Mit langsamen Schritten lief ich auf die Tür zu. Würde es seltsam werden? Das konnte ich auch nur dann herauskriegen, wenn ich herein lief, aber ich traute mich nicht ganz. Seine Abweisung saß noch tief in meinen Knochen. Hatte ich etwa den Bogen überspannt, mich billig benommen? Völlig entnervt fuhr ich mit beiden Händen über mein Gesicht. Ich kratzte meinen ganzen Mut zusammen und trat durch die Tür.
Ladislao saß auf dem Bett und massierte sich seine Schläfen. Wahrscheinlich hatte er einen Kater. Er hatte mich nicht einmal bemerkt, als ich herein kam. Irgendwie tat er mir leid in dem Moment. Ich lief ins Bad und nahm aus dem Medizinschrank Aspirin heraus. Wieder im Zimmer füllte ich ein Glas mit Wasser. In diesem Haus standen auch überall Gläser und Getränke.
„Trink das", reichte ich ihm das Wasser und die Tablette.
Er sah kurz auf und nahm sie mir ab.
„Danke", hauchte er als er getrunken hatte und reichte mir das Glas, welches ich annahm, auf die Kommode stellte und mich auf die Bettkante setzte, sodass ich ihm gegenüber saß.
„Brauchst du sonst was?", fragte ich ihn monoton.
Er sah mich nicht an, sondern starrte die Bettdecke an. Ich sagte nichts mehr, da ich nicht aufdringlich sein wollte.
„Ich... danke, dass du dich um mich gekümmert hast. Ich kann mich noch vage an den Morgen erinnern."
Er sah weiterhin auf die Decke. Mittlerweile war sein Gesicht richtig angeschwollen, hier und da zierten Blutergüsse seine Haut. Dieser stark aussehende Mann war innerlich gebrochen, was ich in dem Moment wirklich erkennen konnte und irgendwie schmerzte diese Erkenntnis in mir.
„Hab' ich gern gemacht", lächelte ich ihn an, obwohl er mich nicht ansah. „Ich bringe dir was Leichtes zu essen."
Mit den Worten stand ich auf und lief in die Küche. Ich überlegte mir, was ihm in dieser Lage gut tun würde. Meine Wahl fiel eigentlich auf eine Suppe, aber wie machte man diese? Ich wusste nicht mehr weiter, weshalb ich beschloss, Camilla um Hilfe zu bitten. Sie war gerade sowieso in der Küche und bereitete noch das Essen zu.
„Kannst du mir vielleicht helfen?", fragte ich sie schüchtern.
„Natürlich."
„Ähm, Ladislao geht es gerade nicht so gut. Ich habe mir gedacht, dass ihm eine Suppe vielleicht wohl täte."
„Okay, soll ich eine kochen?", fragte sie mich unsicher.
„Nein, nein, du musst mir nur zeigen, was ich tun soll", meinte ich daraufhin nur. „Ich will dich nicht von deiner Arbeit aufhalten."
Das war nur eine Ausrede, da ich ihn unbedingt selber bekochen wollte.
Nach einer halben Stunde hatte ich es endlich geschafft, eine Suppe fertig zu bekommen und lief mit dem Tablett in der Hand hoch. Ich klopfte kurz an und trat herein. Er saß noch auf dem Bett, weshalb ich dahin lief und ihm das Tablett auf den Schoß legen wollte. Er nahm es mir ab und setzte sich aufrechter hin.
„Danke, Kleines", kam es leise von ihm.
Er fing an langsam seine Suppe auszulöffeln. Ich musste leicht lächeln dabei. Es schien als wäre alles wieder irgendwie normal, er hatte mich mit „Kleines" angesprochen.
Ladislao war mit seinem Essen fertig, ich schenkte ihm noch ein Glas Wasser und beobachtete ihn weiterhin. Er stellte die leere Schüssel und das Glas mit dem Tablett auf die Kommode und sah mich an. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm abwenden und so kam es, dass wir uns in die Augen sahen. Mich beschlich das Gefühl, dass er etwas sagen wollte, aber nicht wusste, wie er anfangen sollte, als würde er nach den richtigen Worten suchen. Es wurde unangenehm, denn ich wollte nicht hören, dass er alles bereute und... und ja...
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Zwei Frauen✅
Romance"Die Straßen wurden mein Zuhause, der Boden mein Bett, die Nacht meine Decke. Vergessen wie eine Ratte, verdammt zu einem Leben in einer Gasse." Vor weniger Zeit lebte Crystal noch auf den Straßen. Nun sollte sie die Frau eines der reichsten Männer...
