Einige Wochen später...
Es war der 05. November, ein kühler und regnerischer Tag. Die Tage wurden wieder kürzer, was aber nichts an der Wärme in meinem Herzen änderte, wenn Julia mir in die Augen sah. Es war ein ganz normaler Freitag, als ich von einem lauten Geräusch geweckt wurde. Kerzengerade saß ich im Bett und schaute mich um. Stille. Dann folgte ein Aufschrei. Was zur Hölle war das? Völlig verschlafen quälte ich mich aus dem Bett und schlich zum Fenster. Oh, Gott! Direkt vor meiner Haustür war ein Autounfall, aber es schien allen gut zu gehen. Ein kleiner Opel Corsa fuhr einem BMW zu dicht auf, wie es schien und sie krachten zusammen. Trottel, dachte ich nur und sah auf die Uhr. Eigentlich klingelte mein Wecker erst in 20 Minuten, aber jetzt war ich wach. Deshalb ließ ich mir extra viel Zeit in der Dusche und auch beim Frühstück.
Voller Vorfreude auf Julia fuhr ich dann schließlich los zur Schule. Vor ungefähr zwei-drei Monaten hatten wir uns kennengelernt. Als sie das erste Mal das Klassenzimmer betrat, spürte ich schon dieses Knistern zwischen uns. Es war besonders. Das wussten wir beide. Die letzten Wochen hatten wir intensiv genutzt, um uns besser kennenzulernen. Dabei hatte ich mich immer mehr in diese wundervolle Frau verliebt. Die Tatsache, dass ich ihre Lehrerin war, erschwerte es uns natürlich sehr. Wir mussten immer vorsichtig sein, durften nie zusammen gesehen werden. Jeder einzelne Kuss hätte das Ende von unserer Beziehung sein können. Und von meinem Job. Hätte mir jemand vor drei Monaten erzählt, dass man sich innerhalb von wenigen Wochen so heftig verlieben kann, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Man muss das selbst erleben. So wie ich, so wie wir. Ich konnte mir mein Leben ohne Julia nicht mehr vorstellen. In der Zwischenzeit hatte ich mich auch wieder mit Michael getroffen. Er zeigte ernsthaftes Interesse an mir, was ich aber nicht erwidern konnte. Ich wollte nur Freundschaft und er stimmte zu. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass er jede Gelegenheit nutzte, um mich vom Gegenteil zu überzeugen.
Durch ein Klopfen an meiner Autoscheibe wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. »Was soll das denn werden, wenn du fertig bist?«, begrüßte Julia mich leise mit einem dicken Grinsen. Oh. Ich stand auf meinem gewohnten Parkplatz und starrte in die Luft. »Bin irgendwie in meinen Gedanken versunken«, murmelte ich und stieg aus. Am liebsten hätte ich ihr einen Kuss auf ihre Lippen gelegt, aber wir waren auf dem Schulhof. »Was machst du morgen Abend?«, fragte Julia mich gespannt. Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht, also antwortete ich: »Noch nichts. Aber du wirst es mir sicherlich gleich sagen.« Nun musste auch ich grinsen. »Ich habe mir etwas überlegt. Meine Eltern fahren morgen zusammen mit deinen Eltern für eine Nacht weg. Komm um 19 Uhr zu mir und bring Hunger mit.« Die Neugier breitete sich in meinem gesamten Körper aus. Plötzlich drehte Julia sich um und tänzelte ins Gebäude. Ohne ein weiteres Wort. Sie warf mir noch einen geheimnisvollen Blick zu, dann war sie verschwunden. Wie sollte ich das nur bis morgen aushalten? Mittlerweile kannte ich sie ziemlich gut und ich wusste, sie würde nicht mit der Sprache herausrücken. Ich musste artig bis morgen warten.
Im Lehrerzimmer traf ich dann auf Luisa. Sie schaute mich etwas grimmig an. Was hatte ich denn nun schon wieder getan? »Ich dachte, du wolltest Michael eine Chance geben.« Okay, deshalb also ihr merkwürdiges Verhalten. »Ja, das habe ich. Aber ich bin dafür einfach nicht bereit. Das habe ich ihm auch gesagt. Er ist ein toller Mann, aber ich empfinde nichts für ihn. Ich möchte nur mit ihm befreundet sein. Mehr nicht.« Sie runzelte die Stirn. »Hast du noch einmal mit Julia gesprochen?«, flüsterte sie mir zu. Ich musste schlucken. Seit Wochen verheimlichte ich meiner besten Freundin, dass ich mit meiner Schülerin zusammen war. Ein mieses Gefühl, aber was sollte ich machen? »Ja, wir konnten es klären.« Ihre Stirn legte sich noch mehr in Falten. »Sicher? Wenn irgendetwas wäre, hättest du es mir doch gesagt, oder?« Verdammter Mist. Warum musste sie denn alles immer hinterfragen? »Natürlich hätte ich das. Ich muss jetzt auch los. Der Unterricht fängt gleich an.« Hastig sammelte ich meine Sachen zusammen und verließ dann fluchtartig den Raum. Luisas besorgten Blick konnte ich im Rücken spüren.
Die Stunden zogen sich hin wie Kaugummi. Doch dann kam endlich die Sportstunde mit meiner eigenen Klasse. Mit Julia. Mittlerweile fand der Sportunterricht wieder in der Turnhalle statt, denn für den Sportplatz war es viel zu kalt. Auf dem Plan für heute stand Volleyball. Wie ich bereits wusste, war Julia ein echter Profi und es fiel mir wirklich schwer, meine Augen von ihr abzuwenden. »Klasse gespielt«, sprach ich etwas Lob aus. Wir wollten uns möglichst normal verhalten, doch trotzdem bekam ich Gänsehaut, als sie mir den Ball überreichte, unsere Haut sich kurz berührte und sie mich anlächelte. Idiotisch erwiderte ich ihr Lächeln. »Euch ein schönes Wochenende, wir sehen uns Montag«, rief ich den letzten Schülern hinterher, als bereits alle die Halle verließen. »Ich hoffe doch nicht, dass ich bis Montag warten muss«, raunte sie mir zu. Manchmal fragte ich mich, wie mein Herz diese kleinen Aussetzer nur verkraftete. »Natürlich musst du das. Was auch sonst? Du bist meine Schülerin. Da gibt es keine gemeinsamen Aktivitäten am Wochenende«, neckte ich sie streng und streichelte liebevoll kurz über ihren Arm. Dann ging ich in meine Umkleidekabine, zog mich um und fuhr nach Hause. Da Julia heute zu einem Geburtstag eingeladen war, verbrachte ich den Abend alleine.
Gegen 23:30 Uhr vibrierte mein Handy. »Bist du noch wach?«, fragte Julia mich bei WhatsApp. »Ja, kann irgendwie nicht einschlafen.« Kaum hatte ich die Nachricht abgeschickt, rief sie mich an. »Ich vermisse dich.« So meldete sie sich am anderen Ende. »Ich dich auch. Sehr sogar.« Ein Seufzen ihrerseits. »Ich wäre jetzt unglaublich gern bei dir.« Ihre Worte taten gut. Ich antwortete: »Frag mich mal. Ich will nicht nur von dir träumen. Ich will dich fest umschlungen in meinen Armen halten und jeden Zentimeter deiner Haut küssen. Jeden Tag. Und weißt du, warum ich das möchte? Weil ich so verdammt verliebt in dich bin.« Ich konnte ihr zufriedenes Lächeln am anderen Ende der Leitung hören. »Ich bin auch verliebt in dich.« Dann legten wir beide auf.
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Sturzflug ins Herz || txs
Romantik»Ich glaube, ich bin verliebt.« Meine beste Freundin Luisa sah mich mit ausdrucksloser Miene an. »Nele, das ist doch wunderbar. Gibt es doch endlich wieder einen Mann an deiner Seite?« Wortlos schüttelte ich den Kopf und in ihrem Blick erkannte ich...
