Kapitel 27

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Verdammt, was war das?
Fabian, der sich geschockt von seinem Stuhl erhoben hatte, starrte Regina an.
"Geh und schau, was da los ist!"
Doch dann hörte sie auch schon einen Schlag gegen die massiven Türen.
"Sie kommen! Sie haben die Torwachen ausgeschaltet und sind bis hier vor gedrungen!"
Fenster zersprangen und Schüsse füllten den ganzen Raum.
Fuck! Valentin!
Dann rannte sie los.
Zurück in ihr Zimmer, in der Hoffnung, dass ihr kleines Eigentum noch immer dort war.
Doch als sie ankam, war er es nicht.
Sie rannte zu einem Schrank, holte eine Pistole wie auch ein paar kleine Messer, die sie sicher verstaute, hervor.
Dann lief sie zu Valentins Zimmer.
Sie riss die Tür auf.
"Valentin! Komm mit! Sofort! Wir werden angegriffen. Ich muss dich in Sicherheit bringen!"
Valentin, der gerade dabei war, sich umzuziehen, riss überrascht die Augen auf.
"Was... was ist passiert?"
"Wir haben keine Zeit für Erklärungen! Komm jetzt!"
Er schnappte sich seine restlichen Klamotten, dann wurde er auch schon nach draußen gezogen.
Dort erreichte mitterweile auch Philipp die Beiden.
"Bring ihn in Sicherheit und warte da! Wenn ihm was passieren sollte, mache ich dich dafür verantwortlich, ist das klar?"
"Ja, Herrin. Komm mit, Valentin!"
Phillip zog Valentin mit sich die Treppe hinunter, vorbei an endlosen Gängen mit zahlreichen verschlossenen Türen. Immer wieder bogen sie um Ecken, rechts, links, dann nochmal rechts.
Nach einer halben Ewigkeit blieben sie endlich vor einer Holztür stehen.
Philipp zog einen Schlüssel hervor, öffnete die Tür und schob Valentin vorsichtig hinein.
Vor den Beiden war eine zweite Tür. Massiv und grau aus Beton, die mit einem Zahlenschloss versehen war.
Er verschloss die Erste wieder und schlängelte sich dann vor ihn.
"Rücke mal ein Stückchen zur Seite, bitte", wies er Valentin an.
Dann öffnete er eine kleine Lucke unter der eine Kamera zum Vorschein kam.
Diese führte eine Art Scan von Phillips Augen durch.
"Philipp Clifford. Sklave und Besitz von Herrin Regina"
Dann gab er eine Code ein und schließlich öffnete sich die Tür.
"Ganz schön viel Arbeit für nur eine Tür oder?"
"Ja, aber die führt zu so ne Art Panikraum. Schussfest, Bombenfest, Lava, Wasser und Erdbebensicher. Wäre schade, wenn man dann so leicht rein könnte oder?"
Valentin nickte "Bist du der Einzige, der Zugang hat?"
"Nein. Viele haben ihren Eigenen. Fabio zum Beispiel und natürlich Regina. Du sagst deinen Namen, deine Stellung und gibst dann deinen persönlichen Code ein. Nur unsere Herrin hat den Zentralcode."
"Das bedeutet, selbst wenn ich deinen wüsste..."
"bräuchtest du meine Stimme und mein Auge zum Scannen", unterbrach Phillip ihn und vollendete damit seine Gedanken.
"Komm jetzt, wir müssen uns in Sicherheit bringen!"
Er schob die Tür zur Seite und sperrte sie hinter den Beiden sofort wieder zu. Der Panikraum war gigantisch und glich eher einer modernen Wohnung.
"Wow. Unter Panikraum habe ich mir eher eine Couch und vielleicht einen Fernseher vorgestellt. Aber das ist der Wahnsinn. Größer als meine Wohnung zu Hause!"
Phillip grinste "Ja, Regina scheut echt keine Kosten und Mühen, wenn es um Sicherheit geht. Aber naja, als Millionerin hast du wohl fast alle Möglichkeiten offen"
"Millionerin?", Valentin starrte ihn mit offenem Mund an.
Er lachte kurz auf, "Ich dachte, das wäre klar, wenn man sich Reginas Villa, ihre Autos und das Personal so anschaut. Oder hast du zu Hause auch  7 Wagen und knapp 50 Untergebene?"
"Nein, es sind nur 3 Autos und 30 Mitarbeiter", sagte er in einem sarkastischen Ton.
"Du solltest dich evtl mal anziehen", Philipp musterte ihn mit einem amüsierten Blick.
Er stand halb nackt vor ihm. Trug nur einen sexy schwarzen Tanga und eine beige Hose. Den Rest der Kleidung hatte er noch immer in seiner Hand.
"Oh, ähm ja. Das habe ich in der ganzen Aufregung voll vergessen."
Schnell zog er sich das weiße Hemd an, knöpfte es bis zum vorletzten Knopf zu und krempelte die Ärmel nach oben.
"Du siehst gut aus."
"D... danke", er errötete leicht.
"Ich hoffe, sie kriegen den Angriff schnell unter Kontrolle. Es macht mich wahnsinnig, hier unten zu sitzen und nicht helfen zu können. Als Sklave unserer Herrin sollte ich bei ihr sein und sie mit meinem Leben beschützen."
"Das ist sehr mutig von dir. Aber ich glaube, es bringt Regina am Meisten, wenn du hier unten in Sicherheit bist. Ich weiß nicht, warum... aber es scheint ihr sehr wichtig zu sein, dass mir nichts passiert. Aber ich verstehe sie einfach nicht. Im einen Moment tut sie mir weh, benutzt mich als wäre ich nichts wert und im nächsten Moment ist sie so liebevoll zu mir. Das ist so verwirrend!"
"Das glaube ich dir gern. Aber so ist sie nunmal. Sie ist unberechenbar. Du bedeutest ihr unglaublich viel. Sie würde ohne mit der Wimper zu zucken töten, was dir schadet. Sie ist kalt, aber sie beschützt, was ihr gehört."
Dann herrschte Stille. Philips Worte hallten in Valentins Kopf wider. Könnte es seinI, dass auch sie etwas für ihn empfand?

Regina rannte die Treppen hinunter in Richtung des Lärms.
"Was ist passiert?"
"Wir werden angegriffen! Irgendwie haben sie die Alarmanlage des Tors deaktiviert und die Wachposten außer Gefecht gesetzt. Dann haben sie sich in der Nähe des Waldstücks versteckt und auf die richtige Gelegenheit gewartet.
"Wieso ist das niemandem aufgefallen?!", fauchte Regina gereizt. Sie konnte sich so einen Fehltritt nicht leisten. Vorallem einen so Banalen.
Ihr leitender Befehlshaber verneigte sich tief: "Verzeiht. Zwei der Angreifer haben die Uniform unserer Wachmänner getragen. Der Rest trägt ein dunkles Königsblau mit einem orangefarbenen Löwenkopf auf der rechten Seite der Brust."
"Manuel...", riefen Regina und Fabio fast gleichzeitig.
"Er ist wieder da! Ich hab es kommen sehen, aber noch nicht so bald. Ein so direkter Angriff passt nicht zu ihm."
"Und wenn es Taktik ist? Wenn er versucht dich einzuschüchtern und deine Leute zu schwächen?", überlegte Fabio nachdenklich.
"Das ist gut möglich. Aber so einfach mache ich es ihm nicht! Wieviele sind es?", richtete sie nun ihre Frage an ihren Oberbefehlshaber.
"Ungefähr 15 an der Zahl. Wir konnten bereits 5 außer Gefecht setzen, Miss"
"Gut, wir teilen uns auf. Egal, was passiert, sie dürfen auf keinen Fall hier rein und erst recht nicht in das Archiv!"
"Jawohl!", mit einem knappen Nicken machte er dann kehrt und fing an den Wachen, die draußen standen, seine Befehle zu zubrüllen.
"Wir müssen so schnell wie möglich herausfinden, was er vor hat!", richtete Fabio seine Worte an Regina als die Beiden wieder allein war.
"Ich weiß...", mit einem ernstes Blick wandte sie sich ihm zu.
"Und dieses Mal werde ich nicht zulassen, das mir irgendjemand oder irgendetwas den Menschen nimmt, den ich...", sie stockte.
"Den du... liebst? Sag bloß, du liebst dein kleines Spielzeug?!", sagte er mit einem breiten Lächeln.
"Ich... das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür! Ich hab schon mal jemanden verloren und das wird sich ganz bestimmt nicht wegen deines Fehlers wiederholen!"
Fabios Grinsen verschwand augenblicklich:"Ich weiß, Regina. Ich werde diesen Fehler nie wieder gut machen können, aber ich würde mein Leben dafür geben, wenn ich es könnte."
Für einen Moment herrschte Stille. Sie konnte die Aufrichtigkeit in seinem Blick sehen, doch es änderte nichts an dem Schmerz des Verlustes, den sie durchlebt hatte.
Gerade als sie so in ihren Gedanken war, hörte sie es plötzlich. Das Summen, das sich mit rasender Geschwindigkeit auf sie zu bewegte.

Black AngelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt