Anevay schrie auf, als sich die Zähne des Pumas in ihren Oberschenkel bohrten. Majara griff nach dem großen Stein und schlug damit mehrmals auf den Kopf des Tieres ein. Blut tropfte auf die harte Erde. Die Pferde gingen nun endgültig durch, aber für sie hatte Majara keine Zeit. Sie stieß den Puma weg und hätte selbst fast aufgeschrien, als sie sie große, klaffende Wunde sah.
Zwei Männer kamen angerannt. Sie mussten Anevay gehört haben. Sie stellten keine Fragen. Der tote Puma auf dem Boden erklärte alles. Hoben sie einfach wortlos hoch.
Majara ließ die Hand ihrer Großmutter den ganzen Weg durch das Dorf nicht los. Der Schock saß noch immer tief in ihren Knochen.
Anevay hatte sie gerettet. Wäre sie nicht gekommen, würde Majara jetzt anstatt des Pumas auf dem Boden liegen.
In der Hütte des Medizinmannes angekommen, wurde sie weggeschickt. Anevay brauchte Ruhe und auch der Medizinmann selbst wollte nicht gestört werden. Das gefiel Majara nicht, obwohl sie wusste, wie gut ihre Großmutter dort aufgehoben war.
Der Medizinmann war ein erfahrener Mann, der wusste was er tat und zudem gut mit Anevay befreundet war. Viele der Krüge, in denen er seine Kräuter aufbewarte, hatte Anevay für ihn getöpfert.
Majara hoffte nur, dass die Kräuter noch nicht zu verwelkt waren, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Winter neue zu finden war so gut wie unmöglich.
Es gab nichts zu tun für Majara und das machte sie wahnsinnig. Sie konnte jetzt nicht einfach vor dem Feuer sitzen und warten. Also ging sie zu Anevays Arbeitsplatz.
Im Winter konnte ihre Großmutter nicht malen oder töpfern, da es gut sein konnte, dass Farben und der Ton gefrohren. Zu dieser Zeit schnitzte sie des öfteren. Sie war gut.
Majara betrachtete die Werke, die Anevay in der letzten Zeit gefertigt hatte. Zu ihrer Verwunderung waren es hauptsächluch Eulen. Sie alle hatten etwas schönes, aber auch beängstigendes an sich. Anevay war wirklich eine begnadete Künstlerin. Gerne hätte Majara all das Jenny gezeigt.
Bevor ihre Großmutter die Hütte verlassen hatte, hatte sie wohl gerade eine Schnitzerei zuende gebracht. Majara war gerade dabei, die Späne vom Boden wegzufegen, als sie mitten in der Bewegung inne hielt. Anevays neustes Werk war wie alle anderen schön und schrecklich zu gleich, aber das war es nicht, warum sie Majara so fesselte. Dieses Mal war es keine Eule geworden.
Es war eine Katze.
Fassungslos sah Majara sie an. Anevay hatte diese Figur geschnitzt, kurz bevor sie ihre Enkelin vor dem Puma beschützt hatte. Dieser Zufall war nucht nur äußerst unwahrscheinlich, sondern auch ziemlich gruselig.
Majara wollte schon los und ihre Großmutter dazu zu befragen, da fiehl ihr ein, dass diese ja auf einem Krankenbett lag und wahrscheinlich schlief. Das war Majara gerade sehr unpassend, denn es gab noch eine andere Frage, auf die sie gerne eine Antwort gehabz hätte. Sie fragte sich, woher ihre Großmuter, wo sie war und das sie Hilfe brauchte. Majara konnte sich nicht erinnern gerufen zu haben. War sie nur zufällig vorbei gekommen? Wenn ja, war das heute schon der zweite große Zufall, der mit Majaras Großmutter zusammenhing.
Doch das war das geringste Problem, wenn diese eine Verletzung am Bein hatte und in nächster Zeit nicht laufen konnte. Nicht laufen konnte. Anevay konnte nicht laufen.
Mit einem Schlag wurde Majara bewusst, was das bedeutete. Anevay würde nie und nimmer in der Lage sein, über sechshundert Kilometer zu laufen, was den Trail of tears unmöglich für sie machte. Und selbst wenn man sie mit der Eisenbahn, oder mit Booten transportieren würde, dann musste sie da erst einmal hinkommen.
Panik machte sich in Majara breit. Das durfte alles nicht wahr sein.
Sie stürmte los. An ihrer Mutter vorbei, die gerade eintrat, bis zur Hütte des Medizinmannes.
"Anevay, Anevay!", schrie sie,"wach auf. Wir müssen hier weg. Sie kommen. Sie kommen und nehmen dich mir weg. Du darfst nicht sterben."
Anevay sah ihr mit fiebrigen Augen verwirrt entgegen. Nicht weniger verwirr sah der Medizinmann aus, der aufstand und auf sie zukam.
"Beruhig dich Mädchen. Du stehst noch unter Schock."
An das, was danach kam, erinnerte sie sich nicht mehr. Sie musste wieder eingeschlafen sein...
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Der Schrei der Eule
Fantasía1838-Der Trail of tears steht kurz bevor. Die Weißen zwingen die Indianer ihre Heimat zu verlassen und in den Südosten der USA auszuwandern. 2017-Die Nachfahren der Indianer leben in einem Reservat im heutigen Oklahoma. Ansonsten scheint die ganze W...
