu finden und das Feuerreich zu verbessern. Und das schon die ganze Zeit, obwohl ihre Möglichkeiten dadurch eingeschränkt sind, dass der Feudalherr sie schon ihr ganzes Leben lang überwachen lässt. Ich trage eine gewisse Mitschuld daran, nie hinterfragt zu haben, was eigentlich dahintersteckt. Ich habe genau so wie jeder andere einfach stumm akzeptiert, dass ihre Fähigkeiten eine Gefahr darstellen, aber inzwischen weiß ich es besser und bin zu dem Entschluss gekommen, dass sie die Möglichkeit dazu haben sollte, diese Fähigkeiten zu nutzen, um das Feuerreich zu verbessern. Und so wie ich hinter ihr stehe, möchte ich den Senju- sowie den Uchiha-Clan darum bitten, ebenfalls hinter ihr zu stehen."
"Was ist dein Plan?", fragt Madara nach. Kubo holt tief Luft, bevor er anfängt, seinen Plan zu erklären.
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Riversides
Fanfiction(abgeschlossen) Nori wird von Hashirama und Madara aus dem Fluss gerettet, doch ist sie darüber nicht allzu glücklich und offenbart den Beiden, dass sie von ihren jüngeren Brüdern beobachtet werden. Tobirama ist als einzigem klar, dass irgendetwas m...
