Mit verheulten Augen sitze ich wieder in der Dunkelheit und habe das Gesicht in meinen angewinkelten Beinen und Armen vergraben. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er ihn umgebracht hat. Einfach so. Als wäre es nichts gewesen, als wäre es nicht ein Menschenleben gewesen, das er mit einem Schlag ausgelöscht hätte.
Leise schluchze ich auf. Wenn er mit einer solchen Leichtigkeit einen unschuldigen Menschen tötet, der mich bloß retten wollte, was hat er dann mit mir vor? Und wieso lebe ich überhaupt noch, wenn er den anderen innerhalb weniger Sekunden mit einem Schlag ermordet hat? Wieso bringt er ihn um und lässt mich weiter am Leben? Ich begreife es nicht. Was ist der Sinn dahinter, mich in einem Wohnwagen ohne Licht und nur mit dem wirklich nötigsten zum Überleben gefangen zu halten?
Er hätte ihn nicht töten dürfen. Harry ist unschuldig gewesen und hat mir nur helfen wollen, hat mich aus seinen Fängen retten wollen. Und dafür hatte er mit seinem Leben büßen müssen. Als wäre er nicht bereits genug gestraft gewesen. Nach den Worten des Clowns bin ich mir sicher, dass ihm jemand das angetan hat. Jemand hat ihm die Lippen zugenäht ohne seine Einstimmung. Auch wenn es mir noch immer unbegreiflich ist, wieso jemand sowas tun sollte.
Ist es vielleicht sogar der Clown gewesen? Er erscheint mir unberechenbar.
Ich hätte nicht versuchen dürfen zu fliehen, dann wäre Harry jetzt noch am leben. Es ist meine Schuld, es ist meine verdammte Schuld, dass er jetzt tot ist. Das schlechte Gewissen plagt mich unheimlich, zu wissen, dass wenn er mir nicht geholfen hätte ihn der Clown nicht umgebracht hätte. Es ist alles meine Schuld.
Vielleicht sollte ich doch besser sterben, bevor ich noch jemand weiteres hier mit reinziehe. Ich sollte das alles einfach hinter mir lassen und lernen abzuschließen. Bis dato ist mein Leben gut gewesen und das muss reichen, zumindest scheint es so. Was bleibt mir auch für eine andere Wahl? Bevor ich noch einen weiteren Unschuldigen in die Sache hineinziehe gebe ich mich lieber geschlagen.
Plötzlich höre ich, wie die Tür unter ächzen aufgeht und ich öffne schnell die Augen. Eine dunkle Gestalt betritt den Raum, schließt jedoch gleich wieder die Tür hinter sich. Ich höre Schritte durch den Raum laufen, dann ein weiteres Geräusch, von dem ich mir sicher bin, dass es sich um den Eimer handelt, den der Maskierte bei mir vergessen hat nach meinem Fluchtversuch. Die Schritte laufen wieder weiter und ich halte den Atem an. Handelt es sich tatsächlich um den Maskierten? Ist er noch zornig, weil ich bei meinem Fluchtversuch ihn reingelegt habe? Mein Körper verkrampft sich erwartungsvoll und ich schließe schnell wieder die Augen.
„Ich weiß, dass du wach bist."
Sofort öffne ich die Augen wieder und kann vage die Umrisse des Mannes erkennen, aber nicht deutlich genug. Obwohl sich nach all der Zeit meine Augen mehr und mehr an die Dunkelheit gewöhnt haben nützt mir das wenig, wenn es nichts gibt, dass einen Kontrast zu dieser liefert und mich so Konturen erkennen lässt.
Manchmal fürchte ich mich vor dem, was sich in dieser Finsternis befindet. Eigentlich sollte ich wissen, dass bis auf mir dieser Raum leer ist. Aber es ist die Ungewissheit kombiniert mit meiner eigenen Vorstellungskraft, die mich Dinge vorstellen lassen und mir eine Heidenangst machen.
Die Schritte hallen wieder durch den Raum und ich höre, wie dabei Wasser über den Eimerrand schwappt. Ich kneife die Lippen zusammen und ziehe die Beine an meinen Oberkörper. Das schlechte Gewissen macht sich ein weiteres Mal in mir breit, diesmal jedoch nicht wegen Harry. Nicht nur. Der Maskierte ist netter zu mir gewesen als der Clown, wenn man mal davon absieht, dass er mich genauso hier festhält. Aber der maskierte Mann hat mir sogar Essen, Trinken, ja sogar Dinge, mit denen ich mir die Zähne putzen kann, gegeben. Dafür bin ich ihm noch immer unglaublich dankbar und ich spüre wieder die Umrisse der Zahnbürste und Zahnpasta in meinen Hosenbeinen.
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captured | ✓
Horror»You want to believe in black and white, good and evil, heroes that are truly heroic, villains that are just plain bad, but I've learned in the past year that things are rarely so simple. The good guys can do some truly awful things, and the bad guy...
