Ich erwache, weil mich das laute Vogelgezwitscher hier im Wald, aus meinen Träumen reißt. Als ich mit meinem Arm neben mich fasse, bemerke ich, dass ich allein im Bett liege. Daryl ist nicht mehr hier und in dieser Welt, jagt mir das einen höllischen Schreck ein. Schnell springe ich unter der Decke hervor und schlüpfe in meine Schuhe. Sie waren das Einzige, was ich gestern ausgezogen habe, weshalb ich schnell und verschlafen aus der Hütte rennen kann. Meine Haare hängen wirr am Kopf herum und ich sehe wahrscheinlich aus, wie eine Hexe.
Mit schnellem Schritt renne ich heraus und schaue mich panisch um. Niemand ist hier und hören kann ich auch keinen der Männer. Langsam beginnt mein Herz zu rasen. Was, wenn Daryl sich nicht beherrschen konnte und auf Cole losgegangen ist? Mein Onkel ist weltoffen aber auch gefährlich und würde sich diese eifersüchtigen Zicken nicht gefallen lasse.
Als ich völlig angespannt und konzentriert zwischen all den Holzhütten stehe und lausche, höre ich plötzlich ein schallendes Gelächter, aus dem Wald, hinter dem Lager.
Ich wusste, dass hier etwas passiert ist und renne wie eine wahnsinnige durch das Gebüsch. Ich springe über Äste und Steine und presche mit einem irren Tempo hinter den Bäumen vor.
Was ich sehe, lässt meinen Atem stocken. Ich stehe plötzlich an einem kleinen See und die Sonne, spiegelt sich auf der Wasseroberfläche. Alles erscheint ruhig und friedlich außer, die beiden Männer, die mich nun völlig verdutzt anschauen.
"Kleines? Was ist passiert? Du siehst aus als wäre der Teufel hinter dir her.", stellt Cole erschrocken fest.
"Oder als sei sie selbst der Teufel.", grinst Daryl nun abwertend und Cole verkneift sich ein lautes Lachen.
"Ach, ist ja herzallerliebst, das ihr euren Spaß habt.", schimpfe ich laut auf beide ein und sie heben zum Schutz ihre Hände hervor.
"Ich war allein und dachte es ist etwas passiert. Es hätte ja sein können, dass ihr euch die Köpfe einschlagt. "schreie ich sie nun an aber sie lachen beide nur über mich und meine Erscheinung.
"Mach Mal halblang! Wir sind Männer und regeln das schon!", erklärt Daryl mit Unverständnis. Ich fühle mich auf den Schlips getreten, dass er mich nicht versteht.
"Ich habe mir Sorgen gemacht.", flüstere ich nun mit gesenktem Kopf und ich kann aus meiner stehenden Position das Gesicht von meinem sitzenden Redneck erkennen. Sein Lachen vergeht ihm und er lenkt ein.
"Alles cool. Wir fischen nur etwas."
"Genau. Kleines komm her und erzähl mir etwas von deiner Reise.", winkt mein Onkel mich nun in seinen Arm.
"Was möchtest du wissen?", frage ich ihn.
"Na alles!", sagt er interessiert und strahlt mich an. Ich weiß nicht genau, ob ich nicht doch die ein oder andere Situation ausschmücken sollte, aber das ergibt sich wahrscheinlich im Laufe dieses Gesprächs. Daryl wird mir gespannt zuhören, um endlich mehr Details über mich zu erfahren, dessen war ich mir bewusst.
"Naja, ich hatte mich im Wald verlaufen, als ich wiedermal aus dem Lager von Dad abgehauen bin. Eine Horde Beißer, verfolgte mich und mein einziger Ausweg war ein leerer Baumstamm.", erkläre ich Cole.
"Typisch. Sie ist ständig abgehauen. Wahrscheinlich wieder übereilt und ohne Waffen!", lacht Cole nun zu Daryl.
"Ja genau. Ich hatte nichts dabei und konnte nur warten, dass sie an mir vorbeiziehen. Ich war irgendwann so erschöpft, dass ich eingeschlafen bin und wurde am Morgen unsanft, aus dem Stamm gezogen.", fahre ich fort und blicke böse zu Daryl.
"Was? Hättest ja sonst wer sein können.", antwortet er unschuldig schauend.
"Ach? Er hat dich gefunden damals? Ist ja nen Ding.", sagt Cole nun amüsiert.
"Naja jedenfalls nahm er mich mit zu seiner Gruppe und zu diesem Ort an dem sie Leben. Ich wurde freundlich von ihnen aufgenommen und in der ganzen Zeit sind sie ein fester Bestandteil für mich geworden.", sage ich und mein Onkel lächelt stolz.
"Unsere Kleine Luci ist endlich eigenständig geworden."
"Wieso eigentlich Luci?", fragt Daryl nun und ich kann ernstgemeintes Interesse erkennen.
"Sie heißt zwar Maya aber sie wird dir von ihrer Mutter erzählt haben?", fragt Cole ihn nun und Daryl nickt.
"Ein wenig."
"Unsere Kleine hier, heißt eigentlich Maya Lucille und sie ist das Ebenbild meiner Schwester. Herzensgut, aufopfernd und bildschön allerdings auch völlig dickköpfig und launisch." sagt er und ich erkenne das Grinsen in Daryls Gesicht.
"Willst du noch etwas wissen?", unterbreche ich die beiden, eingeschnappt.
"Entschuldige, natürlich! Sprich weiter.", antwortet mein Onkel.
"Wir sind oft auf Besorgungstouren gefahren und dort wurden wir das eine Mal überfallen.", erzähle ich, als mein Atem stockt und Daryls Gesichtsausdruck sich verhärtet. Mein Onkel bemerkt es natürlich sofort.
"Was ist passiert?", fragt er nun einfühlsam und schaut mich an.
"Es waren zwei Kerle, die uns hinterrücks überfielen. Erst Daryl und als ich ihn suchen wollte, hatte dieser Kerl mich.", flüstere ich nun.
"NEIN!", erschreckt Cole plötzlich und ich erkenne, dass er sofort versteht was passiert ist.
"Wer? Und wo ist er. Gott ich zerreiße diesen Hurensohn ist der Luft.", knurrt mein Onkel nun zutiefst gefährlich und selbst Daryl weitet seinen Blick.
"Er ist Tod. Als wir später auf dem Highway zurück zum Dorf wollten, kamen wir an eine Straßensperre. Dieser Kerl war unter ihnen und…..", breche ich ab um Luft zu holen. "Ich habe mein Messer geworfen."
"Das habe ich dir beigebracht und du hast genau getroffen, nicht wahr?", flüstert Cole nun an meinem Kopf und ich nicke still.
"Was passierte dann?", fragt er nun, aber ich schlucke schwer, als ich Daryls Stimme höre.
"Sie haben sie einfach abgeknallt. Maya fiel vor mir zu Boden und ich dachte, sie wäre tod. Ich bin abgehauen wie ein kleiner Junge. "gesteht er ein und mein Onkel bleibt still.
"Ich war ja auch fast Tod. Als ich aufwachte, war ich bei Dad und man hat mich verarztet. Du kennst ihn, Onkel Cole! Er macht nichts für jemanden anderen. Ich habe mein Gedächtnis verloren und längere Zeit wieder bei den Saviors gelebt. Irgendwann kam alles zurück. Sie haben mir Nervengifte verabreicht, das ich vergesse. Mir wurde erzählt, dass Daryl mich erschossen hat.", erkläre ich ihm.
"Jesus half mir in dieser Zeit sehr."
"Jesus? Gott sei Dank geht es ihm gut. Ich habe seinen Eltern geschworen auf ihn achtzugeben aber er musste dir ja schon immer nach laufen." grinst mein Onkel nun, um die Stimmung etwas zu erhellen als er Daryls Gesicht sieht.
"Ach Kumpel. Es ist nur Jesus, da musst du dir nichts draus machen. ", witzelt er, als er erkennt, wie Daryl seine Augenbrauen hoch zieht.
"Maya?", fragt Cole aber ich bleibe still.
"Ach du Scheiße. Das kann ja nicht wahr sein. Ihr seid wie Geschwister. Na das ist alles ne harte Nummer, die ihr da erlebt habt.", stellt er schnaufend fest.
Daryl schaut mich die ganze Zeit fragend an und versucht einige Informationen zusammenzufügen.
Ich wollte ihm so vieles erzählen aber ich konnte nicht und jetzt gerade muss ich auspacken.
"Das ist nicht alles.", sage ich zu meinem Onkel.
"Großer Gott, was kommt jetzt noch?", will er wissen.
"Das ist der Grund, warum wir hier sind. Jesus und ich wurden gefangen genommen und von einer Gruppe Kannibalen gequält. Daryl und die anderen haben uns daraus geholt und einen der Typen gefangen genommen. Wir können nicht riskieren, dass sie unsere Heimat angreifen. Verstehst du?", frage ich meinen Onkel und dieser nickt mir verständnisvoll zu.
"Du möchtest Informationen und Hilfe.", stellt er fest.
"Ja! Wir haben Kinder dort und können kein Risiko eingehen.", flehe ich ihn an.
"Ich kann meiner Nichte doch keinen Wunsch abschlagen. Ich werde mit meinen Männern reden und hören, ob jemand etwas weiß, einverstanden?", fragt er und ich fühle mich erleichtert.
"So Kumpel. Versuch unser restliches Mittagessen zu fangen!", lacht Cole auf und erhebt sich.
"Ich lasse euch Mal allein und gucke, wer wieder im Camp angekommen ist."
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Die letzte Rose
RomanceIn einer Welt, welche überhäuft mit Gewalt und Tod ist,wo Blut an allen noch mit Leben gefüllten Händen klebt, gedeiht ganz langsam etwas Neues. Eine ganz kleine Rose, die einem fast verloren geglaubtem Herz aus Stein wieder Liebe einhaucht. Wenn e...
