38. zweisamer Monolog

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Sind die alle von dir?" Ich bin nicht nur fasziniert, sondern begeistert. Bienes Bilder... so sanft und warm – ist das überhaupt noch meine kleine Fledermaus? Und wie kommt sie auf grün, wenn sie versucht, mich zu malen? Nein, nicht mich. Sondern – ich weiß auch nicht – mein Wesen? Das, was mich ausmacht?

Während ich von Bild zu Bild schweife und mich in jedes einzelne von ihnen verliebe, nimmt Biene hinter mir wieder ihre Pinsel zur Hand und setzt ihre Arbeit fort. Es ist fast wie früher, nur dass sie nicht mehr sehen kann, wie ich staune.

Wow, ich liebe sie. Alle! Ich hatte keinen Schimmer, dass du mich so siehst." Und vor allem hatte ich keine Ahnung, dass Bilder solche Gefühle wecken können.

„Du warst immer so... konstant. Und sonnig. Und ich nicht. Ich dachte, ich könnte auch sonnig sein. Aber jetzt weiß ich, dass es nur deine Strahlen waren, die mich wärmten."

Das ist Blödsinn, Biene. Du bist der liebste Mensch, den ich kenne. Als du in mein Leben gekommen bist, fing es doch erst richtig an!"

Sie atmet tief ein und wieder aus. Ich möchte sie berühren. Ich möchte sie trösten. Stattdessen habe ich das Gefühl, mit leeren Händen vor ihr zu stehen. Dabei waren sie noch nie so gefüllt wie jetzt, nach meinem Tod. Aber es nützt nichts – ich bleibe... tot.

„Ich habe alles kaputt gemacht." Nun weint sie wieder.

Was kann ich tun?

Komm zurück...

Ich bin doch bei dir.

Komm zurück und werde alt mit mir...

Es geht weiter, bitte glaube mir... es lohnt sich. Du hast dir so viel vorgenommen für dieses Leben... viel mehr als ich.

Du fehlst mir so sehr, dass es wehtut...

Der Schmerz... ich weiß. Und er gehört unbedingt dazu. Er bedeutet, dass du geliebt hast; dass du wirkliche Liebe empfinden kannst. Ist das nicht großartig...?

Ich kann nicht mehr...

Nein. Nein, sag das nicht. Du kannst es nicht sehen, aber trotzdem ist es wahr – wundervolle Erfahrungen warten auf dich. Sie sind es wert, weiter zu gehen...

Ohne dich ist alles wertlos...

Ohne dich bin ich zu klein...

Ohne dich ist alles zu schwer – Arme, Beine, Atmen... alles

Was kann ich tun? 

Nichts, also weine ich mit ihr...

SeelenwegeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt