Kapitel 36

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Ladislao ließ einen Wagen bringen, damit wir schnell zum Flugplatz konnten, um von da aus wieder in ein Privatjet einzusteigen. Wir wollten schnellstmöglich Zuhause ankommen. Ich traute mich kein Wort zu sagen und blieb einfach stumm. Mein Mann schien in seinen Gedanken versunken zu sein und ich wollte ihn nicht drängen. Was in ihm vorging, konnte ich überhaupt nicht einschätzen. Nachdem wir mit einem Wagen abgeholt wurden und nach Hause gefahren waren, ging Ladislao direkt seinen Vater finden, der sich in dem Flügel des Anwesens befand, in welchem er wohnte. Es war das erste Mal, dass ich in diesen Teil des Hauses kam.

„Vater!", brüllte Ladislao einmal durch den Korridor.

Am Ende des Ganges öffnete sich eine Tür und zum Vorschein kam er.

„Kommt ruhig", meinte er leise und hielt uns die Tür auf, als wir vor ihm standen.

Der Raum war ähnlich wie Ladislaos Arbeitszimmer eingerichtet. Wir setzten uns auf das Sofa, welcher in der Ecke des Raumes platziert war und Alfonso saß auf dem Sessel daneben.

„Was ist passiert?", fragte Ladislao.

„Wir wissen es auch nicht. Am Morgen hörten wir einen Schuss, rannten dahin, wo wir vermuteten, den Klang gehört zu haben und sahen sie, nachdem wir einige Räume abgeklappert hatten. Ich ging in dein Büro und sie lag so da..."

Alfonso wirkte erschöpft und lehnte sich auf die Rückenlehne zurück, als er augenblicklich seine Lider schloss. Ladislao stand abrupt auf und lief mit eiligen Schritten vor. Alfonso und ich wechselten einen fragenden Blick, ehe wir wie abgesprochen gleichzeitig aufstanden und ihm folgten. Als er vor seinem Büro ankam, schlug er mit einem Ruck die Tür auf. Ein Gestank drang aus dem Raum, den ich nur zu gut kannte. Blut.

„Wo ist sie?", brach Ladislaos Stimme, als er schluckte.

„Ich habe sie in die alte Fabrik bringen lassen, wir konnten unmöglich die Leiche hier lassen."

Die eine Wand war stark mit Blut bespritzt, wahrscheinlich hatte sie sich davor erschossen. Ladislao schritt zu dieser Wand und berührte die Tropfen. Da sie die Leiche schnell gefunden hatten, gab es auch keine große Lache im Raum, aber Spritzer gab es in dieser Seite des Zimmers viele. Angelies Rollstuhl stand blutverschmiert vor dieser Wand. Ladislao hielt sich an der Armlehne fest und kniete davor. Ich fühlte mich hilflos und verloren. Sollte ich ihn trösten? Ihr Tod ging mir ebenfalls nah, da ich sie auch etwas kannte, aber das war natürlich nichts Vergleichbares mit seinem Verlust. Paar Schritte vor gelaufen ging ich ebenfalls in die Hocke und schlang meine Arme um seinen Torso.

„Das tut mir so leid", flüsterte ich in seinen Rücken und drückte einen Kuss auf sein Schulterblatt.

Er kniete einfach nur da, sagte nichts, regte sich keineswegs. Aus dem Augenwinkel sah ich wie Alfonso niedergeschlagen aus dem Raum ging und uns alleine ließ.

„Es ist meine Schuld", hörte ich Ladislao sagen.

„Sag so etwas nicht", wisperte ich.

„Ich hätte bessere Umstände für sie erschaffen können, stattdessen habe ich sie hier eingesperrt."

Daraufhin konnte ich nichts mehr erwidern, denn irgendwo stimmte das, was er sagte. Dass er sie hier behielt war einfach nur egoistisch und falsch. Natürlich würde ich das ihm gegenüber nicht laut erwähnen, denn diese Sache ging mich nichts an, es hatte nichts mit mir zu tun und so hatte ich auch nichts zu melden. An diesem Tag machten wir auch nicht mehr viel. Das Arbeitszimmer wurde gesäubert und Ladislao saß nur auf einen der Sessel, die vor seinem massiven Tisch standen und starrte die blutbefleckte Wand an. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte oder wie ich ihm behilflich sein konnte. Ihn so zu sehen schmerzte in mir, mein Herz ertrug es nicht. Dennoch konnte ich nichts tun, außer für ihn da zu sein. Er wollte nichts essen oder trinken. Den restlichen Tag starrte er nur diese dreckige Wand vor sich an. Ich hatte Angst, dass er sich in einem Schockzustand befand. Nach sechs Stunden hatte ich genug und ging ein weiteres Mal in sein Büro. Immer noch saß er wie vorher da. Ich schritt zu ihm und legte eine Hand auf seine Schulter, was er vollkommen ignorierte.

Zwei Frauen✅Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt