5. Wo wir schonmal hier sind...

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Seltsamerweise verspüre ich immer noch keine Angst. Nein, ich bin nicht so blöd zu glauben, dass mein Leben wirklich gut war. War es nicht.

Da gab es immer; und vor allem immer wieder; Dinge, die ich gern anders gemacht hätte. Oder lieber gar nicht. Es gab so vieles, das ich vielleicht nicht hätte sagen sollen. Ach, ich weiß auch nicht. Aber Angst haben? Dazu fühlt sich die Stimme zu gut an. So durch und durch ... wohl gesonnen. Ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, wann jemals überhaupt jemand so freundlich zu mir gewesen ist. Und das nicht einmal besonders wegen der Worte.

Ich fühle mich... angenommen. Und während ich noch darüber nachgrüble, wie es mir gerade geht, fließt diese gutmütige Präsenz wieder in mein Bewusstsein und macht sich durch ein Lächeln bemerkbar. Es lässt sich nicht besser erklären, zumal ich ja niemanden sehe. Sie ist einfach da. Sie versteckt sich nicht und verbirgt ihre Stimmung nicht vor mir. Bin ich auf Drogen? Diese Möglichkeit möchte ich nicht vorschnell ausschließen.

Es ist nicht möglich, das Bewusstsein in diesem Zustand durch Drogen zu erweitern.

Wieder so ein Happen, den ich scheinbar einfach schlucken soll. Oder lieber nachfragen? Mir ist immer noch nicht ganz klar, was wir hier eigentlich tun. Da ich aber, wie es scheint, erst einmal festsitze, kann ich mich auch genauso gut darauf einlassen.

„Und warum nicht?" frage ich.

Wir sind erweitertes Bewusstsein. In diesem Zustand ist nichts verborgen. Alles ist klar.

Kann ich nicht wirklich behaupten.

Du wirst dich erinnern.

„Das sagtest du schon. Wer bist du überhaupt, hast du einen Namen?"

Namen sind nicht notwendig. Wir sind eins. Du fühlst, was ich fühle und umgekehrt.

„Und wenn ich dich anreden möchte?"

Dann sag einfach Du. Oder Wir, denn wir sind eins.

Ich möchte gerne noch viel mehr fragen, befürchte jedoch langsam eine Gehirnwäsche. Da dieses... Wesen jedoch darauf zu warten scheint, dass ich etwas tue oder sage – oder denke? – reiße ich mich zusammen. „Wo sind wir hier?" Das Lächeln, da ist es wieder.

Wir sind in Gott.

Ach du liebe Scheiße! „Wie jetzt, in seinem Bauch?!"

Wir sind überall in Gott. Ob in menschlicher Form oder als reines Bewusstsein.

„Ok, aber wo? Ich meine, ist das hier der Himmel oder so?"

Wir verwenden diesen Begriff nicht, denn er trifft nicht zu. Dies ist kein Ort. Hierfür gibt es keine Koordinaten.

„Kannst du das so formulieren, dass ich es auch verstehe?"

Wir sind Seelen. Wir sind unendlich und somit überall. Wir setzen uns keine Grenzen. Wir sind für immer. Gott ist ein Begriff des menschlichen Geistes. Doch da er beschreibt, was wir sind, betrachten wir ihn als zutreffend.

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