Ich scheine Daryl zu Tode erschrocken zu haben und höre ganz plötzlich ein kurzes Klicken und sofort danach den ohrenbetäubenden Knall, seiner Kanone. Ich habe mich erst nicht getraut die Augen zu öffnen als im ganzen Haus die Lichter angehen und eine männliche Stimme schreit,
"Daryl, verdammt"
Schnelle Schritte poltern die Stufen des Hauses hinauf und ich nehme langsam beide Hände vor meinen Augen weg, die ich vor Schreck vor mein Gesicht geschlagen habe. Im Eifer des Gefechts habe ich nicht bemerkt, dass die Kugel an seinem Kopf vorbei, direkt in die Wand hinter ihm geschlagen ist.
"MAYA?", höre ich ihn direkt vor mir fragen.
"Was ist hier...", sagt der Mann hinter mir plötzlich, als er seine restlichen Worte scheinbar verschluckt hat.
"Wie kann das sein?", fragt der Mann nun direkt.
"Was wollt ihr?", gebe ich nun verwirrt zurück.
"Machst du Witze?", fragt er mich wieder und auch er kommt mir irgendwie bekannt und fast schon vertraut vor. Ich weiß nicht was hier vor sich geht, was sie im Schilde führen und ehrlich gesagt, bekomme ich gerade Panik vor den Antworten, die sie mir geben würden.
Ich schüttele meinen Kopf, schupse den Mann an der Treppe zur Seite und mache mich mit rennenden Füßen aus dem Staub. Meine Beine springen die Treppe des Hauses fast herunter und ich reiße schnell die Haustür auf als ich bemerke, dass der ganze Ort in Aufruhr ist und auf das Haus zu stürmt.
Als ich die Stufen der Veranda erreiche, komme ich ins Stolpern und bereite mich schon auf den harten Aufschlag vor aber ich falle in zwei warme Arme.
Der Mann, der mich aufgefangen hat, ist Daryl und sein Griff um meinen Körper wird immer fester, sodass ich mich bedroht fühle.
"Lass mich los!", brülle ich ihn an und versuche mich mit Händen und Füßen zu befreien.
Langsam realisiert er meine Forderung und gibt mich frei.
Als ich mich aufrichte stehe ich inmitten der Dorfbewohner, die einen erschrockenen Kreis um mich gebildet haben.
"Kommt mir nicht zu nahe, sonst bringe ich euch um!", drohe ich nun verunsichert und fuchtele mit dem gezogenen Messer in meiner rechten Hand.
"Maya, was tust du?", fragt die junge Frau vom Tor nun.
Ich blicke ihr fragend in die Augen und schüttele mit zusammen gekniffenen Augen meinen Kopf. Woher kennen mich eigentlich alle hier so genau? Was hat das zu bedeuten? Nach und nach treten die Leute näher an mich heran und ich habe das Gefühl man würde mir meine Kehle zu schnüren.
"Ich sagte, keinen Schritt näher!", schreie ich ihnen nun aggressiv entgegen.
"Lasst sie!", fordert Daryl nun mit ernstem Tonfall.
Ich richte meinen Blick nun zu ihm und fühle diese Anziehung, die von ihm ausgeht. Ich will mich auf diese Art von Gefühlen nicht einlassen. Nicht jetzt, nicht hier, und schon gar nicht mit ihm.
Ich richte das Messer nun auf jeden einzelnen der Anwesenden und entferne mich vorsichtig, rückwärts, Richtung Tor.
"Maya bitte!", kommt Daryl Schritt für Schritt mit mir mit.
"Was willst du von mir?", frage ich laut.
"Du lebst, ich will das du hier bleibst und mir zuhörst.", fordert er eindringlich.
"Wieso sollte ich mir dein Gelaber anhören?", antworte ich schnippisch.
"Ich weiß, was ich getan habe und ich werde mir das niemals verzeihen.", erklärt Daryl nun.
"DU! Du hast mich abgeknallt. Eiskalt wolltest du mich verrecken lassen.", zische ich nun wütend zu ihm.
"Was? Das glaubst du wirklich? Maya, du kennst mich. Ich wollte dich schützen!", lenkt er ein.
"Erzähl nicht so nen Scheiss. Ich wollte zu meinem Vater und als ich dir entwischt bin, hast du kurzen Prozess gemacht und geschossen.", erzähle ich.
"Glaubst du wirklich, ich könnte dir weh tun?", Daryls Stimme bricht ab. Er schluckt schwer und seine Augen schimmern glasig. "Diese Kerle haben dich erschossen. Ich habe dich vor meinen Augen sterben sehen."
"Warum machst du so ein Drama drum? Steh zu deiner Tat!", sage ich direkt zu ihm.
"Ich stehe dazu, dass ich dich zurück gelassen habe. Ich habe dich damals aufgegeben und ich hätte das nicht tun dürfen. Ich habe dir mein Wort gegeben, dich nicht allein zu lassen.", erklärt er nun sanft.
"Wovon zum Teufel redest du da bloß?", frage ich amüsiert.
"Erinnerst du dich an mich?", fragt er mich entschlossen.
"Ich habe alles gehört und mehr muss ich über dich nicht wissen. Wir kennen uns nicht.", sage ich mit überzeugten Unterton in meiner Stimme.
Daryl ist nun immer weiter auf mich zugekommen und die Spitze meines Messer drückt nun gegen seinen Oberkörper.
"Maya Claire Torres, 23 Jahre, Lieblingsfarbe schwarz, hört Conuty, Rock, Metall und Punkmusik, spielt Gitarre und hat zwei Brüder,
Matt und James." erklärt er, als hätte er es einmal auswendig lernen müssen und ich bin erschrocken.
Woher weiß er das alles? Wie kann es sein, dass er all diese kleinen Details über mich kennt? Selbst wenn sie mich gefoltert hätten, aber meine Lieblingsfarbe? Das ergibt für mich alles einfach keinen Sinn. Keiner hier tritt mir als Feind gegenüber.
Als ich all diese Dinge aufnehme, rast ein stechender Schmerz durch meine Kopf und es fühlt sich an, als würde mir der Schädel platzen. Ich spüre, wie meine Beine weich werden und ich zu Boden sacke. Meine Hände verkrampfen und das Messer fällt vor mir auf den Boden.
Ich kann nichts sehen, aber ich habe diese Bilder in meinem Kopf.
Daryl…..überall….ein Dachboden.
"Jolene", entfärt es leise meinen Lippen.
"Kleines!", höre ich Daryl flüstern als er sich vor mich hockt und mein Gesicht in seine Hände nimmt.
"Was passiert hier?", frage ich wimmernd als die heißen Tränen über meine Wange laufen.
"Du bist hier sicher aber du musst mir vertrauen!", bittet er nun.
"Aber wie?", antworte ich.
"Hör auf dein Gefühl und sieh mich an!", erklärt er.
Ich öffne meine nassen Augen und erkenne kein Gesicht, höre keine Stimme mehr sondern erblicke nur dieses Paar Augen vor mir.
Sie sind so schön und so warm, denke ich, als ich mich in diesem Blick fast verliere.
"Bleib! Bitte!", fleht er fast verzweifelt aber ich kann nicht, ich kenne diese Menschen nicht. Was soll ich tun? Irgendetwas stimmt nicht. Meine Erinnerungen sind zwar weg, aber hier wiederspricht sich alles mit dem, was Jesus und mein Vater mir erzählt haben. Ich fühle mich nicht wie eine Gefangene bei diesen Leuten und schon gar nicht wie ein Mordopfer, dieses Mannes.
"Warum?", flüstere ich zu Daryl.
"Weil ich..", sein Satz bricht ab und er schaut zu Boden.
"WARUM?", frage ich nun ernster aber weinend.
"Maya….", erwidert er.
"Ich muss jetzt gehen.", erkläre ich ihm und richte mich auf.
""Bitte! Tu das nicht. Verlass mich nicht nochmal!"
Daryls Blick ist unter seinen Haaren versteckt aber ich kann ein paar Tränen erkennen.
"Dann sag mir warum?", verlange ich.
"Weil….."
"Weil er dich liebt.", schreit nun eine kurzhaarige, ältere Frau in meine Richtung.
"WEIL ER DICH LIEBT!!!"
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Die letzte Rose
RomanceIn einer Welt, welche überhäuft mit Gewalt und Tod ist,wo Blut an allen noch mit Leben gefüllten Händen klebt, gedeiht ganz langsam etwas Neues. Eine ganz kleine Rose, die einem fast verloren geglaubtem Herz aus Stein wieder Liebe einhaucht. Wenn e...
