»Mist«, hörte ich Julia leise fluchen. Langsam öffnete ich die Augen und da stand sie vor mir und grinste mich verschmitzt an. »Tut mir leid, ich wollte dich nicht wecken. Ich habe dir Frühstück gemacht.« Dabei hielt sie ein langes Tablett hoch. »Mir ist es gerade nur fast runtergefallen. Dann wäre meine ganze Mühe umsonst gewesen.« Unter dem Tablett befanden sich vier kurze Holzbeine. Das war ganz praktisch, denn so konnte man gut im Bett frühstücken. Sie stellte es ab. Nun konnte ich sehen, was es gab. Sie hatte Rührei gemacht, dazu gab es Brötchen, für jeden ein Schälchen Obstsalat und was natürlich nicht fehlen durfte - der Kaffee. So hatte ich mir den Sonntag schon immer vorgestellt. Frühstück im Bett, mit dieser einen besonderen Person. »Das sieht wundervoll aus«, schwärmte ich. »Danke«, sagte sie und ich konnte ihr die Freude im Gesicht ablesen.
»Wann kommen eigentlich deine Eltern wieder?«, wollte ich wissen. Sie grinste mich an. »Ich habe schon mit ihnen telefoniert. Sie kommen heute Abend erst wieder. Das heißt, dass wir noch den ganzen Tag zusammen haben. Aber nun lass uns doch erstmal frühstücken. Ich habe schrecklichen Hunger.« Julia setzte sich zu mir ins Bett. Jetzt konnte ich mich in aller Ruhe in ihrem Zimmer umsehen. Ich war hier bereits einige Male gewesen, aber immer nur kurz oder wenn es dunkel war. Ihre Wände hatten einen schönen grünen Farbton. Dazu hatte sie die passende Bettwäsche, die mit kleinen Blumen gemustert war. Ein großer Schreibtisch befand sich schräg gegenüber auf der rechten Seite von uns. Dort lagen ihre Schulsachen und ein MacBook. Darüber hing eine Pinnwand mit vielen Fotos, Konzertkarten und Postkarten. Ich erkannte Nina auf einem Bild. Sie war mittlerweile eine gute Freundin von Julia und die beiden verstanden sich super. Weiter links stand ein volles Bücherregal. Sie hatte so viele Bücher, dass gar nicht alle dort reinpassten und sie überall im Zimmer verteilt lagen. Mein Blick ging weiter gegen den Uhrzeigersinn. Dort stand ein geräumiger Kleiderschrank. Einige Pflanzen schmückten ihr Zimmer. Ich sah wieder nach rechts. Dort befand sich der Zugang zum Balkon. Auf diesem konnte ich zwei Stühle erkennen und einen kleinen runden Tisch. »Erde an Nele, hallo, Erde an Nele.«
Julia schnippte mit ihren Fingern vor meiner Nase umher. »Du Träumerin! Ich rede die ganze Zeit mit dir und du hörst mir gar nicht zu.« Ich konnte merken, dass ich rot wurde. »Tut mir leid. Ich war gerade mit meinen Gedanken woanders.« Sie lachte. »Ich hoffe doch, dass du nicht bei anderen Frauen warst?« Ich starrte sie an. »Oh, Gott. Nein, natürlich nicht. Die einzige Frau, an die ich denke, bist du.« Gespielte Erleichterung in ihrem Gesicht. »Dann bin ich ja beruhigt.« Ich schnappte mir mein Brötchen und belegte es. Dann nahm ich meine Kaffeetasse in die Hand und trank einen Schluck. Das tat gut. Nach dem Frühstück brachten wir alles zurück in die Küche und gingen dann ins Bad, um Zähne zu putzen. »Ich habe noch gar keine Lust, jetzt aufzustehen«, hörte ich sie plötzlich in mein Ohr flüstern. Ich bekam eine Gänsehaut. Ihre Stimme hatte so einen unfassbar reizenden Klang, der mich um den Verstand brachte. »Dann lass uns doch zurück ins Bett gehen«, sagte ich und drehte mich zu ihr um. Ein verführerisches Lächeln umspielte ihre Lippen und sie zog mich zurück in ihr Zimmer. Sie schloss die Tür hinter sich und fing an mich zu küssen. Jede einzelne Berührung von ihr fühlte sich gut an und brachte mein Herz wild zum Klopfen. Ihre Küsse wurden immer fordernder. »Ich kann nie genug von dir bekommen«, raunte sie mir lustvoll ins Ohr. Ich musste Luft schnappen. Auf dem Weg zum Bett hatten wir uns bereits von unseren Klamotten befreit. Wir hatten beide nur noch unsere Unterwäsche an. Ich war hingerissen von Julias Schönheit. Geschickt öffnete sie mir mit zwei Fingern meinen BH. Ich wollte es auch bei ihr machen, aber es wollte mir nicht gelingen. Das musste ich wohl noch etwas üben, dachte ich still.
»So ein Mist«, schimpfte ich. »Alles gut«, murmelte sie und öffnete ihn selbst. Es war mir etwas unangenehm, aber sie schien es nicht zu stören. Jedenfalls zeigte sie es nicht. Ich schob den Gedanken daran zur Seite und fing an, ihr über die Brust zu streicheln. Sie schloss die Augen und lächelte. Dann tauschte ich meine Finger gegen meine Zunge ein und Julia entfuhr ein leichtes Keuchen. Mir gefiel, dass sie mir ausgeliefert war. Langsam kreiste ich umher, bis ich dann mit meiner Zunge immer schneller wanderte. Nach kurzer Zeit nahm ich dann wieder meine Finger zur Hilfe. Sie stöhnte laut auf und krallte sich mit ihren Fingernägeln fest ins Kopfkissen. »Oh, was machst du nur mit mir?«, wollte sie völlig außer Atem wissen. Ich dachte, ich hätte endlich die Macht über sie, doch dann wechselte sich das Blatt. Plötzlich lag ich unten und sie verwöhnte mich. Ich ließ es zu und plötzlich überkamen mich wieder diese wunderschönen Gefühle. Wir küssten uns heftig, dann war es vorbei und wir lagen wieder Arm in Arm in ihrem Bett. Es sollte nie enden. Den restlichen Tag schauten wir uns Filme an und kuschelten uns nackt aneinander. Langsam wurde es draußen schon etwas dunkel. »Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe.« Enttäuscht und niedergeschlagen sah sie mich an. »Nele? Ich will nicht, dass du gehst.« Das wollte ich auch nicht. »Leider kann ich nicht länger bleiben. Deine Eltern werden sicherlich bald kommen.« Ihre Mundwinkel gingen nach unten. Meine Julia war unglücklich und es brach mir das Herz.
»Ich weiß, dass ich gesagt habe, dass wir das hin bekommen. Aber es ist so schwer für mich. Alles zwischen uns muss geheim gehalten werden, obwohl jeder wissen soll, dass ich die tollste Frau an meiner Seite habe.« Ich nickte zustimmend. »Ich weiß. Für mich ist es auch nicht einfach. Jedes Mal, wenn du in der Klasse sitzt und unsere Blicke sich treffen, verliere ich für einen Moment den Faden. Ich würde dann am liebsten zu dir kommen und dich küssen. Aber es geht nicht. Noch nicht. Wir haben es bald geschafft. Du bist im letzten Jahr und hast bald deine Prüfungen. Die Zeit wird rasend schnell vergehen.« Sie drückte leicht meine Hand. »Aber wer weiß, was danach ist.« Ich musste schlucken. Was meinte sie? »Was soll danach sein?«, fragte ich leise. »Ich weiß nicht. Ich hoffe einfach, dass es zwischen uns so bleibt und wir vielleicht ein richtiges Paar werden. Ich möchte dich auch in der Öffentlichkeit küssen und berühren dürfen.« Genau das wollte ich auch. »Wir bekommen das hin, mein Schatz.« Für einen Moment zuckten ihre Mundwinkel und sie musste grinsen. »Was ist?«, wollte ich von ihr wissen. »Mein Schatz? Das hast du noch nie zu mir gesagt.« Nun musste ich auch grinsen. »Da kannst du mal sehen, was ich alles so sage.« Ich schnitt eine Grimasse und zog mich an. Sie brachte mich zur Tür. Ich gab ihr noch einen letzten Kuss. »Wir sehen uns morgen.« Sie nickte und lächelte verkrampft. »Ja, bis morgen.« Ich stieg ins Auto und fuhr nach Hause. Als ich später im Bett lag, vibrierte mein Handy. Eine Nachricht von Julia. »Dieses Vermissen ist sogar noch schlimmer, wenn wir mehr Zeit miteinander verbracht haben. Jetzt liege ich hier alleine in meinem Bett und du bist nicht da. Du fehlst mehr, als ich es ertragen kann.«
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Sturzflug ins Herz || txs
Romance»Ich glaube, ich bin verliebt.« Meine beste Freundin Luisa sah mich mit ausdrucksloser Miene an. »Nele, das ist doch wunderbar. Gibt es doch endlich wieder einen Mann an deiner Seite?« Wortlos schüttelte ich den Kopf und in ihrem Blick erkannte ich...
