EMail für dich

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Das Wochenende verbrachte Marie damit, sich dem kommenden Konzert zu widmen.
Am Freitag hatte sie genügend Zeit, sich eine Liste zu schreiben mit allen Dingen, die sie noch für das Konzert erledigen musste. Diese Liste mailte sie Marvin und konnte dann mit seiner Hilfe eine detaillierte Planung mit genauer zeitlicher Reihenfolge erstellen.
So wusste sie genau, was sie in welchem Zeitraum zu erledigen hatte.
Marvin gab ihr noch einige Tipps zur Umsetzung.
Es war gar nicht so schwer, wenn man wusste worum man sich kümmern musste, dachte Marie. Allerdings war sie schon überrascht, an wie viel Kleinigkeiten man doch denken musste.
Sie war froh, dass sie sich nur um das Organisatorische vor Ort kümmern musste. Die anderen Dinge, wie Kartenverkauf, Einlass und Planung des Konzertes selber, wurde von Marvin organisiert.
Marvin war sehr zufrieden mit ihrer fertigen Planung und schickte ihr sogar ein Smilie zurück! Kurz hatte Marie überlegt, ob sie Marvin nach Paddy fragen sollte. Aber sie beschloss, es nicht zu tun. Sie könnte ihm auch selbst schreiben. Er hatte schließlich gesagt, sie könne ihm jederzeit schreiben.
Aber der Kuss mit dem sie sich verabschiedet hatten, verunsicherte sie total.
Vielleicht bereute er es inzwischen, vielleicht war es nur ein Mitleidskuss gewesen, obwohl es sich nicht danach angefühlt hatte. Marie wusste nicht, was sie tun sollte. Schließlich beschloss sie, noch ein paar Tage zu warten und ihm dann mal zu schreiben, wie weit sie mit den Vorbereitungen war.

Am Abend brachte Thomas Yasmin vorbei.
Wie immer freute sich Yasmin unheimlich, sie zu sehen und fiel ihr in die Arme.
Thomas war sehr kurz angebunden. Marie bat ihn herein, aber er verweigerte.
Er habe es eilig. Aber er wollte sich melden, wann er Yasmin wieder abholen würde.                           Die komische Stimmung zwischen Thomas und ihr stimmte Marie traurig, aber sie versuchte, sich zusammenzureißen. Yasmin sollte so wenig wie möglich von ihren Problemen mitbekommen.


Yasmin hatte ihr einiges zu erzählen. Sie schien mit ihrem Papa viel Spaß gehabt zu haben, was Marie freute. Schließlich wollte sie keineswegs, dass Yasmin zu ihrem Vater ein schlechtes Verhältnis hatte.
Nachdem sie noch ein wenig miteinander gespielt hatten, aßen sie gemeinsam zu Abend. Dann brachte Marie Yasmin ins Bett.
Als Yasmin eingeschlafen war, blieb Marie noch eine Weile an ihrem Bett sitzen und beobachtete sie. Sie sah so friedlich aus, wenn sie schlief.
Marie spürt tief in ihrem Herzen, wie sehr sie ihr kleines Mädchen liebte. Diese Liebe war so groß, dass sie kaum auszuhalten war. Marie rannen einige Tränen die Wangen hinunter, als sie daran dachte, was sie ihr momentan antat.
Was würde ich ihr erst antun, wenn ich mich von Thomas endgültig trenne? Wie kann ich das nur mit meinem Gewissen vereinbaren? dachte sie.
Andererseits möchte ich ihr auch nicht eine heile Familie vorleben, die so nicht existiert. Auch das wäre nicht fair!
Wenn es mir gut geht, geht es meinem Kind auch gut, oder nicht? Ach. Marie seufzte. Es war ganz egal, was sie tun würde. Irgendwie wäre es immer falsch!
Frustriert wischte sie sich die Tränen von den Wangen und verließ auf Zehenspitzen das Zimmer.

Sie holte sich ein Glas Wein aus der Küche und setzte sich an den Computer. Sie wollte mal sehen, was im Forum so los war.
Vorher wollte sie noch schnell ihre eMails checken. Vielleicht hatte Sandra ihr geschrieben.
Als sie den Posteingang geöffnet hatte, traute sie ihren Augen kaum. Das war eindeutig Paddys eMail Adresse. Er hatte ihr tatsächlich geschrieben! Maries Herz begann wie wild zu schlagen. Sie konnte ihren Herzschlag in ihrem Hals vibrieren spüren. So aufgeregt war sie.
Sollte sie die eMail wirklich öffnen? Was, wenn er nur seinen Kuss zurücknehmen wollte?
Oder er erwartete mehr von ihr. Was sie ihm momentan nicht geben konnte?
Maries Gedanken fuhren Achterbahn. Sie war sich gar nicht sicher, was sie eigentlich lesen wollte. Sicher wäre es schön, wenn Paddy mehr für sie empfinden würde. Andererseits war sie sich ihren Gefühlen überhaupt nicht sicher und sie wollte keine falschen Hoffnungen wecken. Also lieber löschen? dachte sie.
Sie stand auf, lief zum Fenster und sah gedankenverloren hinaus. Es regnete mal wieder und sie betrachtete die Regentropfen, die langsam das Fenster hinunterliefen.
Ach Quatsch! dachte sie dann. Marie, du nimmst dich mal wieder viel zu wichtig. Vielleicht möchte er auch nur wissen, ob du Hilfe brauchst für die Planung des Konzerts oder so.
Entschlossen setzte sie sich wieder auf den Bürostuhl, trank einen großen Schluck Wein und klickt auf eMail öffnen.

Ein Geschenk des HimmelsWo Geschichten leben. Entdecke jetzt