Die Tür flog mit so viel Schwung auf, dass sie mit einem lauten Knall gegen das Regal dahinter krachte. Bücher polterten herunter. Ein paar lose Blätter wurden vom chaotischen Tisch des Präsidenten geweht und trudelten zu Boden. Stürmisch betrat Liv das Büro und stapfte auf den Schreibtisch zu. Ihre Hände klatschten auf das harte Holz und der vorwurfsvolle Blick traf ihren überraschten Vater direkt ins Gesicht.
„Was soll das heißen: Befreiung der Pflicht als Hunter, der Bevölkerung in ausgewählten Punkten zu dienen –“ Sie knallte ihm das geknitterte Formular auf die restlichen Papiere. „Willst du mich vollständig aus dem Caraunt werfen lassen?!“
Der Präsident, der sein erstes Erstaunen überwunden hatte, lehnte sich im Stuhl zurück und rieb seine von dicken Ringen unterlegten Augen. „Liv…“
„Ich weiß, dass du eine Menge zu tun hast – warum also verschwendest du deine Zeit mit solchem Unsinn?“ Sie unterbrach ihn mit voller Absicht und lief aufgebracht im Raum auf und ab. Wie konnte er das nur machen – seine eigene Tochter vom Außendienst suspendieren lassen! Gemeiner ging es wohl kaum. Was auch immer sie ausgefressen hatte – und sie konnte sich nicht daran erinnern, überhaupt etwas getan zu haben – diese Strafe war definitiv zu hoch!
„Du machst mal wieder ein riesiges Theater um Nichts.“ Sein Ton sollte vorwurfsvoll klingen, hörte sich in Livs Ohren jedoch einfach nur müde an. „Man hat dich zu früh für den Außendienst eingetragen. Du bist gerade mal ein halbes Jahr bei den Hunters und sollst schon eine ganze Expedition leiten? Liv. Du bist noch nicht einmal achtzehn.“
Da war sie wieder! Diese komplett überholte Einstellung der älteren Generation, erst mit achtzehn volljährig zu sein – von wegen! Bereits vor sieben Monaten war diese Grenze hinuntergesetzt worden. Man war jetzt mit dem sechzehnten Lebensjahr volljährig und durfte den Hunters beitreten. Kaum war dieses Gesetz verabschiedet, hatte Liv sich eingeschrieben – und seitdem gab es diese Schwierigkeiten mit ihrem Vater. Dabei waren sie doch sonst ein Herz und eine Seele!
„Die Hunters brauchen Nachwuchs wie mich. Bekommen sie den nicht, wird die Stadt nicht mehr versorgt und die Menschen haben nicht den Hauch einer Chance, zu überleben. Verstehst du? Wir werden alle sterben, wenn wir keine annehmbaren Hunter mehr haben! Und ich bin gut – das habe ich in zahlreichen Außeneinsätzen bewiesen.“ Eigentlich waren es bloß zwei ganz kleine gewesen, doch das spielte in diesem Moment wirklich keine Rolle. Mit vor der Brust verschränkten Armen starrte sie ihren Vater an.
„Das will ich doch auch gar nicht bestreiten.“ Er beugte sich vor und sah sie mit diesem verständnisvollen Blick an, der ihr immer so vertraut vorkam. Aber nicht dieses Mal! Sie würde nicht einknicken, beschloss sie, während sie ihm weiter zuhörte. „Aber das da draußen hat kaum etwas mit Können zu tun – viel eher mit Glück. Was, wenn dir etwas zustößt? Ich würde mir Vorwürfe machen, dass ich dich habe gehen lassen!“
„Du willst also bloß, dass mir nichts passiert.“ Ihr Gesicht blieb hart.
„Das ist der Wunsch eines jeden Vaters – das kann man doch wohl verstehen…“
Liv warf die Arme in die Luft und schritt wieder im Zimmer auf und ab. „Aber dass ich helfen will, ist dir ziemlich egal, oder?“ Sie holte einmal tief Luft und überlegte sich ihre nächsten Worte genau. „Wir sind alle eine Gemeinschaft – ganz Nurvia. Wir sind nur noch sehr, sehr wenige Menschen und wir wissen nicht, ob es noch weitere von uns da draußen gibt. Wir sind zwangsläufig dafür verantwortlich, dass unsere Art nicht ausstirbt. Und das können wir nur dann, wenn wir alle zusammen halten! Und damit meine ich wirklich alle. Wenn nicht jeder das gibt, was er kann, können wir auch gleich aufgeben. Dann haben wir unseren Untergang selbst herbeigeführt und besiegelt. Und deshalb muss ich gehen. Du kannst mich nicht davon abhalten.“
Der Präsident stieß einen Schwall Luft aus und vergrub sein Gesicht in den Händen, die Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt.
Er sah alt aus. Liv entdeckte immer neue graue Strähnen in seinem ansonsten pechschwarzen Haar. Seine Wangen begannen einzufallen und die Haut wurde blasser. Das Präsidenten-Amt war keine leicht zu tragende Last – vor allem jetzt, da die Aufstände überall in der Stadt ausbrachen und für Unruhe sorgten. Es war purer Stress, das alles aufzuhalten und die Bevölkerung wieder zusammenzuführen, denn – wie sie gerade selbst gesagt hatte – sie konnten nur überleben, wenn sie zusammen hielten. Die Menschen waren in Panik – das war verständlich. Doch es brachte niemandem etwas, den Kopf zu verlieren. Diese Rebellen mit ihren weltverändernden Ideen hatten alles nur noch schlimmer gemacht…
„Du hast ja Recht.“, gab der Präsident erschöpft von sich. Bei dem Blick, mit dem er sie nun anschaute, verzieh sie ihm sofort alles. Er war eben ein besorgter Vater und hatte in der letzten Zeit wirklich eine Menge um die Ohren.
„Also darf ich gehen?“ Sie wäre gegangen – so oder so. Immerhin war sie volljährig und durfte selbst bestimmen, was sie tat. Dennoch war es ihr lieber, mit seinem Einverständnis aufzubrechen.
Er nickte und wandte sich dann wieder seinen Formularen und Anträgen zu, die sich stapelweise auf seinem Tisch türmten. Liv sammelte eilig die Papiere auf, die ihr Eintreten vom Tisch gefegt hatte und nahm das Schreiben ihres Vaters an den Verteidigungsminister wieder an sich.
„Aber pass auf dich auf.“, hörte sie noch, als sie aus dem Raum verschwand. Sie versprach es.
Auf dem Gang lief ihr ein sichtlich nervöser Mann mittleren Alters entgegen. Liv hatte ihn noch nicht hier gesehen und wurde sofort misstrauisch. Erst vor zwei Wochen war ein gescheiterter Anschlag auf ihren Vater verübt worden – das konnte jeder Zeit wieder passieren. Sie hielt den Unbekannten an.
„Wollen sie etwas von meinem Vater?“
„Eine Botschaft.“, antwortete der unruhige Mann sofort. „Ein Schwerverletzter ist von seiner Mission zurückgekehrt und sein Bericht ist ziemlich beunruhigend…“
Liv nickte. Sie glaubte ihm, doch noch mehr Aufregung und Stress taten ihrem Vater sicher nicht gut. „Ich vertrete ihn.“, erklärte sie deshalb und schritt voraus. Wenn es etwas wirklich Besorgniserregendes war, würde sie den Präsidenten davon in Kenntnis setzen. Wenn nicht, war es unnötig, ihren Vater damit zu belasten.
Der Mann folgte ihr und sie verließen zusammen schnellen Schrittes das Gebäude.
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Sooo, meine Lieben! :)
Leider neigen sich jetzt auch für mich die Ferien dem Ende zu, weshalb ich in der nächsten Zeit vermutlich nicht mehr so häufig Kapitel posten kann, wie ihr es von mir gewohnt seid... Ich gebe mir natürlich trotzdem Mühe, öfter zu schreiben und ich denke, einmal die Woche wird wohl noch zu schaffen sein! :)
LG Sonnenschein :D :***** <3
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Hunters 2 - der Pfad des Jägers
Fantasia*** WICHTIG: Da der erste Teil von "Hunters" überarbeitet wurde, passen einige Dinge nicht mehr zusammen. Wenn Zeit ist, wird dieser Teil deshalb ebenfalls überarbeitet.*** Die Schwerter schlugen aufeinander - schwer und hart. Die Atmosphäre schien...
