[10 - Anfänge]

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"Du wirst Nori niemals dazu bringen dir zu vertrauen."
"Welch lächerliche Worte."
"Ich verstehe tatsächlich nicht, wie man so ignorant der Wirklichkeit gegenüber sein kann!"
"So wenig wie ich dich verstehe, wirst du jemals meine Perspektive nachvollziehen können. Das sollten wir so akzeptieren."

Nachdem Shou Spazieren gegangen ist, um sich abzuregen, tritt Stille ein.
Kubo würde Nori ja so etwas vorhalten wie "War das wirklich nötig?", doch könnte er das genau so gut zu einem Baum sagen. Tatsächlich stimmt er Shou in dem Punkt nämlich vollkommen zu. Nori ist tatsächlich durch und durch ignorant, wenn es darum geht sich irgendetwas von anderen anhören zu müssen.

Doch so war sie schon als er und Shou sie das erste Mal trafen. Zwar gehören sie alle drei demselben Clan an, Nori wurde jedoch nicht bei ihnen geboren. Es entzieht sich sogar Kubos Kenntnis was es mit den genaueren Umständen ihrer Geburt auf sich hat, dabei hat er einige Mal versucht darüber Nachforschungen anzustellen. Alles, was er weiß ist, dass Noris Mutter Nami Miyamoto irgendwann den Clan verlassen hat und Arbeit am Hofe des Feudalherren suchte. Offiziell ist der Vater unbekannt und die Mutter starb gleich nach der Geburt, doch hat Kubo berechtigte Zweifel an dieser Version der Geschichte. Dafür gibt es zu viele Ungereimtheiten.

Währenddessen lässt Shou seine ungebändigte Wut an einem zufälligen Baum aus.
"Dieser Baum hat dir noch nichts getan", geht es im durch den Kopf, was Nori in so einer Situation zu ihm sagen würde.
"Verdammt, gibt es eigentlich irgendwas an dem sie nichts rum zu meckern hat?"
Er rammt seine geballte Faust wiederholt gegen das Holz bis schließlich sogar Blut an seinen Fingern klebt.
"Selbst Schuld", ertönt wieder Noris Stimme in seinem Kopf und wenn seine aufgeschrammten Finger nicht schon vor Schmerzen pochen würden, dann würde er weiter gegen den Baum schlagen, auch wenn sich dies jeglicher Logik entbehrt und keinerlei Vorteile mit sich bringt.

Ihm ist einfach danach.
Und das nicht nur in diesem Moment. Seit er Nori kennt fühlt er sich immer häufiger danach zu Mute wahllos auf Dinge einzuschlagen. Es ist für ihn selbst unfassbar wie er sich nach all der Zeit immer noch so von ihr fertig machen lassen kann. Man sollte doch zumindest davon ausgehen, dass man sich nach knapp zehn Jahren an die einem zugewiesene Rolle gewöhnt. In der Nähe von Nori kommt aber niemand klar. Ein Wunder, dass er und Kubo noch nicht wahnsinnig geworden sind.

Vor allem seit sie in den letzten drei Jahren kaum noch eine Pause einlegen und ununterbrochen von einem Drama ins nächste gestoßen werden.

Doch sind Shou in letzter Zeit vermehrt Zweifel in den Sinn gekommen.
Warum wurde damals er für all das ausgewählt? Wie lange wird er das alles noch aushalten können? Und wieso konnte er in all den Jahren keine Fortschritte erzielen?

Seine Kraft und sein Können sind durch die Erfahrung dieser Reise gestiegen, das steht außer Frage. Und doch fühlt es sich so an als würde er immer auf derselben Stelle treten.

Nori davor beschützen sich selbst zu zerstören.
Er tut nichts anderes. Anfangs klang es so als wären Kubo und er tatsächlich die einzigen, die dazu in der Lage wären. Ihnen wurde gesagt sie benötige dringend die Hilfe der beiden.

Aber so langsam fragt er sich immer öfter... wovor muss sie eigentlich beschützt werden? Was ist das, was sie zerstören soll? Und wenn sie das in Nori irgendwann nicht mehr bändigen können... wer beschützt ihn eigentlich vor ihr? Und wieso wird es immer von allen so dargestellt als wäre es ein Privileg, nur weil dieser Befehl vom Feudalherren persönlich kommt? Wieso kümmert er sich nicht selbst darum, wenn sie so wichtig ist?!

Er würde es sich niemals wagen den Feudalherren in Frage zu stellen... zumindest dachte er immer, dass man das nicht könnte. Aber so öfter sie nur knapp dem Tod entrinnen, desto mehr Fragen kommen ihm auf. Fragen, die ihm allerdings keiner beantwortet. Weder Nori, noch Kubo oder der Feudalherr. "Dies ist kein Wissen, dass für eure Mission von Nöten ist" heißt es, wenn er danach fragt. Und Nori, über die er trotz all der Zeit nichts weiter weiß, ignoriert ihn einfach, wenn er nur irgendetwas wissen will. Dabei haben Kubo und er ihr mehr als nur ein Mal das Leben gerettet.

In dieser Sekunde geht Kubo und Shou beiden dasselbe durch den Kopf.
"Wann hat all das begonnen?"

(Dramatische Rückblende, just because I can)

Schnellen Schrittes geht der Junge auf seinen gleichaltrigen Freund - der gerade eine Pause vom Training nimmt - zu.
"Shou, der Meister ruft uns zu sich."
Genannter blickt überrascht auf. "Ich dachte er hat wichtigen Besuch und wir sollen ihn nicht stören?"

Kubo zuckt daraufhin nur mit den Schultern. "Ich habe nicht gefragt, vielleicht ist er bereits fertig."

Auch wenn sie nicht wissen, was ihr Clan-Oberhaupt mit ihnen besprechen möchte, ist Shou sofort wieder voller Tatendrang.
"Na dann werden wir ihn nicht warten lassen!"

Beim Haus des Oberhauptes angekommen, bietet seine Frau den Jungen - während ihr Mann noch beschäftigt ist - Kekse an. Shou schaufelt das trockene Gebäck nur so in sich rein, während Kubo nur aus Höflichkeit einen isst.

"Entschuldigt, dass ihr beiden warten musstet", meint das Oberhaupt der Miyamotos sanft lächelnd. "Ich sehe es schmeckt dir, Shou. Du kannst dir ja später noch ein paar Kekse mitnehmen. Würdet ihr mir beide kurz folgen?"

Kubo steht als erster von seinem Platz auf und folgt dem Oberhaupt.
Shou dreht sich in der Türe nochmal zu dessen Frau um.
"Danke für die Kekse!"
"Für dich doch immer, mein Lieber", erwidert sie lächelnd.

Kaum, dass beide Jungen Platz genommen haben, tritt eine ihnen unbehagliche Stille ein. Dennoch versucht Shou seinen Optimismus bei zu behalten.

"Also worüber willst du mit uns reden, Meister?", fragt er direkt nach, doch die angespannte Atmosphäre lockert sich nicht.

"Hört mir gut zu", startet das Clan Oberhaupt. "Seit Generationen ist unser Clan für seine speziellen Versiegelungstechniken bekannt. Neben dem Uzumaki-Clan gibt es im Feuerreich keine anderen, die so weit auf diesem Gebiet bewandert sind."
Er legt eine dramatische Pause ein, die Kubo ahnen lässt, dass das, was kommt, nichts gutes bedeutet.

"Eigentlich seid ihr zu jung dafür... doch bleibt keine Zeit mehr zu warten bis ihr die nötige Reife entwickelt habt. Ich werde euch jetzt in die Geheimnisse unseres Clans einweisen."

Nach dieser sogenannten Einweisung waren beide Jungen auf die schrecklichste Weise verstört.

Shou sind an diesem Abend all die Kekse oben wieder in einem Schwall von Kotze wieder raus gekommen.

"Ich werde euch die einzige Technik, die dies unterdrücken kann, im nächsten Monat einprügeln. Und dann werdet ihr als stolze Vertreter des Miyamoto-Clans eure Leben in die Hände unseres Feudalherren geben."

Das waren die letzten Worte die er an diesem Abend sagte, bevor er sie wegschickte.

Es handelte sich dabei um keine Untertreibung. Der Monat darauf war für beide damals die Hölle. Doch verglichen damit, was sie seitdem alles erwartet hat, war es gar nichts.

RiversidesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt