11. Gespräch › Krebs
„Hey Noah. Ich bin Paul. Keine Angst, ich werde dir nichts antun. Deine Krankenschwester hat mir gesagt, dass du kurz Zeit und die Kraft hättest, für ein Gespräch. Wäre das okay?"
„Ja, wieso nicht. Mir war sowieso langweilig."
„Das freut mich so hören. Kann ich mich auf den Stuhl hinsetzen?"
„Klar."
„Also, Noah. Wie geht es dir?"
„Naja, für ein Kind, das weiß, dass es nicht mehr lange leben wird, ausnahmsweise gut, und dir?"
„Mir geht's auch gut, danke der Nachfrage. Waren denn deine Eltern dich heute schon besuchen?"
„Ja, das waren sie. Bis vor einer zwanzig Minuten oder so, aber ich hatten dann meine Mutter gebeten, mir meine Lieblingscomic zu kaufen und mein Vater hatte etwas sehr wichtiges zu erledigen."
„Na, dann bin ich aber froh, dass ich hier bin."
„Ja, ich auch. Du scheinst echt nett zu sein, Paul."
„Du auch, Kleiner. Wie alt bist du überhaupt?"
„Ich bin erst sechs Jahre alt."
„Und wie lange bist du schon krank?"
„Seit zwei Jahren."
„Das tut mir leid, Noah."
„Wen interessiert es? Sterben werde ich sowieso."
„Hey, du darfst so nicht denken. Weißt du denn, wie lange du noch leben wirst?"
„Soweit ich weiß, nicht lange. Vielleicht ein paar Monaten, oder sogar Wochen."
„Das ist echt traurig zu hören, Noah.."
„Glaubst du der Tod tut weh?"
„Was?"
„Ob du glaubst, dass der Tod wehtun wird?"
„Ich weiß es nicht.."
„Es muss doch weh tun, oder nicht?"
„Du solltest über sowas nicht nachdenken, Kleiner."
„Doch sollte ich, denn bald werde ich sterben, und ich ... ich habe Angst, Paul."
„Weißt du Noah, so ein starker Junge wie du, sollte keine Angst vor dem Tod haben."
„Ich bin nicht stark."
„Doch, das bist du. Du bist so jung und so stark. Du hast so vieles hinter dir und du weißt, dass noch viele Sachen dich erwarten werden, dennoch lächelst du. Du bist ein sehr, sehr starker Mensch, Noah."
„Danke."
„Und weißt du, du solltest keine Angst vor dem Tod haben. Nicht so ein wundervoller Mensch. Gott wird immer auf dich aufpassen, und es wird dir dort oben viel besser gehen."
„Danke, Paul."
„Nichts zu danken. Sag mal, magst du Superhelden?"
„Ich liebe Superhelden."
„Weißt du, zufälligerweise habe ich ganz viele Superhelden-Comics in meinem Rucksack. Hättest du Lust, dass ich dir dort etwas vorlese und wir uns die Bilder anschauen?"
„Das wäre so toll. Danke, danke, danke!"
„Aber versprichst du mir, dass du dann immer so breit grinsen wirst?"
„Ich verspreche es dir."
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Humans
Ficción GeneralPaul John ist ein 19-jähriger Student, welcher für seine Universität ein halbes Jahr eine Reise angeht und mit 40 verschiedenen Menschen ein Gespräch führt. © wakeuphumanity, 2016
