1. Gespräch | Yasin (Muslim)

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1. Gespräch — Muslim
Yasin [🇪🇬]

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„Salam aleikum."

„Wa aleikum as-Salam."

„Ich hoffe ich habe das richtig ausgesprochen! Mein Name ist Paul!"

„Das hast du mein Sohn! Ich freue mich, dass du mich so angesprochen hast. Ich bin Yasin."

„Ist es für Sie in Ordnung, wenn ich Sie einige Fragen stelle? Ich mache zurzeit nämlich eine Weltreise und diese beginnt heute mit Ihnen als erstes Gespräch."

„Aber liebend gerne! Willst du irgendetwas über Ägypten wissen? Bist du zum ersten Mal in Kairo?"

„Ja, ich bin zum ersten Mal hier. Bin erst heute angekommen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir etwas beibringen möchten. Aber eigentlich würde ich auch gerne über Ihre Religion lernen."

„Ach? Natürlich kann ich dir deine Fragen über den Islam beantworten! Ich freue mich immer, wenn junge Menschen lieber nachfragen und lernen, anstatt einfach zu kritisieren."

„Das kann ich sehr nachvollziehen, Yasin!"

„Setzen wir uns dahin?"

„Liebend gerne. Dieses Moschee ist sehr schön!"

„Das ist es! Ich hatte hier erst vorhin meinen Freitagsgebet."

„Jummah, stimmt's?"

„Gewiss. Wieso weißt du denn das?"

„Ich habe viele Freunde, die dem Islam angehören und habe durch sie viel dazugelernt. Aber eigentlich ist das ja sowieso Allgemeinwissen. Darf ich Sie fragen, wie Sie so gut Englisch sprechen? Sie haben einen britischen Akzent. Ich hoffe das ist nicht schlimm!"

„Ach, gar kein Problem, mein Sohn. Ich verstehe es, dass du mich fragen willst. Ich habe vor dreißig Jahren in England studiert und war auch immer sehr viel Reisen. Außerdem finde ich die englische Sprache sehr schön und sehr wichtig!"

„Das stimmt! Also, Yasin. Eigentlich habe ich sehr viele Fragen, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!"

„Frage ruhig, was du möchtest!"

„Wie stehen Sie zu dem ganzen Terroristen Thema?"

„Furchtbar. Ich hasse es. Im Koran steht genau, dass der Islam gegen jegliche Anwendung von Gewaltanwendung ist. Diese furchtbaren Menschen machen genau das, was im Koran nicht geschrieben ist. Religionen hin oder her — Mord ist das allerschlimmste was man machen kann. Keine unschuldige Seele hat das verdient!"

„Da stimme ich Ihnen zu! Was bedeutet eigentlich Allāhu Akbar?"

„Das bedeutet übersetzt „Allah ist am größten"!"

„Verstehe! Wie finden sie es, wenn Leute keine Religionstoleranz zeigen?"

„Mich stört es sehr. Ich möchte meine eigene Religion in Frieden leben. Genau wie jeder anderer Mensch das auch machen sollte!"

„Haben Sie schonmal mit islamfeindlichen Menschen zutuen gehabt?"

„Leider ja, sehr oft sogar. Ich wurde oft beschimpft und ausgeschlossen, als ich in Europa studierte. Auch Drohungen habe ich oft bekommen."

„Das ist wirklich schlimm, Yasin! Es tut mir leid, dass du sowas durchgehen musstest."

„Es ist alles schon lange her, mein Sohn. Hier in meinem Heimatland passiert mir sowas verständlicherweise nicht!"

„Zum Glück! Darf ich Sie fragen, wie Sie zur Homosexualität stehen?"

„Mein Sohn! Weißt du, meine Eltern erzogen mich auch damit auf, dass gleichgeschlechtliche Liebe nicht normal ist, aber ich finde das einfach nur schwachsinnig. Wenn ein Mann eben auf einen Mann und eine Frau auf eine Frau steht, dann ist es, wie es ist. Warum regt man sich denn immer über solche Sachen auf? Es gibt schlimmere Sachen, als dass ein Mann einen Mann und eine Frau eine Frau küsst. Ja, es steht im Koran vielleicht, dass dies nicht normal sei, aber es steht ebenso, dass man Menschen nicht verletzen muss. Und ich entscheide mich dafür, dass ich Menschen nicht verletze."

„Das haben Sie schön gesagt."

„Danke, Paul! Bist du eigentlich christlich?"

„Genau! Aber eigentlich habe ich seit ich sehr jung bin, nichts mehr mit Religionen zutun. Ich habe für mich selbst entschieden, dass es für mich das Beste ist, wenn ich meinen Weg ohne einen Glauben weiterführe!"

„Das verstehe ich, Paul! Und ich finde es gut, dass du das Richtige für dich gefunden hast. Ich freue mich umso mehr, dass du trotzdem dich für andere Religionen interessierst und nachfragst."

„Das ist selbstverständlich, Yasin."

„Möchtest du noch weitere Sachen wissen?"

„Jetzt habe ich noch keine Fragen mehr, danke! Aber ich bin noch einige Zeit hier. Wäre es für Sie in Ordnung, wenn Sie mir etwas über die Stadt zeigen würden? Damit ich mich nicht alleine fühle, da ich keinen Menschen hier kenne."

„Aber sehr gerne, mein Sohn! Komm! Du hast sicherlich Hunger, oder?"

„Den habe ich ja."

„Hier gibt es sehr leckere Restaurant's. Dann kannst du mir sicher erzählen, wo du noch genau hingehen willst und was du noch vorhast!"

„Sehr gerne!"

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