4. Gespräch | Annyka (Hautfarbe)

318 63 9
                                        

4. Gespräch — Hautfarbe
Annyka [🇳🇬]

‹‹››

"Wieso hast du zugelassen, dass sie sich so angeht?"

„Egal, was ich auch mache, manche Menschen werden mich immer noch als Farbe ansehen und nicht als Menschen."

„Du darfst nicht zulassen, dass man dich so behandelt."

„Irgendwann fehlt einem einfach nur noch die Motivation. Aber danke, dass du dich neben mich hingesetzt hast. Ich hätte zehn Stunden neben dieser rassistischen Frau nicht ausgehalten. Ich heiße Annyka, übrigens."

„Paul! Ich sitze sehr gerne neben dir, Annyka. Mich interessiert es überhaupt nicht, welche Hautfarbe du hast."

„Danke, Paul."

„Darf ich fragen, ob du sowas oft erlebst?"

„Sehr oft. Schon im jungen Alter hat es angefangen, dass ich wegen meiner Hautfarbe fertiggemacht geworden bin. Meine Kindheit habe ich in Nigeria verbracht, weswegen ich sowas nicht erleben musste. Als Teenager sind meine Eltern und ich dann nach Amerika umgezogen. Und dort wurde es dann ziemlich schnell ziemlich schlimm."

„Das ist so schlimm."

„Leider. Es ist wirklich traurig mitanzusehen und mitzuerleben wie Menschen mit einer dunkleren Farbe behandelt werden. Nicht nur Schwarze, sondern auch Personen aus Südasien und Nordafrika. Sie müssen genauso mit Rassismus wegen ihrer dunklen Hautfarbe umgehen."

„Das stimmt. Es ist furchtbar, was einige Menschen durchstehen müssen. Etwas, was viele von uns sich niemals vorstellen können. Ich schäme mich immer so, wenn ich weiße rassistische Menschen sehe."

„Es ist wirklich schlimm, aber du gehörst nicht zu denen und das ist das Einzige was für mich zählt. Es sind aber nicht nur viele Weiße rassistisch. Sondern auch hispanische oder südländische."

„Diese nehmen sich das Recht, das N-Wort zu benutzen, weil sie ja auch eine dunkle Hautfarbe haben, nicht wahr?"

„So ist es. Und sie haben absolut kein Recht auf das."

„Niemals. Wie gehst du mit Rassismus um, Annyka?"

„Wie du vorhin schon miterlebt hast, bleibe ich entweder einfach still oder ich distanziere mich von dem Hass."

„Du solltest dich wehren, Annyka. Je mehr du still bleibst, desto weniger werden sie aufhören. Sprich! Sag ihnen, dass es falsch ist. Bring ihnen bei, dass sich sowas nicht gehört, damit sie aufhören und nicht weitermachen."

„Danke, Paul. Ich werde es mehr versuchen."

„Natürlich, Annyka!"

„Also, fliegst du weiter oder bleibst du in Istanbul?"

„Ich bleibe dort für einige Tage. Du?"

„Ich fliege weiter nach Georgien."

„Das hört sich sehr cool an!"

„Ich freue mich schon sehr. Also, erzähl. Was hast du so vor in Istanbul?"

„Sehr gerne! Schließlich fliegen wir noch einige Stunden."

HumansWo Geschichten leben. Entdecke jetzt